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Jahrgang 2020 Nummer 38

Sie sollen »einer friedvollen einheitlichen Gemeinde läuten«

Vor 70 Jahren weihte Bischof Dr. Anton Scharnagl die neuen Inzeller Kirchturmglocken

Diese drei Glocken wurden vor 70 Jahren geschmückt am Inzeller Dorfplatz präsentiert. Links ist die Glocke der heiligen Jungfrau Maria, in der Mitte die Glocke des heiligen Josefs und rechts die St.-Michaels-Glocke. (Foto: Gemeinde Inzell)

Zu jeder Tageszeit erklingen die Inzeller Glocken im Kirchturm der Gemeinde – drei von ihnen nun seit 70 Jahren: Am 24. September 1950 weihte Weihbischof Dr. Anton Scharnagl die drei neuen Inzeller Glocken. Die Glockenweihe vor 70 Jahren war in Inzell ein besonderes Ereignis.

»Das feierlich geschmückte Gotteshaus war bis auf den letzten Platz mit erwartungsfrohen Menschen gefüllt. Der Kirchenchor, verstärkt durch Streicher und Bläser, sang unter der Leitung seines Chorregenten Josef Wareslohner die 'Misa brevis' von Josef Haydn«, stand damals unter anderem in unserer Zeitung.

Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche begann die Weihe der Glocken nach altem Ritus auf dem Inzeller Dorfplatz. Dazu wusch Scharnagl »unter weihevoller Stille der Menschenmenge« symbolisch die Glocken mit Weihwasser und salbte sie anschließend mit »heiligem« Öl. Währenddessen erklärte Pfarrer Johann Oberhauser die Einzelheiten der »heiligen Handlung.« In der darauffolgenden Woche wurden die Glocken zusammen mit der alten Glocke »zu einem vollen Geläute vereinigt«.

Die noch existierende Glocke im Inzeller Kirchturm stammt aus dem Jahr 1876 und wurde von Anton Oberascher in Bad Reichenhall gegossen. Sie war eine Stiftung der Eheleute Philipp und Maria Grill und wurde von Weihbischof Johann Della-Bona im Salzburger Dom geweiht. Diese sogenannte »Große Glocke« und die Evangelisten-Glocke aus dem Jahr 1725 waren die einzigen der fünf Inzeller Glocken, die nicht im Zuge des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen und für die Rüstungsindustrie verwendet wurden. 1926 kam die EvangelistenGlocke dann nach Eisenärzt und der Inzeller Kirchturm erhielt drei neue Glocken. Doch nur 16 Jahren blieben diese im Kirchturm. Mitte des Zweiten Weltkriegs wurden sie wieder abgenommen und in Hamburg am sogenannten »Glockenfriedhof« eingeschmolzen. Die »Große Glocke« blieb Inzell jedoch erhalten. Die drei neuen Glocken aus dem Jahr 1950 ersetzten also die zum zweiten Mal verwaisten Plätze im Inzeller Glockenturm. Sie wurden von Johann Hahn in Erding gegossen.

Eine besondere Beachtung fand bei der Weihe vor 70 Jahren die schwerste der drei Glocken. Sie wurde von der Familie Geisreiter gestiftet und ist dem heiligen Michael geweiht. Sie wiegt 1000 Kilogramm und ist auf den Ton »E« gestimmt. Familie Geisreiter widmete ihre Stiftung den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. So wurde der Glocke auch die Bedeutung eines Gedenkmals zugeschrieben. Die Inschrift verkündet: »Fern von der Heimat, Auf fremder Erde, ruh'n Die Söhne unserer Berge Vom Krieg 1939-1945, Heimatdank wir melden. Hoch oben auf dem Turm Sind wir Rufer in der Not, Wächter über Dach und Flur, Kündend Freud' und Tod. Den Tod in unseren Bergen Wird hören alt und jung Den Gefallenen zum Gedenken – uns zur Erinnerung.«

Mit jedem Klang der Glocke soll an die Gefallenen des Kriegs erinnert und ihrer gedacht werden.

Die beiden anderen Glocken wurden mit Spenden der Pfarrgemeinde finanziert. Eine der beiden wiegt 600 Kilogramm und zeigt das Bild der Mutter Gottes. Sie wird auch »Wetterglocke« genannt. Sie ist auf den Ton »Fis« gestimmt. Sie zeigt ein Bild des heiligen Bruders Konrad und trägt den Schriftspruch:

»Von Blitz und Unwetter verschone uns, o Herr.« Die dritte Glocke, die »Josefi-Glocke«, wiegt 400 Kilogramm und zeigt die beiden Heiligen Leonhard und Josef. Ihr Ton ist ein »Gis«.

Nach der Feier dankte der damalige Inzeller Bürgermeister Michael Fries Dr. Scharnagl mit dem Hinweis, die Glocken seien »unser aller Eigentum, Einheimischer und Vertriebener«.

Dr. Scharnagl beendete die Weihe mit dem Wunsch, dass die Glocken immer einer »friedvollen einheitlichen Gemeinde läuten« würden.

 

Antonia Hauser

 

38/2020