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Jahrgang 2010 Nummer 47

Queralpenstraße aus Grassauer Sicht

Sie sollte mehr Touristen ins Achental bringen und die Schönheite Bayerns zeigen

Die Idee der Queralpenstraße wurde bereits 1927 durch Sanitätsrat Dr. Knorz entwickelt. Sie sollte die Quertäler der Alpen in Ost-West-Richtung zwischen Bodensee und Königssee durch einen Straßenzug entlang der Bayrischen Alpen verbinden. In den Gemeinden im Chiemgau setzte die intensive Diskussion aber erst 1932 an. Eine große Informationsveranstaltung dazu fand am 20. September in Prien statt. Dazu berichteten die Achentaler Nachrichten vom 24. 9. 1932:

»Grassau. Der Chiemsee=Verkehrsverband Prien hatte für Dienstag, den 20. September eine Versammlung im Hotel Kronprinz einberufen, zu der auch der hiesige Verkehrsverein eingeladen und durch Bürgermeister Bosch, den Vorstand und einige Ausschussmitglieder vertreten war. Auf der Tagesordnung stand der Bau einer Quer=Alpenstraße Berchtesgaden=Lindau=Bodensee. Erschienen waren neben Vertretern der Verkehrsunternehmungen an der Spitze Dr. Schwinck vom Verkehrsverein München und Südbayern, Vertreter der Reichsbehörden und des Bayerischen Staates, die Abgeordneten Breitenbach und Dauser und die Bürgermeister umliegender Gemeinden. Der Vorsitzende des Chiemsee=Verkehrsverbandes Sanitätsrat Dr. Knorz betonte in seiner Eröffnungsrede die Wichtigkeit der geplanten Straße für den Fremdenverkehr, nicht nur für die an der Strecke liegenden Orte, sondern für Bayern und das ganze Deutschland. Sie soll den Fremden nicht auf kürzestem Wege um die Berge herum, sondern in die bayerischen Berge hineinführen und ihm ihre Schönheiten offenbaren, die er sonst nur im Auslande zu finden glaubt. Der Redner hob weiter die Bedeutung des Fremdenverkehrs für Bayern hervor. Es möchte alles geschehen um den durch die wirtschaftliche Lage verursachten Rückgang in den Einnahmen wieder auszugleichen. In der geplanten Straße erblicke er einen tüchtigen Mithelfer an dieser Arbeit. Die Straße müsse gebaut werden, allen Hindernissen zum Trotz. Auch ihre Bedeutung für die ländliche Siedelung sei nicht zu unterschätzen.

Außerdem aber sei sie ein hervorragendes Mittel der herrschenden Arbeitslosigkeit zu steuern. Eine große Zahl von Arbeitslosen könnte dabei Beschäftigung finden und den Haushalt des Landes und der Gemeinden erleichtern.

Über Linienführung, Aufbringung der Kosten und Einzelheiten solle noch nicht gesprochen werden. Es soll dies Sache einer zu bildenden Arbeitsgemeinschaft sein, die ihren Sitz in München, unter Führung von Herrn Dr. Schwink haben soll.

Alle anwesenden Vertreter der Staatsbehörden und sonstigen Verbände sicherten dem Unternehmen ihre Unterstützung zu. Auch die anwesenden Abgeordneten versprachen sich dafür zu verwenden. Es liegt auf der Hand, daß es zur Verwirklichung des Gedankens der Überwindung vieler Schwierigkeiten bedarf. Es steht aber zu hoffen, daß bei der einhaltigen Zustimmung, die der Plan in der Versammlung bei allen Beteiligten gefunden hat, und bei seiner Bedeutung für den Fremdenverkehr diese überwunden werden können.«

Distriktstraße Rottau - Grassau

Zu dieser Zeit lief gerade in Grassau eine der wichtigsten Straßenbaumaßnahmen, die Distriktsstraße zwischen Rottau und Grassau. Nach den Meldungen in den Achentaler Nachrichten vom 9. Juni 1932 war dies »die meist und tonnemäßig schwerst befahrene Straße im ganzen Bezirk Traunstein.“ Durch die Wegnahme von einigen unübersichtlichen Kurven und Verbreiterung sollte die Straße den damaligen Bedürfnissen angepasst werden. Zwei Steinquetschen sorgten für die Bereitstellung des Schotters. „Durch Anwalzen der Straßendecke mit einer schweren (350 Ztr.) Walze wird das Notwendige an Festigkeit und Dauehaftigkeit besorgt. Sehr zu begrüßen ist, daß durch diese Arbeiten eine Anzahl Erwerbslose aus mehreren Gemeinden eine Beschäftigung gefunden haben….. Die Bauleitung hat Herr Bezirksbaumeister Böck. Durch den Bau dieser Straße wird einem Bedürfnis entsprochen und etwas geschaffen, was dem Fremdenverkehr zum großen Teil zu gute kommen wird.«

