Jahrgang 2009 Nummer 49

Seit 350 Jahren Pauer’sche Apotheke

Ihr oblag lange Zeit die Arzneiversorgung im ganzen Chiemgau

Seit nunmehr 350 Jahren gibt es die Pauer’sche Apotheke in Traunstein. Sie wurde im Jahr 1659 auf dem Traunsteiner Stadtplatz gegründet und stand in etwa dort, wo heute das Kaufhaus Unterforsthuber zu finden ist. Sie trug dementsprechend zunächst den Namen »Stadtapotheke«. Geführt hat sie damals der Apotheker Johann Friedrich Forster aus Schlesien, der davor Apotheker in den Klöstern Baumburg und Herrenchiemsee war. Im Jahr 1778 ging die Apotheke in das Eigentum der Familie Pauer über, deren Namen sie heute noch trägt. Der Apotheker Josef Pieringer bestätigte seinem Nachfolger, »dem wohlfürnemen und kunstreichen Herrn Johann Pauer, gewester Provisor in der hochfürstlichen Appotecken zu Salzburg die Appotteckenbehausung allhier in der Stadt an der Schadseiten, so zwischen des Johann Georg Schweigers, dann Herrn Ignaz Gallerspergers Behausungen und den außer des oberen Toren gelegenen Kräutergarten« um 2550 Gulden bei 1000 Gulden Anzahlung verkauft zu haben. Bereits damals waren Existenzgründer auf die finanzielle Unterstützung anderer angewiesen, denn der junge Apotheker Johann Baptist Pauer musste sich von seinem bisherigen Apotheker Anton Rupprecht aus Salzburg 100 Gulden leihen, um in Traunstein ansässig werden zu können.

Es wird vermutet, dass die Folgen des Dreißigjährigen Kriegs mit der grassierenden Pest Anstoß war, dass sich ein Medicus und dann der er-wähnte Apotheker Johann Friedrich Forster in Traunstein niederließen. Forster behielt die Apotheke bis zum Jahr 1677. Danach ging sie für 16 Jahr in den Besitz von Ferdinand Stöckl über. Seine Nachfolger Franz Pankraz Mayer (von 1683 bis 1689), Johann Münnich (von 1689 bis 1726) und Johann Georg Abril (von 1726 bis 1733) waren erfolgreiche Geschäftsleute, so dass Ferdinand Ignatz Thalhammer der Witwe Abrils 5500 Gulden bezahlen musste. Zudem bekam er noch zur Auflage, den Sohn Johann Josef Abril unentgeltlich in der Apotheke zu unterrichten, sollte dieser den Wunsch verspüren, selbst Apotheker zu werden. Der Witwe und ihrer Familie musste er außerdem kostenlos die benötigten Medikamente zubereiten.

Josef Pieringer betrieb den Apothekenhandel nur kurz (von 1773 bis 1778). Nach ihm kam im Jahr 1778 der erste Pauer und begründete eine lange Familientradition, die bis in das Jahr 2007 reicht. Er stammte aus Waldsassen und hatte den Beruf bei seinem Onkel in Amberg gelernt. Da er kinderlos verstarb, übernahm sein Neffe Josef Bernhard Martin Pauer die Stadtapotheke von 1818 bis 1862. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1851, der fast die gesamte Stadt Traunstein in Schutt und Asche legte, betrieb er die Apotheke bis 1854 in dem Solebad, das er 1840 hinter dem alten Kapuzinerkloster am Klosterberg errichtet hatte. 1854 zog er in das neue Apothekengebäude am Maxplatz ein, das heute noch Sitz der Pau-er’schen Apotheke ist. Dort hatte er das Haus seines Schwiegersohns Wieninger ausgebaut, in dem bis dahin eine Niederlassung der Nymphenburger Porzellanmanufaktur gewesen war. Sein Sohn Josef Pauer übernahm 1862 die väterliche Apotheke. Nachdem dieser 1888 verstorben war, führte seine Witwe Amalie die Apotheke bis 1912 weiter. Von ihr übernahm der Sohn Johann Baptist Pauer die Geschäfte, der die Apotheke bis zu seinem Tod 1942 führte. Zunächst übernahm seine Witwe Johanna Pauer und anschließend deren Tochter Gertrud nach Beendigung des pharmazeutischen Studiums den Betrieb. Sie heiratete den Apotheker Otmar Götz. Gertrud Götz entschloss sich 2007, die Apotheke nach über 200-jähriger Familientradition in neue Hände zu legen. Seit 2008 haben die Brüder Christian Roeder und Dr. Alexander Roeder die Leitung der Pauer’schen Apotheke übernommen. Christian Roeder war bereits nach Erhalt der Approbation im Jahr 2000 als Mitarbeiter in der Pauer’schen Apotheke tätig, in der er auch seine Frau Michaela kennenlernte, die dort ihre Ausbildung als Pharmazeutisch-technische Assistentin absolvierte.

