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Jahrgang 2004 Nummer 35

Sankt Florian, Helfer in Feuersnot

Vor 1700 Jahren wurde der Heilige in der Enns ertränkt

Florianlegende (Brückensturz), Altar von Dimbach, Donauschule um 1510.

Florianlegende (Brückensturz), Altar von Dimbach, Donauschule um 1510.
Votivbild zum heiligen Florian, datiert 1767, St. Florian: Floriangang

Votivbild zum heiligen Florian, datiert 1767, St. Florian: Floriangang
Florianlegende (Abtransport durch die Witwe Valeria), Altar von Dimbach, Donauschule um 1510.

Florianlegende (Abtransport durch die Witwe Valeria), Altar von Dimbach, Donauschule um 1510.
Sankt Florian, der Heilige in der Uniform eines römischen Soldaten mit einem Schaff in der Hand, aus dem er Wasser auf ein brennendes Haus gießt, ist eine der populärsten Gestalten des bayerischen Heiligenhimmels. Er begegnet uns nicht nur in Kirchen und Kapellen, sondern auch auf der Fassade vieler Feuerwehrhäuser. Alle Berufsgruppen, die etwas mit Feuer oder Wasser zu tun haben, also Feuerwehrleute und Kaminkehrer, Bierbrauer, Schmiede und Töpfer verehren den Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert als ihren Schutzpatron. Aber auch für uns alle kann seine Geistes- und Glaubenshaltung beispielgebend sein. In schwierigen Zeiten zur eigenen Überzeugung zu stehen, Zivilcourage zu zeigen, Freunden in der Not beizustehen, das sind Eigenschaften, die dem heiligen Florian bis heute Vorbildcharakter verleihen.

Florian war einer jener römischen Soldaten, die nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst im Lande blieben. Er übersiedelte von Cetium, dem heutigen St. Pölten nach Lauriacum (Lorch, heute ein Stadtteil von Enns) und trat unter dem Statthalter Aquilinus ein hohes Amt in der römischen Zivilverwaltung an. Er war Christ, was Anfang des 4. Jahrhunderts im römischen Heer keine Seltenheit darstellte. Doch als Kaiser Diokletian mehrere Dekrete gegen die Christen erließ, quittierte Florian den Verwaltungsdienst und ging nach Cetium zurück, verließ die Stadt aber bald wieder, um einer Gruppe verhafteter Glaubensgenossen in Lauriacum beizustehen. Er befolgte damit die urchristliche Praxis, die Gefangenen zu besuchen, um sie im Glauben zu stärken.

Bald wurde Florian selbst verhaftet und vor den Statthalter zur Vernehmung geführt. Trotz Misshandlungen und Folter blieb er bei der Weigerung, sich dem staatlich verordneten Opferzwang zu fügen und dem Kaiser göttliche Verehrung zu erweisen, wurde zum Tode verurteilt und mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Nach der Legende soll sein Leichnam ans Ufer geschwemmt, von der Witwe Valeria geborgen und in den Buchenwäldern des Ipftales bestattet worden sein. An der Stelle seines Grabes erhebt sich heute das Chorherren-Stift St. Florian, in dem sein Vermächtnis und seine Verehrung gepflegt werden.

Die sterblichen Überreste der mit Florian zum Tode verurteilten Christen fanden in der Laurentiuskirche in Lorch die letzte Ruhestätte. Sie bilden heute den Mittelpunkt des Altars der Lorcher Basilika.

Ursprünglich wurde Florian als Patron für einen guten Tod angerufen. Seine Attribute Feuer und Wasser standen für die Bekämpfung von lebensfeindlichen Leidenschaften und für den Schutz vor dem Höllenfeuer. Erst seit dem 15. Jahrhundert gilt er auch als Beschützer vor Feuer- und Wassergefahren. Bränden und Überschwemmungen waren die Menschen des Mittelalters hilflos ausgeliefert. Die Häuser bestanden aus Holz und waren eng aneinander gebaut, jeder Brand konnte sich zur Katastrophe auswachsen und den Verlust der gesamten Habe bedeuten. Ähnlicher Schaden drohte bei Überschwemmungen. In dieser Situation nahmen die Menschen ihre Zuflucht zu St. Florian, Statuen und Bilder sollten seine Gegenwart handgreiflich vor Augen führen, seine Nähe erlebbar machen.

Mit dem heiligen Florian tritt im Gebiet zwischen Alpen und Donau erstmals und sehr markant das Christentum in Erscheinung. Auch in der Provinz Noricum, die sich vom Inn im Westen bis zum Wienerwald im Osten, von der Donau im Norden bis zu den Karawanken im Süden erstreckte. Christen befanden sich unter den römischen Soldaten, den Kaufleuten und unter der Zivilbevölkerung. Konkrete Nachweise für die Verbreitung des Christentums sind verschiedene Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit dem christlichen Kreuz und dem Christusmonogramm, die bei archäologischen Grabungen gefunden wurden.

Die Stadt Enns beherbergte die 2. Italische Legion, sie war Militärlager und Zentrum von Amts- und Verwaltungsgebäuden, Geschäften und Wohnungen für einige zehntausend Menschen. Mittelpunkt war das Forum, auf dem sich das tägliche Leben abspielte, das Capitol (Ratsgebäude) und der Stadttempel.

Entsprechend der Toleranz, die der römische Staat traditionsgemäß zu allen Religionen einnahm, blieben zunächst auch die Christen in ihrer Glaubenspraxis unbehelligt. Aber je mehr ihre Zahl zunahm, desto mehr fürchtete Rom, sie könnten zu einem gefährlichen Staat im Staate werden und die bestehende Ordnung, vor allem die Anerkennung des Kaisers als Gottheit ernstlich gefährden.

So kam es, dass Kaiser Diokletian im Jahre 303 vier Edikte gegen die Christen verkündete. Im ersten Edikt verfügte er die Zerstörung der christlichen Kirchen, die Verbrennung der christlichen Bücher und die Entlassung christlicher Staatsdiener, im zweiten Edikt die Verhaftung der Kleriker und Gemeindevorsteher, im dritten und vierten Edikt verurteilte er alle Christen zu Folter und Tod, die sich weigerten, dem Kaiser durch ein symbolisches Opfer göttliche Ehren zu erweisen.

Die Diokletianische Verfolgung war der letzte Versuch des römischen Staats, das Christentum gewaltsam zu unterdrücken. Schon acht Jahre später wendete sich das Blatt. Kaiser Konstantin gewährte den Christen volle Glaubensfreiheit und stellte damit die Weichen für eine neue Epoche der abendländischen Geschichte.

Das Land Oberösterreich hat im Mai dieses Jahres mit Beschluss der Landesregierung den heiligen Florian offiziell zum Landespatron ernannt. Sein Todestag, der 4. Mai, wurde zum Feiertag und schulfreien Tag erklärt. Damit hat Florian 1700 Jahre nach seinem Tod eine Ehrung erfahren, die er sich längst verdient hat.

Wer sich näher mit dem Leben und der Wirkungsgeschichte Florians befassen will, sei auf die Ausstellungen im Stift St. Florian, im Museum Lauriacum in Enns und in der Basilika in Lorch/Oberösterreich hingewiesen, die noch bis 24. Oktober geöffnet sind. Dabei erfährt man auch interessante Einzelheiten über das frühe Christentum an der Donau und über die Geschichte der Florianverehrung und des Stiftes St. Florian.

JB



35/2004