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Jahrgang 2008 Nummer 49

So ist’s gewesen damals am Nikolaustag

Monerl und Michl warten bei den Großeltern auf den Nikolaus

Finster ist’s noch draußen und erst knapp sieben Uhr, wie der Michl und die Monerl die Stufen der steilen Stiege hinunterhüpfen. Die Zwei haben über Nacht bei den Großeltern bleiben dürfen, weil heute ja ganz bestimmt der Nikolaus kommt, jedenfalls hat dieser zu dem einsamen Gehöft noch jedes Jahr hingefunden. Die Großmutter ist heute schon im Stall fertig, sie kocht grad die Morgensuppe und so sitzen die Beiden gleich darauf mit den Großeltern in der warmen Küche am großen Tisch, wo es doch bei der Großmutter allweil so gut schmeckt. Wie sie aus dem Küchenfenster schaun, da staunens ned wenig über den Haufen Schnee, der in der Nacht vom Himmel gefallen ist. Das Monerl setzt sich aufs breite Fensterbrettl und meint nachdenklich zur Großmutter, ob bei dem vielen Schnee der Nikolaus schon kommt? Der Michl, um zwei Jahre älter, meint beiläufig, dass der Hl. Nikolaus ja doch wieder den Krampus dabei haben wird. Er ist halt ein echter Lausbub und der heutige Tag passt ihm gar ned so recht.

Die Großmutter meint nachher, »ob’s ned a’ bissl zum Schlittenfahren geh’n möcht’n«, da ziehen die Zwei sich warm an und laufen durch die Tennentür hinaus in den frischen Schnee. Es schaut so aus, als wollte es heute den ganzen Tag ned richtig hell werden, das meint auch der Großvater, der sich ein Wegerl zur Werkstatt schaufelt, indessen die Beiden mit dem Schlitten dem nahen Abhang hinter’m Haus zuwaten. Doch lang bleiben’s ned aus und ’s Monerl erzählt der Großmutter ganz aufgeregt, dass im nahen Wald immer was knackst und dass das bestimmt der Krampus gewesen ist. So bleiben die Zwei bis zum Mittagessen lieber in der Stube drinnen und suchen sich etliche alte Spielsachen, mit denen hat schon die Mutter gespielt als kleines Mädchen, das hat die Großmutter den Zweien schon oft erzählt.

Am Nachmittag fangt die Großmutter zum Guatlbacken an und die Monerl fragt, ob sie ein bissl mithelfen darf und der Michl geht mit dem Großvater in die Werkstatt, wo es in dem kleinen, eisernen Ofen schon knistert und kracht. Sonst ist der Michl gern mit dem Großvater dort, da kann er sich lang aufhalten und auch einmal was basteln von den vielen Hobelspänen. Heut aber taugt’s ihm gar ned so richtig, schließlich druckst er raus und zupft den Großvater am Joppenärmel, »ob’s gar recht schlimm werd heut’ auf d’ Nacht, wenn der Nikolaus kommt, wo er doch ned allerweil der bravste gwesn’ ist«. »So arg werd’s schon ned werden«, meint da der Großvater schmunzelnd und erzählt dem Michl, wie ihn damals als Bub, bald der Krampus mitgenommen hätte, und ganz aufgeregt hört dieser zu.

Langsam wird’s Zeit zur Brotzeit und Großvater und Enkel stapfen dem Haus zu, drei Uhr ist’s inzwischen geworden und leise fängt’s wieder zu schneien an. In der Kuchl drinnen hat die Großmutter einen Lindenblütentee gekocht und die Monerl legt etliche Guatl, die beim Backen ein bisserl zu braun geworden sind, auf den Tisch. Der Großvater fragt die Zwei, ob sie mitgehen möchten zum Rehe füttern, bevor’s ganz finster wird, nach kurzem Nachdenken nicken beide übereinstimmend. Der Großvater stopft einen Bauschen Heu unter den Arm und gemeinsam waten die Drei der verschneiten Futterkrippe zu. Auf einmal bleibt der Michl wie angwurzelt stehen und starrt hinein ins Holz, wie der Großvater fragt, was er hat, behauptet er steif und fest, er hätte den Nikolaus und den Krampus gesehen. Auch das Monerl ist froh, wie sie endlich wieder beim Tennentürl hineingehen, im Hausgang drinnen ziehen sie die nassen Sachen aus und beschließen, dass sie heute nimmer aus dem Haus gehen.

Wie bald darauf die Großeltern bei der Stallarbeit sind, macht der Michl in der Kuchl drinnen die Vorhänge ganz fest zu und das Monerl holt sich das Bilderbuch vom Christkindl, des ja auch bald kommt.

