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Jahrgang 2012 Nummer 14

Seliger Hermann Joseph, Prämonstratenser

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890



Hermann (= tapfer) Joseph war der Sohn verarmter Eltern zu Köln, die ihn gut erzogen. Mit 7 Jahren wurde er zum Studieren bestimmt. Während seine Mitschüler spielten, begab er sich in eine Kirche zu einer Statue der Mutter Gottes mit dem Christkinde und unterhielt sich mit beiden so vertraulich, als ob sie lebendig vor ihm wären. In kindlicher Einfalt reichte er einmal der Mutter Gottes einen Apfel – und sie streckte im Bilde die Hand aus und nahm ihn wohlgefällig in Empfang. Hermann hatte viele himmlische Gesichte. Während seiner Studienzeit fand er auf Geheiß der Mutter Gottes soviel Geld unter einem Steine, als er nötig hatte; auch Mitschüler sahen nach, fanden aber nichts. Im 12. Lebensjahre trat er in das Prämonstratenserkloster Steinfeld in der Erzdiözese Köln. Er bewahrte auch die jungfräuliche Reinigkeit unversehrt sein Leben lang. Der Selige übte strenges Fasten, war vom Herzen demütig und ertrug lange Zeit hindurch die heftigsten Versuchungen und Quälereien des bösen Geistes mit standhafter Geduld. Als Priester hatte er bei der heiligen Messe oft stundenlange Verzückungen und wurde auch von Gott mit der Gabe der Weissagung beschenkt. Er war voll Liebe und Dienstgefälligkeit gegen seine Mitbrüder. So oft es ihm möglich war, besuchte er das Allerheiligste. An Leiden fehlte es ihm nie. Besonders an Festtagen musste der fromme Ordensmann heftige Kopfschmerzen aushalten. Am vorausgesagten Tage, Dienstag in der Osterwoche, den 7. April 1236 gab der Selige in die Hände Jesu Christi seinen Geist auf im Alter von 36 Jahren und wurde durch Wunder verherrlicht.

Lehre. Der selige Hermann war voll heiliger Einfalt und so reinen Sinnes, dass er gar nicht begreifen konnte, wie ein Mensch sich verstellen oder heucheln und lügen könne. O möchten alle Christen dies beherzigen und sich vor jeglicher Falschheit und Lüge hüten. Besonders ihr, o Kinder! verabscheuet das Lügen, denket an den allwissenden Gott, den man nicht belügen und betrügen kann.

Gebet. O Gott, der du deinen seligen Diener Hermann Joseph mit so trostreichen Gnaden erfüllt hast, dass er von Kindheit an oftmals der Erscheinung und Ansprache der glorwürdigsten Jungfrau Maria gewürdigt worden ist: verleihe uns gnädig, dass wir in die Fußstapfen seines unschuldigen Lebens treten und sicher in das himmlische Vaterland eingehen mögen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.




14/2012