Am 6. September meldete dann die Achentaler Nachrichten: »Wie wir erfahren, soll die neuerbaute Straße, Bezirksgrenze außer Rottau bis Grassau in allernächster Zeit geteert werden. So viel wir hören, soll diese Arbeit bereits an eine Firma vergeben sein. Damit wären wir im ganzen Bezirk im Besitz einer der schönsten Straßen und ist das eine dankenswerte Entlohnung der nun mehrere Jahre gedauerten Kalamitäten der Straße Rottau – Grassau.«

Die positiven Erfahrungen mit dem Bau der Distriktsstraße, insbesondere die Beschäftigung von Arbeitslosen, führten in Grassau dazu dass die Idee der Queralpenstraße auf fruchtbaren Boden fiel. Da der Fremdenverkehr in den vorhergehenden Jahren deutlich auf weniger als 2000 Gäste mit weniger als 20 000 Übernachtunken gesunken war, erhofften sich die Grassauer auch eine Attraktivitätserhöhung des Ortes.

In seinem Bericht über das Vereinsjahr 1932 des Verkehrsvereins Grassau e.V., vorgetragen bei der Hauptversammlung am 2. April 1933, berichtete der 1. Vorsitzende Hans Grobe von dieser Veranstaltung:

»Am 24. September hatte der Chiemseeverband in Prien eine Versammlung einberufen, um für den Bau einer Alpenstrasse von Lindau bis Berchtesgaden zu werben. Da eine solche Strasse für den Fremdenverkehr nicht nur im Chiemgau, sondern auch in Grassau von ausserordentlicher Bedeutung ist, nahmen die Herren Bürgermeister Bosch, Posthalter Hilger, Hans Hilger und der 2. Vorstand daran teil. Augenblicklich handelt es sich darum eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Die Regierung ist durch den Landtag aufgefordert worden ein Projekt auszuarbeiten. Der Strassenbau-Ausschuss des Chiemgauverbandes Traunstein hat zu dem Plan in einer Sitzung vom 6. Oktober eine abwartende Haltung eingenommen. Inzwischen hat sich bereits ein Zweckverband der Bezirke Miesbach-Rosenheim für den Bau einer 16 km langen Teilstrecke „Tatzelwurmstrasse“ im Zuge Bayrisch-Zell-Oberaudorf gebildet, für das M. 615000.- veranschlagt sind und von denen M.500000.- bereits gesichert sein sollen.«

Bei späteren Sitzungen des Vorstands des Grassauer Verkehrsvereins wurde der Gemeindesekretär Jakob Häringer (später Bürgermeister der Gemeinde Grassau von 1948 bis 1958) gebeten, Überlegungen zur Führung der Queralpenstraße zu entwickeln, welche das Gemeindegebiet Grassau beinhalten sollte. Insbesondere die Möglichkeiten für den Fremdenverkehr und auch die Chance, vielen Arbeitslosen einen Arbeitsplatz zu bieten, waren ausschlaggebend für die Grassauer Aktivitäten.

Im Dezember 1932 legte Jakob Häringer seine Vorschläge vor, welche er mit einer Vielzahl von Bildern verdeutlichte. Als Ansprechpartner wurde dazu der Deutsche Touring-Club gewählt.

Grassau, den 5. Dezember 1932.
An den
Deutschen Touring-Club
MUENCHEN.
Prennerstraße.24.

In Sache: Die Queralpenstrasse vom Bodensee zum Königssee, gestatte ich mir beifolgend eine Detailbesprechung für den Teil der Strase im Chiemgau zu ihrer weiteren Verfolgung zu stellen und Kartenmaterial höflichst beizulegen.
Ich hoffe mit meinen Ausführungen der Oeffentlichkeit dienen zu können und zeichne

Hochachtungsvoll!
Mitglied Nr. 29521 Auto

J. Häringer
Grassau (Chiemgau)

Wir haben mit großem Interesse die Trassierung der Strasse von Aschau auf die Kampenwand verfolgt und daraus ersehen, dass mit dieser Linienführung ein Gebiet von ausserordentlicher Schönheit berührt werden und dem allgemeinen Verkehr erschlossen werden soll. Von diesem Gesichtspunkt aus ist in uns der Entschluss gereift mit gegenwärtigem Vorschlag an die Oeffentlichkeit zu treten.

