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Jahrgang 2004 Nummer 4

Schnalzer erschrecken böse Geister und US-Soldaten

Kurioses und Interessantes aus der 85-jährigen Brauchtumstradition in Feldkirchen

Das erste Foto von Schnalzern aus Bruch bei Ainring stammt aus dem Jahr 1935.

Das erste Foto von Schnalzern aus Bruch bei Ainring stammt aus dem Jahr 1935.
Einen tierischen Preis erhielten die Feldkirchener Schnalzer für ihren Sieg 1968 in Wals. Das Foto mit dem Zuchtschaf wurde beim

Einen tierischen Preis erhielten die Feldkirchener Schnalzer für ihren Sieg 1968 in Wals. Das Foto mit dem Zuchtschaf wurde beim anschließenden Faschingskranzl aufgenommen
Für die Schnalzer des Feldkirchener Trachtenvereins »D’Schneebergler« ist das Gemeindeschnalzen am morgigen Sonntag der Auftakt für ihr Jubiläumsjahr zum 85. Vereinsgeburtstag. Der Brauch des »Aperschnalzens« hat seine Wurzeln in einer jahrhundertealten Tradition. Ein Blick in die Vereinschronik offenbart, wie dieses alpenländische Ritual entstand und welch bemerkenswerte Geschichten die Feldkirchener Passen erlebten.

Zwischen Stefani und Faschingsdienstag knallen im Rupertiwinkel allenorts die »Goaßln« der Schnalzer. Früher, als die Menschen noch tiefer mit der Natur verwurzelt waren, stellten sie sich die widerläufigen Kräfte des Wachstums und seiner Gegenspieler als fantasievolle Lebewesen vor. So glaubten die Leute, nach einem strengen Winter mit dem Knallen der »Goaßln« die guten Geister des Frühlings und der Sonne wecken und die Gestalten der Finsternis und Kälte austreiben zu können. Mit dem Hoffen auf einen fruchtbaren Sommer und eine reiche Ernte erklärt sich auch die Bedeutung des Wortes »Aperschnalzen«. Es leitet sich vom althochdeutschen »apir« ab, was soviel bedeutet wie »offen«, also nicht mehr vom Schnee bedeckt. Ausführliche Berichte über das Aperschnalzen gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts. In Feldkirchen sind erste Aufzeichnungen aus dem Jahr 1921 erhalten, als der Trachtenverein zur »Sitt- und Bräucheschau« nach Bad Reichenhall und zur großen Trachtenschau nach Nürnberg reiste. Das erste Bilddokument zeigt eine Gruppe von Schnalzern aus Bruch bei Ainring im Jahre 1935.

Eine kuriose Geschichte ist aus dem Winter 1946 bekannt. Die Feldkirchener Burschen stellten sich entland der Gumpingerstraße auf und schnalzten in Richtung Dorfplatz. Zu dieser Zeit waren amerikanische Soldaten beim »Moaxn Wirt« (Zellerhof) einquartiert. Als sie das Knallen der Goaßln hörten, vermuteten sie eine Schießerei und stürmten den Platz mit angelegten Waffen. Nach heftigen Diskussionen mit Händen und Füßen konnte die Angelegenheit geklärt werden und niemand wurde behelligt. Doch schlimmere Konsequenzen sollten noch folgen. Den amerikanischen Soldaten gefiel das Schnalzen so gut, dass sie es lernen wollten, dabei aber wenig Geschick bewiesen und jede Goaßl zu Grunde richteten. Nach dem Krieg wurde die Vereinsarbeit in Feldkirchen zügig wieder aufgebaut. Ein Höhepunkt für die Passen war eine Benefizveranstaltung zu Ehren des Ägyptischen Staatspräsidenten Sadat in Berchtesgaden. 1972 wurde das Schnalzen quasi olympische Disziplin, als die Feldkirchener bei der Eröffnung der Sommerspiele in München auftraten und das heimische Brauchtum in die ganze Welt trugen.

AH



4/2004