Jahrgang 2009 Nummer 14

Sind die Stuben noch so rein, vor Ostern muss gestöbert sein

Ratschläge für Hausfrauen, wie die Wohnung nach den langen Wintermonaten wieder blitzsauber wird

Konnte die Landfrau während der Wintermonate Wohnung und Haus auch in Ordnung halten, eine gründliche Reinigung ließen die sonnenarmen Tage kaum zu. Jetzt aber soll vor Ostern wieder alles blitzsauber werden, wenn auch die Männer dem Großreinemachen mit einigem Unbehagen entgegensehen.

Gewöhnlich werden Küche und Speise, vielleicht auch Wohn- oder Schlafzimmer bei dieser Gelegenheit getüncht. Farben und Muster bedürfen einiger Überlegung. Küche und Speise wirken in einem hellen Kalkanstrich mit einfachem Abschlussstrich gegen den etwas dunkleren Sockel lichter und freundlicher als in einer oft in Bauernhäusern zu beobachtenden dunklen Tönung mit zwei- oder gar mehrfarbiger Bordüre. Es gibt einen waschechten, luftdurchlässigen Kalkanstrich, der sich für Sockel eignet. Dieser Anstrich besteht aus drei Teilen Marmorstaub, drei Teilen Kieselgur, zwei Teilen Sandsteinstaub, zwei Teilen gelöschtem Kalk, zwei Teilen gebrannter Porzellanerde und einer damit vermischten Kalkfarbe beliebiger Tönung. Vor dem Neuanstrich muss die alte Kalkfarbe abgekratzt werden. Nach dem Tünchen sind die Wände mehrmals mit Wasser zu überstreichen, um die nötige Härte zu erhalten. Wände, die hinter Bildern, Spiegeln oder Möbeln Schimmelbildung aufweisen, werden mit Spiritus vorbehandelt, dem man zweiprozentige Salizylsäure zusetzt.

Weiße Dielen werden mit flüssiger Seife und feinem Sand blütenweiß; gestrichene Böden dürfen mit scharfen, ätzenden Mitteln nicht gereinigt werden. Das Wischen geschehe in der Richtung der Bodenbretter. Terpentin oder Terpentinersatz machen Parkettböden so hell wie nach dem Abziehen. Das gereinigte Bodenstück muss gleich mit einem trockenen, reinen Lappen nachgerieben werden. Linoleum reinige man mit leichtem Seifenwasser. Gutes Bohnerwachs gibt ihm und den gestrichenen und parkettierten Böden nach der Reinigung erwünschten Glanz.

Gestrichene Türen säubere man mit leichter Seifenlösung oder Kartoffelwasser und wische sie mit klarem Wasser nach. Im Handel gibt es heute verschiedene gute Reinigungsmittel, die diese Arbeit erleichtern. Dünn aufgetragenes, flüssiges Bohnerwachs gibt den gut trockenen Türen wieder Glanz und eine Schutzschicht.

Fleckerlteppiche werden mit einer beim Waschen übriggebliebenen Lauge sauber. Das Trocknen soll möglichst rasch geschehen. Man hänge die Teppiche so auf, dass die farbigen Stoffstreifen von oben nach unten hängen, damit die Farben weniger ineinanderlaufen und die dünne Webschnur infolge der Schwere des nassen Teppichs nicht reißt.

Beim Fensterputzen, das nur dann geschehen soll, wenn die Sonne nicht auf das Glas scheint, erhält man klare Scheiben durch Waschen mit lauwarmen Wasser, dem etwas Spiritus zugesetzt ist. Spiegel werden mit einem weichen, leicht essiggetränkten Lappen abgerieben. Hat der Spiegel an Glanz eingebüßt, so nimmt man trockenes Ultramarin und reibt mit weichem Lappen ab. An feuchten Wänden hänge man nur Spiegel mit preparierter Rückwand auf. Bilderrahmen werden abgeledert; Goldrahmen wischt man mit einem salmiakwassergetränkten und fest ausgedrückten Lappen ab.

Flecken auf Marmorplatten lassen sich mittels eines petroleumgetränkten Lappens entfernen. Nachspülen mit sauberem, warmem Wasser ist erforderlich.

Flecken auf Tapeten bestreicht man mit einem Brei aus Benzin und Magnesia. Nachdem dieser einige Stunden einwirkte, reibt man mit weichen Tüchern sauber.

Speise, Kammer, Speicher und Keller dürfen nicht zu Abstellräumen unbenützten alten Gerümpels werden. Man nehme sich ein Herz und räume gelegentlich der Stöberei auch hier einmal gründlich aus.

Dem Schlafzimmer ist beim Stöbern besondere Aufmerksamkeit zu widmen, denn in ihm verbringt man mindestens ein Drittel seines Lebens. Es schadet keineswegs, wenn die Schlafräume etwas nüchtern aussehen. Hinaus mit allen Staubfängern! Matratzen und Betten tut das Lüften in der Sonne gut. Doch sollen die Betten nicht stundenlang der prallen Sonne ausgesetzt werden, weil dadurch Barchent und Federn in die Brüche gehen. Zu vermeiden ist auch zu festes Klopfen der Betten; es genügt tüchtiges Schütteln und Bürsten.


14/2009