Die jetzige Linienführung sieht vor, die Kampenwand aufzufahren und in aller Kürze wieder in Richtung dem Dalsenboden zu verlassen. Der Tourist auf dieser Strasse wird mit grossem Erstaunen, nach Erkletterung dieser Strasse, das landschaftliche einzigartige Bild in sich aufnehmen, bevor er an der Möslarnalm bereits wieder die Höhe verlassen muss. 1400 m Höhe, bei ein paar Wagenlängen und dann bereits in das Dalsental, aus welchem der Blick nach allen Seiten abgeriegelt ist.

Unser Vorschlag geht dahin, auf der erreichten Höhe solange zu verweilen, als dies die Berge Kampenwand, Hochplatte, Friedenath und grosser Staffen ermöglichen. Voll soll der Turist von diesen Herrlichkeiten und Schönheiten, von diesen Abwechslungen gestopft werden, er soll sich wirklich einmal satt sehen und erleben können. Keine andere Gebirgsgruppe ergibt eine günstigere und bessere Gelegenheit hierzu, als gerade die genannten Berge.

Der Aufstieg von der Seite Aschau bringt die Beschauer allmählich in die Höhe mit etwas Verborgenheit an Aussicht; kurz einmal die Chiemseegegend, also das Flachland, dann die Hochries. Am Ende des sog. Reitweges – Steinlingalmgegend – ist der Ausblick durch die Vorberge verhindert, wird aber dann besser, wenn die Strasse sich dem Staffelstein nähert. Der ganze Chiemgau kommt vor die Augen zu liegen, die Gebirgsausläufer werden sichtbar. Das Bild ändert sich im Moment als die Uebergangshöhe nach der Südseite der Kampenwand erreicht ist. Die ganzen Alpen liegen ausgebreitet in unendlicher Grösse und Mächtigkeit. Der Blick zum Flachland ist entschwunden, die Kampenwände stellen sich davor. Von hier aus geht unser Vorschlag, diese herrliche Höhe erst dann zu verlassen, wenn dies sein muss, und wenn alles an Schöenm ausgekostet wurde. Unter Beibehaltung der Anfahrt, geht unser Vorschlag dahin an der Südseite der Kampenwand auf ziemlich gleicher Höhe weiterzufahren - all die schönen Blicke und Aussichtsmöglichkeiten von dieser Strecke zu schildern, würde zu weit führen – beim Raffen eine Kurve und dann auf den Höhengrad entlang bis zur Hochplatte. Dieser Grad hat seine besondere Eigenart darin, dass der Blick einerseits zum Rottauertal mit seinen grossartigen Felspartien der Gedererwand und der Kampenwand, andererseits zum Ramsental und Achental, nirgends gehemmt wird, weder zu den grossen Alpen noch in das Flachland. Auf ebener Fahrbahn kann der Automobilist alles dieses Schöne und Gewaltige schauen. Nicht vergessen soll werden der Blick zur Hochplattenkuppel, die gleichsam einer Pyramide sich noch einige 100 Meter erhebt und wir glauben sicher, dass jeder Besucher diese schönen grünen Matten besteigen wird. Die Strasse wendet sich hier etwas nördlich, bringt neue Blickmöglichkeit über das Rottauertal zur Kampenwand, geht vorüber an einem Gebiet mit herrlichen Naturpflanzungen. Die Strasse nähert sich dem Friedenrath, umläuft diesen an der Südseite und bringt an dieser Stelle den schönsten Blick in das Grassauertal und zu dem Riesen Hochplatte. Kurzer Bogen gegen das Rottauertal um wieder neuerdings nach nördlicher Richtung zuzusteuern. Die Grassauermojeralm wird am westlichen Zipfen angeschnitten und an der Wesseite des grossen Staffen, eine dunkelgrüne Waldkuppel, führt die Linie vorbei um sich wieder dem freien grossen Almengebiet der Grassauer zuzuwenden. Hier der Blick besonders schön zum Chiemsee und dem ganzen Chiemgau. Die einzige Serpentine ist an der Ostseite des Berges notwendig; die Strasse durchläuft ein kleines dunkles Tal, kommt dann wieder an das freie und gibt dem Besucher so recht schöne Bilder von den am Bergrand liegenden Dörfern, läuft dem Einöderberg zu und soll von hier ab den Technikern überlassen bleiben, ob der Ablauf gen Strehtrumpf oder einer Serpentine der bestehenden Bezirksstrasse zugeleitet wird.

