Jahrgang 2020 Nummer 25

Selige Margaretha von Medingen, Klosterjungfrau

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Margaretha, aus dem edlen Patriziergeschlechte der Ebner in Nürnberg in Bayern, wurde 1291 geboren. Mit Erlaubnis der Eltern trat sie in das Kloster der Dominikanerinnen zu Maria Medingen bei Dillingen in Schwaben ein und legte 1306 die heilige Profess ab. Margaretha hatte außerordentliche Entzückungen und Visionen, welche sie auf Befehl ihres Beichtvaters selbst aufgezeichnet hat. Keine Rede mochte sie hören, die sich nicht auf Gott bezog. Am meisten war ihr zuwider, wenn man in ihrer Gegenwart von jemand Übles redete, oder ihn hart beurteilte. Was gegen den Frieden und die Liebe geschah, schmerzte sie am meisten. Wie eine liebreiche Mutter nahm sie sich aller an, die in leiblichen oder geistigen Nöten zu ihr Zuflucht nahmen. Gerne besuchte sie Kranke und brachte ihnen Erquickungen. Es tat ihr weh, wenn man ein Tier übel behandelte. Mit frommen Zeitgenossen war die begnadigte Gottesbraut in regem Verkehre, besonders brieflich. Bei jeder Kommunion empfand sie eine wunderbare Süßigkeit. Krankheiten und Verkennung wurden ihr nicht erspart. Innig verehrte sie die Mutter Gottes und wurde oft mit himmlischen Erscheinungen beglückt. Besonders vertrauten Umgang hatte die Selige mit ihrem lieben Jesuskindlein, das noch vorhanden ist (nebst Wiege), und woraus das Jesuskindlein wirklich oft mit ihr sprach. Margaretha starb den 20. Juni 1351. Ihr heiliger Leib ruht in einem Sarkophage in der ihr eigens gewidmeten Kapelle.

Lehre. Die selige Margaretha betrübt niemals jemanden. – Alle Christen sollten sich gegenseitig vom Herzen lieben. Leider kommen so viele Lieblosigkeiten vor: Ärger, Kränkungen, Gehässigkeiten, Gefühlslosigkeit, Undank. Man bedenke das Wort Christi: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.

Gebet. O gütiger Gott! der du der seligen Margaretha viele Leiden auferlegt und dann auch wieder so große Freuden verliehen hast: gewähre uns durch deren Fürbitte deinen Gnadenbeistand, dass wir ein reines Gewissen bewahren, die Leiden geduldig ertragen und der ewigen Freuden teilhaftig werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

25/2020

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