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Jahrgang 2004 Nummer 19

Sisi – Das Ende eines Mythos

Neues Museum zeigt eine Elisabeth »ohne Zuckerguss«

Wien ist um eine Attraktion reicher: Das neue Sisi-Museum in der Hofburg hat kürzlich geöffnet. Es widmet sich dem Leben - und d

Wien ist um eine Attraktion reicher: Das neue Sisi-Museum in der Hofburg hat kürzlich geöffnet. Es widmet sich dem Leben - und dem Mythos – der österreichischen Kaiserin Elisabeth (1837-1898) die als »Sisi« in die Geschichte eingegangen ist. Im Bild die Totenmaske der Kaiserin.
Schattenfigur der Kaiserin.

Schattenfigur der Kaiserin.


Schockierender kann der erste Kontakt des Besuchers mit »Sisi« kaum sein. Im Halbdunkel des ersten Raumes des neuen »Sisi-Museums« in der Wiener Hofburg steht er vor der angestrahlten Totenmaske der 1898 in Genf ermordeten österreichischen Kaiserin. Auch ein Blick in die folgenden sechs Räume wirkt eher ernüchternd. »Wir wollten den Mythos darstellen und die Legenden um Sisi beleuchten«, erläutert Katrin Unterreiner, die für die Ausstellung des neuen Museums in der Donau-Metropole verantwortlich ist.

Am Ende der Exposition, die kürzlich ihre Tore öffnete, bleibt nichts mehr übrig vom Gefühl der Glückseligkeit, das etwa die Sisi-Trilogie mit Romy Schneider aus den 50er Jahren vermittelte. Elisabeth, die vor 150 Jahren Franz Josef I. heiratete, war alles andere als jene strahlende Kaiserin, die das Leben am Hofe genoss und der die Untertanen zujubelten. Und genau dies versucht das neue Museum am Eingang zu den Kaiser-Appartements den Besuchern zu vermitteln. Zwar zeigt das Museum auch den Glanz und Prunk des kaiserlichen Lebens. Beispielsweise wurden extra wertvolle Schmuckstücke Elisabeths rekonstruiert. Daneben aber zeichnet die Ausstellung unter Einsatz moderner Multimedia- und Videotechnik das oft traurige Leben einer einsamen Frau nach, die sich vom ersten Tag ihrer Ehe in ihrer Rolle als Kaiserin in die höfischen Strukturen »eingezwängt« fühlte. Einer Sisi, die immer wieder auszubrechen versucht, die immer wieder zu langen Reisen aufbricht, die den rebellischen und bei Hof verpönten Dichter Heinrich Heine liebt und selbst Gedichte schreibt. Elisabeth, die Kaiserin, die sich immer mehr in Aktivitäten flüchtet, die mit ihrer Aufgabe als Landesmutter nicht zu vereinbaren sind, die in einen Schlankheitswahn verfällt, täglich turnt, auf die Waage steigt und unzählige Diäten probiert, um ihr Gewicht zu halten.

Der Bühnenbildner Rolf Langenfass sieht in der von ihm aus 300 Objekten aufgebauten Ausstellung eine »Inszenierung von Gefühlen«. Zusammen mit der Kuratorin Katrin Unterreiner zeichnet er den langen Weg der unbeschwerten 16-jährigen Tochter des bayerischen Herzogs Max nach, die nach Wien gebracht wird, um ihren Cousin zu heiraten. Doch das Leben an der Seite des Kaisers wird ihr zur Qual. Sie fühlt sich nach ihren eigenen Worten oft »wie ein Pferd im Geschirr«. Die Ausstellung endet mit der Ermordung Sisis 1898 durch den italienischen Anarchisten Luigi Luccheni in Genf, der ihr eine zugespitzte Feile ins Herz stieß. Auch das Mordwerkzeug ist in der Ausstellung zu sehen. In einem ihrer Gedichte hatte Elisabeth den Tod erahnt. »Ich wollte«, schrieb sie, »meine Seele entflöge zum Himmel durch eine ganz kleine Öffnung des Herzens«.

Rund 800 000 Euro hat die Schloss Schönbrunn Gesellschaft, die für das neue Museum zuständig ist, in die Ausstellung am Eingang der kaiserlichen Appartements investiert. Die Investition sollte sich lohnen. Schon im vergangenen Jahr kamen 400 000 Gäste, die überwiegend die Gemächer von Sisi sehen wollten. Mit dem neuen Sisi-Museum sollten es deutlich mehr werden hofft man in Wien.

CF



19/2004