Nicht nur im Sommer würden herrliche Gebiete erschlossen werden, noch mehr erschlossen würden sie dem Wintersportler werden. Das Kampenwandgebiet, das Geigelsteingebiet und das Gebiet der Grassaueralmen, würde damit noch weit günstiger dem Sportsmann zu präsentieren sein. In zwei Stunden kann der Münchener unter Benützung der Autobahn auf den Grassaueralmen bereits den Ski an den Fuss schnallen.

Häringer entschied sich aber dann doch nach vielen Gesprächen, den Vorschlag nicht einzureichen. So schrieb er in einem handschriftlicher Nachtrag:

»Habe meinen Vorschlag nicht weitergeleitet, warum, weil meine Überzeugung von Ort und Stelle mich belehrt hat, dass unsere schöne Kampenwand als Berg erledigt ist, wenn eine Straße den Frieden, die Ruhe, die Schönheit stört. Heute ist die Kampen von uns aus der schönste Tourenberg, interessiert jeden Gast und Besucher ………., Jeder würde mit dem Auto fahren, das schöne Wild, die vielen Gemsen, alles wäre fort.

Ich lege daher meinen Antrag ad acta mit der Befriedigung dem Bergfrieden gedient zu haben,…..«

Er betonte aber auch, dass er in Zukunft jede sinnvolle Verkehrsförderung für Grassau aufs beste unterstützen und fördern werde. Deshalb entwickelte er auch im gleichen Jahr einen weiteren Vorschlag zur Streckenführung der Queralpenstraße.

Die Queralpenstrasse: Vom Bodensee zum Königssee.

Der Vorschlag des Deutschen Touring-Clubs für die Strassenführung der geplanten Alpenstrasse hat grossen Anklang gefunden und wird einem Projekt als wichtige Unterlage dienen können.

Meine Ausführungen sollen dazu dienen die Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit und damit eine Verwirklichung überhaupt, für die Strecke im Chiemgau und zwar von Frasdorf = Inzell, besonders zu beleuchten und die grosszügige Linienführung zu berücksichtigen. Sie sind weiter davon getragen, dass nichts unternommen werden soll, was die allerdings noch nicht vorhandenen Mitteln unwirtschaftlich machen und frühzeitig verbrauchen und damit das Gesamtprojekt zum Scheitern bringen würde. Wichtig ist, unter Verwendung der vorhandenen Strassen einen etappenweisen Bau noch im kommenden Frühjahr zu beginnen und zuerst die Strecken, die gegenwärtig fehlen oder für einen grossen Autoverkehr unbrauchbar sind, in Angriff zu nehmen. Damit könnte die neue Strasse bald benützt werden und der weitere Schritt müsste sein, die Verbesserung der vorhandenen Strassen und als Letztes dann die Anlage und Verbesserung der Varianten und Stichstrassen. Die Strecken von Frasdorf und nach Inzell sollen anderen Interessenten zur Diskussion überlassen sein.

Eine Führung der Alpenstrasse von Frasdorf über Aschau nach Bernau bringt bedauerlicherweise mit, dass Prien abseits liegen muss. Gerade Prien hat das erste Wort über dieses Projekt gesprochen und propagiert, man darf ruhig sagen, mit grossem Erfolg. Es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn die Streckenführung von Frasdorf über Prien nach Bernau und der Teil Frasdorf über Aschau nach Bernau als Stichstrassen umgetauscht werden würden. Abgesehen von Prien’s Bedeutung für den Chiemgau bzw. Chiemsee und damit für den gesamten Reiseverkehr, sind die Reize und Besonderheiten, die der Strasse über Schloss Wildenwart nach Prien zu eigen sind, wesentlich höher zu bewerten, als die Waldgebiete vor und nach Aschau. Das schöne Aschau würde immerhin durch die bezeichneten Stichstrassen beiderseits für einen Autoverkehr offen sein. Für meinen Vorschlag sind gut verwendbare Bezirksstrassen zur Verfügung, die nur Verbesserungen benötigen.

