weather-image
Jahrgang 2007 Nummer 7

Sie prägten das Stadtbild von Salzburg

Leben und Werk der Brüder Hagenauer aus dem Rupertiwinkel

Johann Baptist Hagenauer, gemalt von seiner Frau Rosa Barducci-Hagenauer.

Johann Baptist Hagenauer, gemalt von seiner Frau Rosa Barducci-Hagenauer.
Das Neutor von der Außenseite, Lithographie von G. Petzoldt (1851).

Das Neutor von der Außenseite, Lithographie von G. Petzoldt (1851).
Mit der großen Marienstatue am Domplatz und der künstlerischen Ausgestaltung des Neutors (»Sigmundstor) haben die aus dem Rupertiwinkel stammenden Brüder Johann Baptist und Wolfgang Hagenauer zwei Werke geschaffen, die das Stadtbild von Salzburg bis heute prägen. Ihr Geburtsort ist die Ortschaft Strass bei Ainring, wo Wolfgang im Jahre 1726 und Johann Baptist im Jahre 1732 als Söhne des Amanbauern zur Welt kamen und mit zehn weiteren Geschwistern aufwuchsen. Außer Johann Baptist und Wolfgang ist auch ihr Bruder Georg als Künstler hervorgetreten, er war aber nicht in Salzburg, sondern im Bistum Passau tätig.

Nach der Überlieferung ist das Talent der zwei Brüder durch einen Zufall entdeckt worden. Johann Baptist war mit einem Handwagen voll Brennholz nach Salzburg gefahren und suchte in der heutigen Getreidegasse nach Kaufinteressenten. Zufällig begegnete er dort dem begüterten Handelsherrn Lorenz Hagenauer. Als dieser hörte, dass er den gleichen Familiennamen hatte, unterhielt er sich mit ihm, und da er fand, dass der Junge Geist und Talent besaß, lud er ihn und seinen Bruder Wolfgang zu sich in sein Haus ein. »So legte er den Grund zum weiteren Glück der begabten jungen Menschen«, heißt es in einer zeitgenössischen Quelle. Nach einer anderen Überlieferung waren Johann Baptist und Wolfgang die Neffen von Lorenz Hagenauer und fanden demnach in ihrem reichen Onkel, in dessen Haus in der Getreidegasse auch die Familie Mozart wohnte, einen Förderer und Mäzen.

Allgemein gilt der jüngere Bruder Johann Baptist als das größere künstlerische Talent. Er übertraf von Anfang an seine Brüder durch die Vielseitigkeit seines Schaffens wie durch die allgemeine Anerkennung seiner Zeitgenossen. Als Neunzehnjähriger kam Johann Baptist in die Lehre zum Bildhauer Johann Georg Itzlfeldner in Tittmoning. Sein erstes überliefertes Werk, die »Glorie des hl. Laurentius« ist mit 1753 datiert und steht in der Österreichischen Galerie in Wien. Seine nächste Arbeit, die »Glorie des hl. Sigismund« vor einem Obelisken mit dem Wappen des Fürsterzbischofs Sigismund von Schrattenbach, ist dem damaligen Salzburger Kirchenfürsten gewidmet und befindet sich heute in New York.

Von 1754 bis 1759 studierte Johann Baptist an der Akademie in Wien bei dem Tiroler Bildhauer Jakob Christoph Schletterer, der am Bau der Salzburger Mirabellstiege mitgearbeitet hatte. Die Kosten für den Wienaufenthalt zahlte in großzügiger Weise der geistliche Landesherr, der Johann Baptist von 1760 an als Statuarius (Bildhauer) und Galerie-Inspektor im Rang eines Hoftruchseß mit 600 fl Jahresgehalt in seinen Hofstaat berief, ihn aber von 1760 bis 1764 für einen Studienaufenthalt in Italien beurlaubte.

Neben Florenz und Bologna war Rom das Ziel seiner Reise, wo er an der Accademia di San Lucca Vorlesungen des klassischen Archäologen Johann Joachim Winckelmann besuchte und mit dem Maler Anton Raphael Mengs, einem Vertreter des Klassizismus, in freundschaftliche Beziehung trat. Als er nach Salzburg zurückkehrte, brachte er nicht nur eine stattliche Sammlung klassischer Kopien und Gipsfiguren mit, sondern auch seine um zwölf Jahre jüngere Braut Rosa Barducci, eine Malerin aus Florenz, die ihm eine treue Ehefrau und verlässliche Partnerin bei seiner künstlerischen Arbeit wurde.

