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Jahrgang 2008 Nummer 50

Sie sorgen für die Sicherheit des Papstes

Eine Gedenkmedaille mit den Porträts von Julius II. und Benedikt XVI.

Mit einem Doppelporträt von zwei in ihrem Charakter sehr unterschiedlichen Päpsten gedenkt die Schweizergarde ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Die Vorderseite zeigt Papst Julius II., den Gründer der Schweizergarde zusammen mit dem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. Auf der Rückseite sieht man die Vereidigung neuer Rekruten auf dem Petersplatz mit ihrer Gardefahne. Darunter liest man den Spruch: ACRITER ET FIDELITER (Tapfer und treu). Die Silbermedaille wurde von der Appenzeller Prägestelle im Auftrag der Schweizergarde hergestellt und ist bei den üblichen Verkaufsstellen oder über den Online-Shop unter www.schweizergarde.org erhältlich.

Die Schweizergarde ist nicht nur die berühmteste Garde der Welt, sondern auch die einzige noch existierende Garde aus dem alten Kirchenstaat, der früher über ein ansehnliches Söldnerheer verfügte. Das war wichtig zu einer Zeit, als der Vatikan ein großes Territorium besaß und immer wieder mit anderen Mächten in Konflikte geriet. Söldner aus der Schweiz hatten einen ausgezeichneten Ruf und standen besonders in Frankreich, Spanien und Holland in Dienst. Dass sie auf einen hohen Sold Wert legten, belegt das Sprichwort »Kein Kreuzer – kein Schweizer«.

Als erster Papst stellt Julius II. (1503-1513) eine Truppe von zweihundert Schweizer Söldnern als seine persönliche Leib- und Palastwache ein. Ihr Dienst war in den damaligen unruhigen Zeiten nicht ungefährlich. Julius II., von einem Kirchenhistoriker ein »großer Krieger und Politiker, doch weder ein Hirte noch ein Heiliger« genannt, war mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Allein bei der Belagerung und Plünderung Roms durch die Armee Kaiser Karls V. sollen von den zweihundert Schweizergardisten 147 tapfere Männer ihr Leben gelassen haben.

Bis heute ist die Schweizergarde zuständig für die persönliche Bewachung und die Sicherheit des Papstes. Sie überwacht den Apostolischen Palast sowie alle Eingänge zur Vatikanstadt sowie die Sommerresidenz Castelgandolfo, wenn der Papst im Sommer dort residiert. Die bekannten blau-rot-gelben Uniformen sollen von Michelangelo entworfen worden sein, wofür es jedoch keinen offiziellen Nachweis gibt. Die Gardisten werden nach wie vor nur aus der Schweiz rekrutiert. Voraussetzung für die Aufnahme in die Schweizergarde sind: katholische Konfession, Alter zwischen 19 und 30 Jahren, Körpergröße mindestens 1,74 Meter, Abschluss einer Mittelschule oder einer Lehre, Absolvierung der Rekrutenschule bei der Schweizer Armee und natürlich ein tadelloser Leumund.

Das Wappen der Schweizergarde ziert eine Eiche, das Symbol der Adelsfamilie Rovere, aus der Julius II. stammte. Stärker als durch seine kriegerischen Aktivitäten hat sich Papst Julius durch sein Mäzenatentum und durch seine Kunstbegeisterung die Achtung der Nachwelt erworben. Unter seinem Pontifikat begann Bramante mit dem Bau des Petersdomes, schufen Michelangelo und Raffael ihre unvergänglichen Fresken. Die Liebe zur Kunst verbindet ihn mit Benedikt XVI., der mehrfach auf den engen Zusammenhang von Schönheit und Wahrheit hingewiesen hat.

Julius Bittmann



50/2008