Die bei der alten Strassenführung vorgesehene Variante durch das Dalsental lässt Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit weit ausser Acht. Die Strecke Hainbach (Priental) – Mettenham (Achental) ist 10 km lang und müsste vollständig neue gabaut werden, da nur Holzabführwege vorhanden sind. Nahezu 500 m Höhenunterschiede wären mit dieser Strecke auf und ab zu bewältigen; das Gebiet selbst liegt im engen stark bewaldeten Hochtal durchzogen vom Dalsenbach. Ob der grosse Aufwand - ich schätze die 10 km Hochstrasse von einer Million nicht weit entfernt - für diese Variante noch zweckmässig und wirtschaftlich ist, wird von Kennern der Dalsen sehr bezweifelt.

Die Weiterführung der Hauptstrasse von Bernau nach Grassau erfährt eine bedeutende Erleichterung durch die von der Bezirksamtsgrenze Traunstein bis Grassau im heurigen Herbst vollständig neuumgebauten geteerten Bezirksstrasse. Durch Benutzung der vorhandenen brauchbaren Gemeindestrasse Grassau – Marquartstein entfällt die Strecke Grassau – Staudach – Marquartstein und damit 2 km Strasse am Vorschlag des DTC. Die Linie von Marquartstein nach Entfelden (Reit i. Winkl), eine Alpenstrasse, ist mit wenig Kosten brauchbar zu gestalten und wird für den Wintersport als Hauptzufahrt ins Reit i. W. Tal erheblich gewinnen. Entfelden – Ruhpolding würde eine landschaftlich wertvolle Gegend erfassen;jedoch bestehen grosse Bedenken: die jetzige Strasse ist im Winter wegen starkem Schneefall und Lawinengefahr wenig brauchbar. Besser würden die Verhältnisse, wenn die ehemalige Waldbahnlinie Verwendung fände. Wohl verliert sich etwas an schönen landschaftlichen Punkten, jedoch der Kostenpunkt und die Zweckmässigkeit (man könnte zum Bau die vorhandene Bahnanlage verwenden sowohl zum Materialtransport, als den Bahnkörper nach entfernter Gleisanlage zum Strassenkörper) würden dabei erheblich gewinnen.

Damit wären wir an der Variante Ruhpolding – Inzell. Hier dürfte wieder eine Neubaustrecke infrage kommen, da die vohandene Holzabfuhrstrasse kaum als verwendbar zu rechnen ist. Dagegen sprechen die vorhandenen Bezirksstrassen Ruhpolding – Siegsdorf und die Staatsstrasse Siegsdorf – Inzell; beide Strassen sind gut brauchbar, touristisch interessant und landschaftlich schön. Die weiter vorgesehene Variante über Grassau – Siegsdorf kann besonders für Zeiten, in denen die Strasse über Reit i. W. – Ruhpolding unpassierbar ist, zur Durchfahrt erforderlich werden; sie wird aber auch dann in Frage stehen, wenn die Mittel zum Bau beschränkt sind und die kürzeste Linienführung projektiert werden muss.
Häringer, Grassau

Einige der in dem Papier vorgeschlagenen Punkte zur Streckenführung wurden zwar in etwa so verwirklicht, aber ob dies auf die Vorschläge von Jakob Häringer zurückzuführen sind, ist unbekannt.

Der Bau der Autobahn erforderte einen so großen finanziellen und personellen Aufwand, dass manche Wunschvorstellungen aus den Gemeinden des Chiemgau nicht verwirklicht werden konnten.

Dadurch konnte ganz im Sinne der Schlussfolgerung von Jakob Häringer die Bergwelt vor dem Straßenverkehr geschützt und die Schönheit der Bergwelt bewahrt werden.

Durch die 1936 eröffnete Autobahn und die 1932 ausgebaute Bezirksstraße als Teil der Queralpenstraße nach Grassau konnte der Fremdenverkehr im Achental dann doch noch von den Automobiltouristen profitieren.

Olaf Gruß


Quellen: Unterlagen aus dem Archiv der Marktgemeinde Grassai
Huber, Otto (2009): NS-Größenwahn oder Militärstrategie’ in Chiemgau=Blätter Nummer 12; 21. März 2009



47/2010