Dem Michl aber taugt’s allerweil weniger, er möcht’ gern in den Stall zu dem kleinen Kälbchen gehen, aber er traut sich kaum, die Tennentür aufzumachen. Schließlich rennt er mit einem Ruck hinaus und hinein in den Stall und hin zum Kälbchen, das er heute besonders liebevoll streichelt. Nebenbei späht er aber immer wieder beim Stallfenster hinaus, ob ja der Krampus nicht hereinschaut. Erst als die Großeltern mit dem Ausmisten und Melken fertig sind, traut er sich mit den Beiden wieder hinaus in die Tenne und hinein in den Hausgang. Das Abendessen schmeckt weder dem Michl noch dem Monerl so richtig, denn lang werden die beiden bestimmt nicht mehr aus sein, des meint auch die Großmutter, die es sich auf der Ofenbank bequem gemacht hat. Der Großvater schlägt gerade die Zeitung auf und möcht’ sich auf ’s Kanapee setzen, wie auf einmal eine Kette ans Stubenfenster scheppert und schwere Schritte hört man auch draußen. Der Michl steht eine Weile unschlüssig mitten in der Stube, dann macht er einen Satz und ist im Nu in der hintersten Ecke vom Ofen verschwunden, das Monerl kraxelt auf der Großmutter ihren Schoß, der Großvater aber geht an die Haustür und schiebt den großen Riegel zurück. Gleich darauf stehen der Nikolaus und hinter ihm der Krampus in der Stube, die Großmutter steht auf und gibt dem Nikolaus die Hand und das Monerl schaut ihn mit großen Augen an, dann gibt auch das Dirndl ihm die kleine Hand. »Schön is’ da’ Nikolaus mit dem langa, rot’n Mantel und der großen Haube und der lange Stab in seiner Hand ist ganz bestimmt aus lauter Gold«, so geht’s ihr durch den Kopf. Der Nikolaus sagt Grüaß Gott beinand, schaut ’s Monerl lächelnd an und fragt gleich darauf nach dem Michl. Da ruft ihn der Großvater aus seinem Versteck heraus und meint zu ihm, er soll doch dem Nikolaus die Hand geben. Recht langsam kommt er endlich raus aus dem Versteck und seine Augen suchen gleich den Krampus, der, kaum dass er an Michl sieht, seine Rute schwingt und dazu brummt er was, das heißen soll: »Wart no’ i’ kriag di’ schon«. Der Nikolaus aber schaut den Michl fast ein bissl schmunzelnd an und meint zu ihm, dass es zum Mitnehmen ned langt und dass der Krampus sein großen Sack ruhig wieder weg tun kann. Ein bissl bessern müaßt er sich aber schon, ned grad der Großmutter beim Holz hereintragen helfen, auch seine Mama braucht ihn manchmal schon recht notwendig und seine Schwester soll er halt auch ned allerweil so tratzen. Zum Monerl gewandt, meint der Nikolaus, sie soll allweil so ein braves, liebes Dirndl bleiben. Sodann gebietet er dem Krampus, der mit grimmigen Gesicht hinter ihm steht, »endlich d’ Ruatn und den Sack wegzdoa, er soll eahm liaba de’ zwoa Sackl herdoa« und lächelnd streckt er diese den beiden entgegen. Das Monerl schaut dankend zum Nikolaus auf und auch der Michl verliert langsam seine Furcht und gibt ihm dankend seine Hand. Er wird sich ganz bestimmt bessern, versichert er ihm treuherzig und er soll doch dem Christkindl einen schönen Gruß ausrichten, dass es auch bestimmt kommt.

Der Nikolaus verspricht, »dass er dies bestimmt doa’ werd« und mit einem Blick auf die Großeltern meint er, »dass er iatzt aber wieder weiter muaß«, wünscht noch alle miteinand eine gute Nacht« und stapft zur Stubentür hinaus. Der Kampus wirft noch einen grimmigen Blick auf den Michl und stolpert ihm nach. Der Großvater geht noch mit in den Hausgang, sagt dem Nikolaus Guad Nacht und schiebt den schweren Riegel an der Hausür vor. Wie er wieder in die warme, heimelige Stube kommt, hocken der Michl und das Monerl auf dem Stubenboden und leeren ihre Sackerl aus. Da kommen Äpfel, Orangen und Nüsse zum Vorschein und gedörrte Zwetschgen, die mögens besonders gern und ganz unten finden die Zwoa zwischen vui guade Lebkucha’, auch no a’ dick’s Malbüachl und dazu vui Malstifte.

Da dankt der Michl dem Nikolaus nochmals im geheimen und an Krampus lacht er aus.

Elisabeth Mader



49/2008