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Jahrgang 2001 Nummer 15

Schwimmendes Museum plant einen Landgang

In Regensburg kann man die Geschichte der Donau-Schiffahrt vom Einbaum bis zum Motorgüterschiff besichtigen

Der Leiter des Schffahrts-Museums, Rainer Ehm, mit einem 1:50-Modell eines Donau-Holzschiffes am Steuerstand des Maschinisten im

Der Leiter des Schffahrts-Museums, Rainer Ehm, mit einem 1:50-Modell eines Donau-Holzschiffes am Steuerstand des Maschinisten im Donau-Raddampfer Ruthof in Regensburg. Auf zwei Donauschleppern wird in der größten bayerischen Hafenstadt Schiffahrtsgeschichte und Alltag auf der Donau gezeigt.
Es ist das einzige schwimmende Museum in Bayern: Das Schiffahrts-Museum am Regensburger Donau-Ufer. Vor der mittelalterlichen Silhouette der größten bayerischen Hafenstadt wird auf zwei Donau-Schleppern Schiffahrts-Geschichte und Alltag auf der zweitgrößten Wasserstraße Europas gezeigt. Herzstück der Flotte ist der letzte bayerische Donau-Raddampfer »Ruthof/Ersekcsanad«. Seit zwei Jahren liegt mit der »Freudenau« einer der größten erhaltenen Motorzugschlepper Deutschlands an seiner Seite.

Mit der »Freudenau« hat der Arbeitskreis Schiffahrts-Museum Regensburg als Träger in diesem Jahr große Pläne: Wie in alten Zeiten soll das 1942 gebaute Schiff die Donau entlang schippern - wenn die zuständigen Ämter mitspielen erstmals mit Besuchern statt Besatzung. Denn der Schlepper muß ohnehin für die Reise zum »Schiffs-TÜV« nach Linz fahrtüchtig gemacht werden.

Seit der Eröffnung des Museums im Mai 1983 ist die »Ruthof« auf Erfolgskurs: Etwa 10 000 Besucher steigen jedes Jahr über die steilen Treppen unter Deck. Donau-Wellen klatschen gegen den 1922 genieteten Schiffs-
rumpf aus der Regensburger Ruthof-Werft und bieten so authentische »Begleitmusik« zu den präsentierten Alltagsgegenständen und Modellen. Sie zeigen die Entwicklung der Donau-Schiffahrt vom Einbaum bis zu den heutigen Motorgüterschiffen.

Vergessen ist das idyllische Plätschern, wenn Museums-Leiter Rainer Ehm das Schnaufen der 79 Jahre alten Dampfmaschine vom Tonband abspielt. Mitten im Getöse gab der Maschinist über einen Telegrafen und das Sprechrohr Informationen an den Kapitän. Nebenan schaufelten die Heizer Kohle in die Kessel. Die Karriere als Museumsschiff ist das dritte Leben des 70-Tonnen-Dampfers. 1944 lief er auf eine Mine und wurde 12 Jahre später wieder gehoben. 1979 rette der Verein den Schlepper vor der Verschrottung für damals 40 000 Mark.

»Der technische Fortschritt hinkt auf der Donau immer 30 Jahre hinterher«, sagt Ehm. Schleppzüge gebe es auf dem Rhein schon lange nicht mehr - zu personalintensiv und teuer seien diese. Anders auf der Donau: Das zweite Museums-Schiff war bis Anfang der 90er Jahre im Einsatz und zog - wie die »Ruthof« - Kähne mit Kohle oder Erz.

Zum symbolischen Preis von einem österreichischen Schilling erwarb der Verein vor sechs Jahren den 48,3 Meter langen Schlepper »Freudenau« und brachte ihn für 400 000 Mark auf Vordermann. An Bord können sich die Besucher ein Bild vom Leben und Arbeiten auf dem großen europäischen Strom machen: Originalgetreu erhaltene enge Kabinen, Diesel-Geruch und Indizien der strengen Bord-Hierarchie regen die Fantasie an. Im Schiffsbüro des Zahlmeisters liegen sämtliche Formulare und Tagebücher des Schleppers bereit - sogar das obligatorische Pin-up-Girl blieb hängen.

Gravierend verändert hat sich die Besatzung: Nicht durch 40 Donau-Schiffer, sondern fünf ABM-Stellen wird die Arbeit an Bord abgedeckt. Denn trotz großzügiger Spenden und Zuschüsse von der Bayerischen Landesstiftung, vom Bezirk und der Stadt Regensburg bleibt kein Geld für Personal. Bereits seit Jahren plant der Trägerverein zusätzlich einen »Landgang«: Am benachbarten Donauufer im Salzstadel direkt an der berühmten Steinernen Brücke soll das Museum erweitert werden. Die Zusage der Stadt für das Fünf-Millionen-Mark-Projekt fehlt jedoch noch. Bis dahin bleiben zahlreiche Ausstellungsstücke in Scheunen und Garagen der Altstadt versteckt - nur ein historischer Hafenkran, ein Kessel und die Teile eines Betonschiffes zeugen jetzt schon von der geplanten Museumsmeile unter freiem Himmel.

Das Donau-Schiffahrts-Museum in der Werftstraße ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können sich unter Telefon 0941/52510 anmelden.



15/2001