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Jahrgang 2016 Nummer 3

Sole aus Bad Reichenhall nach Traunstein

Vor 400 Jahren verfügte Herzog Maximilian den Bau der Traunsteiner Saline

Die Salinenkapelle in der Au wurde in den Jahren 1630 und 1631 unmittelbar neben der Saline in der Au errichtet. Sie gilt als die größte Kapelle in Deutschland.

In diesen Wochen jährt sich zum 400. Mal eine Verfügung von Herzog Maximilian, die der Stadt Traunstein in den folgenden Jahrhunderten Wohlstand brachte. Am 4. Januar 1616 wies er an: Über das Gebirge solle die Sole aus Bad Reichenhall nach Inzell und Siegsdorf und von dort nach Traunstein geführt werden, weil dort Holz im Überfluss vorhanden war.

Der Hofbaumeister Hans Reiffenstuel und sein Sohn Simon konstruierten ein Rohrleitungssystem, das auf einer Strecke von 31 Kilometern einen Höhenunterschied von 253 Metern überwand. Es war ein technisches Meisterwerk und die erste »Pipeline« der Welt. Mehr als 8000 Deicheln, ausgehöhlte Holzstämme, wurden aneinandergefügt. An sieben Pumpstationen wurde die Sole nach oben befördert, ehe sie die nächsten Kilometer in den Rohren bergab weiterfloss. Gleichzeitig errichtete man auf dem Pflegeranger, dem heutigen Karl-Theodor-Platz, in der kaum besiedelten Au die Saline. In nur drei Jahren Bauzeit entstanden Sudstätten, Härthäuser und Wohnungen. Am Oswaldtag (5. August) 1619 wurde der Betrieb aufgenommen.

Die Saline war von der Stadt autark. Als sogenannte Hofmark bildete sie einen geschlossenen Rechts- und Verwaltungsbezirk unter der Aufsicht des Salzmaiers mit eigener Kirche, Schule und einem eigenen Wirtshaus. In den Jahren 1630/31 wurde auf Kosten der kurfürstlichen Hofkammer die Salinenkapelle errichtet. Ausgeführt wurde der Sakralbau von Stadtmaurermeister Wolf König und Stadtzimmermeister Wolf Hueber nach Plänen von Isaak Bader. Der Chiemseer Bischof Johann Franz Graf von Preysing weihte das Gotteshaus am 14. September 1671. Die Salinenkapelle gilt als die größte Kapelle in Deutschland. Heute ist sie von vielen historischen Gebäuden des denkmalgeschützten Ensembles aus der Salinenzeit (1619 bis 1912) umgeben.

In der Stadt wohnten in der Blütezeit der Traunsteiner Saline ausschließlich die hohen »Salzbeamten«. Sie steigerten so das an Hausbesitz gebundene Steueraufkommen Traunsteins. Gleichzeitig aber dominierten sie mehr und mehr das gesellschaftliche Leben. Die Stadt erkannte diese Gefahren und wehrte sich gegen den staatlichen Großbetrieb vor ihren Toren, wenn auch ohne Erfolg. Die kostenlose Zuteilung von Küchensalz und die Ausdehnung des Scheibenpfennigs auf die örtliche Produktion im Jahre 1622 beruhigten die Gemüter. Aber noch lange sahen die alteingesessenen Bürger im wörtlichen wie übertragenen Sinn »von oben« auf die Au und ihre »Saliner« herab.


Klaus Oberkandler

 

3/2016