Rosa Barducci diente Johann Baptist Hagenauer auch als Modell für die Marienstatue am Domplatz. Das Standbild verherrlicht das Geheimnis der ohne Erbsünde geborenen Jungfrau Maria, über das die Engel frohlocken, der Teufel voll Missgunst mit den Zähnen knirscht, die Kirche jubelt und die menschliche Weisheit anbetend staunt, wie man auf der lateinischen Sockelinschrift lesen kann. Am Sockelfuß sieht man symbolische Figuren für Engel, Teufel, Kirche und Weisheit in jeweils kennzeichnender, höchst lebensvoller Gestik. Hagenauer hat es meisterhaft verstanden, die theologische Aussage der Unbefleckten Empfängnis in den überlebensgroßen Figuren Gestalt werden zu lassen.

Beim zweiten großen Projekt in Salzburg, der künstlerischen Gestaltung des Neutors sowohl auf der Riedenburger wie der Altstadtseite, arbeitete Johann Baptist mit seinem Bruder Wolfgang zusammen. Der 135 Meter lange, in den Fels des Mönchsbergs gehauene Tunnel verbindet die westliche Vorstadt mit dem Zentrum. Entsprechend seiner Bedeutung sollten die Eingänge des Tunnels künstlerisch ausgestaltet werden. Stadtauswärts stellten die Brüder das Portal in eine große, aus dem Fels geschlagene Nische, gekrönt mit dem Wappenschild und einer Statue des Erzbischofs Siegmund als antiker Krieger mit federgeschmücktem Helm, Kommandostab und Palmzweig. Die Toreinfahrt zur Stadt schmückt ein Reliefbildnis des Landesherrn, überhöht von der riesenhaften Inschrift »Te saxa loquuntur« (»Von dir reden die Steine«), auf den zwei seitlichen Pfeilern sieht man schlangenumwundene Medusenhäupter, die bei Griechen und Römern die Aufgabe hatten, Unheil und Feinde abzuwehren.

Nach dem Tod des Erzbischofs siedelte Johann Baptist Hagenauer von Salzburg nach Wien über und wurde Professor an der Bildhauerklasse der Akademie, einige Jahre darauf Direktor der Graveurschule. In Abendkursen unterwies er Handwerker in kunstgewerblichen Fragen; für sie waren auch mehrere Veröffentlichungen über Schmuck- und Ornamentgestaltung bestimmt. In Wien ist er im Alter von 78 Jahren gestorben.

Sein Bruder Wolfgang ließ sich in Wien als Architekt ausbilden und trat als Hochfürstlicher Baumeister in Salzburger Dienste. Hier zeichnete er für viele Um- und Neubauten von Villen, Pfarrhöfen und Altären verantwortlich. Im Rupertiwinkel sind die Altäre von Waging am See, Höglwörth und Kay sein Werk. Interessant ist die von ihm gebaute Kirche in Buchbach bei Mühldorf, ein Zentralbau in der Form eines griechischen Kreuzes. Wolfgang Hagenauer wurde 75 Jahre alt, auf seinem Grab am St. Petersfriedhof findet sich die von ihm selbst verfasste Inschrift, in der es heißt: »Hier ruht ein Mann, der zu Juvavens (Salzburgs) Ruhm vom Pfluge zum Lehramt sich erschwang ...«

Die Werke der Brüder Hagenauer stehen aus kunstgeschichtlicher Sicht an der Wende vom Barock zum Klassizismus. Sowohl in den Statuen des Bildhauers Johann Baptist Hagenauer wie in den Bauten und Altären Wolfgang Hagenauers kündigt sich eine neue Kunstrichtung an; auf den für Salzburg so typischen Barockstil folgt der eher nüchterne, kühle Klassizismus, der aber in Salzburg nie so recht heimisch werden konnte.

Julius Bittmann


Literatur: »Barockberichte 44/45«, Verlag des Barockmuseums, Salzburg, www.barockmuseum.at.



7/2007