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Jahrgang 2016 Nummer 30

Seit 130 Jahren gibt es das Traunsteiner Schwimmbad

Eine der ältesten Badeanstalten der Region war Attraktion für die Kurgäste

Alles hat seinen Preis: Das Erlebnis-Warmbad, hier aus der Vogelperspektive, hat allein im vergangenen Jahr ein Defizit von mehr als 600 000 Euro »erwirtschaftet.

Seit 130 Jahren gibt es das Traunsteiner Schwimmbad. Es wurde laufend modernisiert und ist heute ein Anziehungspunkt für Badegäste weit über Traunstein hinaus. Die Anfänge vor 130 Jahren nehmen sich dagegen höchst bescheiden aus, wie ein Blick in die Ausgaben des Traunsteiner Wochenblatts von damals zeigt.

Dort stand zu lesen: »Unser städtisches Schwimmbad ist nun endlich bis auf einige Kleinigkeiten fertig gestellt und wurde am Sonntag zum Gebrauche eröffnet. Es dürfte wohl kaum in einer Provinzialstadt ein gleiches Schwimmbad zu finden sein, denn es wurden zum Erbau desselben namhafte Summen (einige 20000 M.) verwendet. Das Schwimmbassin hat eine Länge von 50, eine Breite von 25 und eine Tiefe von 1 bis 3 ½ Meter, ist gänzlich aus Beton hergestellt und der Boden asphaltiert. Zwölf Kabinen für Damen und Herren, komfortabel eingerichtet, und 24 Umkleidekabinete, sämmtlich mit Ziegelbedachung, stehen zur Verfügung des Publikums.«

Reines Mooswasser mit Heilkraft

In der Folge wird die Qualität und Heilkraft des Wassers angepriesen, mit dem das Becken gespeist wird: »Reines Mooswasser, welches Heilkräfte, besonders für Gliederkranke, inne hat und kein anderes Schwimmbad aufzuweisen haben dürfte, speist das Bassion reichlich.«

Und auch bezüglich der Reinigung des Wassers hat man sich damals schon Gedanken gemacht: »Außerhalb des Schwimm-Bassin ist ein kleines Bassin, ebenfalls aus Beton angelegt, durch welches das Bächlein zur Ablagerung von Schlamm etc. vor Einlauf in das Schwimmbassin fließt. Der Bau des Ganzen wurde von kundiger Hand und zwar des tüchtigen Zimmermeisters Hrn. Polz dahier u. unseres Magistratsrathes und Badverwalters Hrn. Jäger geleitet und prachtvoll ausgeführt.«

Man erhoffte sich von der Einrichtung der Badeanstalt Impulse für den Fremdenverkehr. So schreibt das Traunsteiner Wochenblatt: »Die Herstellung eines für eine Provinzialstadt so großartigen Werkes dürfte unsern zahlreichen Sommergästen den Beweis liefern, daß die Stadt keine Kosten scheut, ihnen den Aufenthalt hier angenehm zu machen und auf allen Seiten entgegen zu kommen. Auch ist ein eigener Schwimmlehrer und Badaufseher aufgestellt. Wir laden zur Besichtigung freundlichst ein.«

Kaum geöffnet schon kaputt

Nur gut eine Woche nach dem Bericht mit dem Lobpreis auf die neue Badeanstalt schien es aber schon erste Probleme gegeben zu haben. Die Zeitung berichtet nämlich, dass das Bad am 20. Juli wegen Reparaturarbeiten erst ab 16 Uhr geöffnet ist. Über den Grund der vorübergehenden Schließung wird keine Auskunft gegeben.

Das Baden zu jener Zeit in Traunstein war mit Sicherheit ein Vergnügen, dem nur besonders hartgesottene Zeitgenossen nachgingen. Davon zeugt eine Notiz vom 10. August desselben Jahres: »Das städtische Schwimmbad, welches aus Mooswasser gespeist wird, und daher auch an Rheumatismus und Gichtleidenden höchst wohlthätig wirkt, hat zur Zeit 15 - 16 Grad Wärme. Wir machen daher die vielen sich hier aufhaltenden Fremden besonders aufmerksam.«

Vor der Eröffnung der Badeanstalt war der Mühlbach in der Nähe der Haslacher Mühle, der Ort, wo sich die Traunsteiner im Sommer bei einem kühlen Bad erfrischten. Anton Kasenbacher schreibt in seiner 1980 erschienenen Stadtchronik: »Hier standen in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Badelustigen innerhalb eines geschlossenen Platzes Badehütten zur Verfügung, wie Sitte und Anstand es damals erforderten.«

Dann schreibt Kasenbacher, dass Traunstein im Jahre 1875 ein eigenes städtisches Schwimmbad bekam. Es muss wohl die Vorgängereinrichtung der hier beschriebenen Badeanstalt gewesen sein. Kasenbacher weiter: »Das Wasser wurde dem Röthlbach entnommen, wobei man den Röthlbachweiher als natürlichen Vorwärmer benutzte.« Das Bad wurde 1887 und 1906 erweitert und modernisiert. Zumindest bezüglich der ersten Zahl hat sich der Autor der Stadtchronik um ein Jahr vertan.

1925 gab es dann einen weiteren »Fortschritt«: Man baute noch »ein eigenes, durch einen Bretterzaun getrenntes Damenschwimmbad mit 20 Ankleidekabinen hinzu, bis schließlich 1936/37 eine neuerliche Erweiterung und Modernisierung unter Aufhebung der Geschlechtertrennung vorgenommen wurde. 1970 wurde das Bad dann vollständig umgebaut. Seitdem, so schreibt Kasenbacher, hat es zwei 50-Meter-Becken, von denen eines für Wettkämpfe geeignet ist, ein zusätzliches Kinderbecken, eine Unterkunft für die Wasserwacht und ein Restaurant.

So sehr sich die Badefreunde heute über das moderne Erlebnis-Warmbad am Stadtrand freuen: Es beschert der Stadt jährlich hohe Defizite, die der Traunsteiner Steuerzahler ausgleichen muss. Im vergangenen Jahr waren es 629 400 Euro.


Klaus Oberkandler

 

30/2016