Jahrgang 2003 Nummer 24

Salbei - »Heilpflanze des Jahres« 2003

Sie ist ein »Multitalent« unter den Heilpflanzen



Salbei (Salvia officinalis) gilt als die bekannteste Heilpflanze. Der Name ist Programm: das Lateinische »salvare« bedeutet heilen, retten. Bereits die Ägypter priesen ihre verjüngenden und abwehrsteigernden Eigenschaften. Die Römer empfahlen den Salbei gegen Unfruchtbarkeit und die Chinesen tauschten drei Kisten ihres besten Tees gegen eine Kiste Salbei aus Europa. Paracelsus (1493-1541) nannte den Salbei »Kraut der Unsterblichkeit«. Dies ist umso erstaunlicher, als auch zu seinen Lebzeiten noch wenig Spezifisches über diese Pflanze bekannt war.

Erst später fanden Forscher in der gesamten Salbeipflanze, auch Muskatellakraut genannt, vor allem aber in ihren Blüten Substanzen, die Erstaunliches vollbringen können. So neutralisieren sie z. B. stressbedingte Schadstoffe im Körper, hemmen Entzündungen und stärken das Immunsystem; sie beruhigen, – regen den Appetit an und verbessern den Schlaf. Auch antibakterielle, Viren- und pilzhemmende Eigenschaften konnten nachgewiesen werden. Salbei hilft bei Erkältungen, Halsschmerzen, Mundschleimhaut- und Zahnfleischentzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen und Verbesserung des Blutes.

Kurzum, der Salbei ist ein echtes pflanzliches Multitalent und wurde vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e. V., zur Heilpflanze des Jahres 2003 gekürt.

Die Vielfalt des Salbeis liegt darin, dass er pharmakologisch in den unterschiedlichsten Stoffgruppen vertreten ist. So findet man in ihm z. B. ätherische Öle, wie sie typisch für das antiseptische Teebaumöl sind. Andere Wirkstoffe kennt man sonst aus Rosmarin und Eukalyptus. Seine harntreibende Wirkung verdankt der Salbei so genannten Triterpenen, wie sie typisch für die Goldrute sind. Nicht zu vergessen schließlich, dass der Salbei auch über einen »eigenen« Wirkstoff verfügt, der typisch für ihn ist, nämlich den Bitterstoff Salvin.

Der Salbei ist also bestens ausgerüstet mit Substanzen, die in anderen Heilpflanzen die Hauptwirkstoffe ausmachen. dadurch hat er von allem etwas: die Eigenschaften von Teebaumöl, Rosmarin, Eukalyptus, Kampfer, Thuja und Wermut – allesamt anerkannte Arzneimittel der Heilpflanzenkunde – verbinden sich bei ihm in einer einmaligen Zusammensetzung, und sie werden noch durch typische Salbeiwirkstoffe ergänzt. In dieser Vielfalt liegt ohne Zweifel der besondere Reiz des Salbeis.

Die Heilkräfte des Salbei in der Übersicht

Salbei hilft bei Appetitmangel, Arthritis und Gicht, Bronchitis, Durchfall, Entzündungen, Erschöpfungszuständen, geschwächtem Immunsystem, Hitzewallungen in den Wechseljahren, Katarrhen von Magen und Darm, Kolitis, Mandelentzündung, Nebenhöhlenentzündung, Raucherhusten, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Wundbehandlung und zur Blutverbesserung sowie Steigerung des Allgemeinbefindens.

Salbei wirkt äußerlich bei Arthritis, Geschwüren, Insektenbissen, offenen Stellen, Vaginalpilzen, Verbrennungen, Zerrungen.
Salbei wirkt adstrigierend (zieht Gewebe und Schleimhäute zusammen), antibiotisch, antiseptisch (keimtötend und fäulnisverhindernd), blutdrucksenkend, entblähend, entkrampfend, galleflussfördernd, gebärmutterstimulierend, schweiß-, speichel- und milchflussverringernd.

Was man sonst noch wissen sollte

Der Salbei (Salvia officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütengewächse (Labiatae). Die strauchartige, immergrüne und aromatische Pflanze mit ihrem leicht kamperartigen Duft wird etwa 80 cm hoch und hat längliche Blätter mit fein gekerbtem Rand und filziger Behaarung. In der Blütezeit im Juni treibt sie blauviolette Blüten. Ein blühendes Salbeifeld ist ein Traum in violett.

Die Pflanze gehört zu den Kräutern, die im Mittelmeerraum heimisch sind, bei uns aber auch gut gedeihen. In vielen Mittelmeerländern begrünt er ganze Berghänge. Er gedeiht am besten auf sonnigen, kalkhaltigen, durchlässigen und trockenen Böden.

Salbei im Garten

Für Farbe in Rabatten und Beeten sorgt der lavendelblau bis tiefviolettblau blühende Sommersalbei (Salvia nemorosa). Es gibt auch einige Sorten mit weißen Blüten. Die Wuchsform variiert und reicht von flach und kompakt wachsenden, nur 30-40 cm hohen Sorten, bis zu 80-90 cm hohen, schlank aufrecht wachsenden Sorten. Dadurch bietet sich eine Fülle an gestalterischen Möglichkeiten.

Der Salbeianbau im Garten lohnt nicht nur, wenn man frischen Salat ernten möchte. Salbei schmückt jeden garten und vertreibt durch seinen Geruch lästige Schädlinge. Ein Rückschnitt im zeitigen Frühjahr ist ratsam. Salvia nemorosa-Sorten sind winterhart, doch für die buntlaubigen Salvia officinalis-Sorten ist ein trockener Schutz, beispielsweise mit Fichtenreisig, in der kalten Jahreszeit empfehlenswert.

Salbei in der Küche/als Gewürz

Die ganzen oder gehackten Salbeiblätter werden zur bessseren Bekömmlichkeit bei fetten oder gehaltvollen Speisen verwendet. Gerade die italienische Küche kennt viele Salbeirezepte. Er bereichert z. B. Salate, Omelettes, Fisch- und Nudelgerichte. Aber auch die Verfeinerung von Gerichten mit Lamm- und Schweinefleisch sowie Wild ist zu empfehlen. Regionale Spezialitäten sind z. B. Blutwürste mit Salbei, wie sie in Thüringen geschätzt werden.



24/2003
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