In den vergangenen fast 230 Jahren haben sich Mitglieder der Familie Pauer nicht nur um die Gesundheit der Menschen im Chiemgau gekümmert. Ein geschichtlicher Rückblick wäre ohne den Hinweis auf die politische und gesellschaftliche Tätigkeit der Traunsteiner Apothekerfamilie unvollständig. Johann Baptist Pauer, der erste Pauer’sche Apotheker in Traunstein, war von 1790 bis 1803 als Stadtkämmerer tätig und lenkte von 1804 bis 1805 als Bürgermeister die Geschicke der Stadt Traunstein. Auch sein Nachfolger, der Neffe Josef Bernhard Martin Pauer, ist in den An-nalen der Stadt von 1818 bis 1824 als Bürgermeister festgehalten. Bemerkenswert ist, dass er im relativ jungen Alter von 31 Jahren mit diesem Amt betraut wurde. Er war es auch, der 1840 im Garten des säkularisierten Kapuzinerklosters ein Mineral- und Solebad am Klosterberg errichtete, und so Traunstein als Kurstadt bekannt machte. Nach dem Stadtbrand von 1851 baute er die neue Apotheke am Maxplatz. Ein Mauerstein im untersten Kellergewölbe bestätigt das Baujahr 1851. Sein Sohn Joseph Pauer hat sich um die Heimatforschung und insbesondere um das Traunstei-ner Heimathaus verdient gemacht. Daneben betätigte er sich erfolgreich als Sammler von Versteinerungen. Nach ihm sind zum Beispiel Gesteinarten wie »Cardium Paueri« benannt. Seine gesamte Gesteins- und Münzsammlung stiftete er als Grundstock für das Traunsteiner Heimatmuseum, heute Stadt- und Spielzeugmuseum. Die Stadt Traunstein würdigte seine Verdienste, indem sie 1984 die Blumenstraße beim Justizgebäude nach ihm benannte. Sein Sohn Johann Baptist Pauer hatte vom Vater die Freude an der Heimat geerbt und so widmete er sich intensiv der Erforschung der Geschichte des Gebiets zwischen Inn und Salzach. Er hielt darüber viele Vorträge in historischen Vereinen. Der Tradition der Familie verpflichtet, stellte er sein Wissen und Können als Stadtrat dem städtischen Gemeinwesen zur Verfügung.

Im Vorfeld des 350. Jubiläums wurde die Apotheke im Jahr 2008 komplett umgebaut. Ein großes Augenmerk wurde dabei auf die Geschichte des Hauses gelegt. Auf die alte Tradition weisen ein Franziskusrelief, eine Wessobrunner Madonna, der heilige Rupert und Puppenengel hin. Eine Vase mit einem handgemalten Bild erinnert daran, dass das dargestellte kleine Haus am Maxplatz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Niederlassung der Nymphenburger Porzellanmanufaktur diente. Wertvoll ist auch die Darstellung von Christus in der Himmelsapotheke, das um 1750 gemalt worden sein dürfte. Auf dem Gemälde hält Christus Kelch und Seelenwaage in Händen. Auf dem Tisch sind ein Einnahmelöffel und bauchige Arzneiflaschen zu sehen. In den Regalen stehen Holzbüchsen. Erhalten geblieben sind auch die Deckenfresken und schweren Kronleuchter.

Neben dieser Demonstration der alten Tradition wurde die neueste Technik installiert, die im Hintergrund der Apotheke einen reibungslosen Ablauf garantiert. Durch einen Lagerautomat wird z. B. das umfangreiche Warenlager von rund 13 000 Packungen auf einer Fläche von nur acht Quadratmetern verwaltet. Traditionell bietet die Pauer’sche Apotheke Produkte aus eigener Fertigung im modern eingerichteten Laboratorium an, wie zum Beispiel Teemischungen und Latschenkieferprodukte. Bereits nach dem zweiten Weltkrieg war die Apotheke für ihre »Alpinen Erzeugnisse« bekannt: Franzbranntwein, Öl, Bonbons, Seife und Badetabletten mit Latschenkiefer, bräunende Sonnenschutzsalbe oder Reisetabletten gingen von Traunstein aus auch per Post in die Welt hinaus.

Günter Buthke



49/2009