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Jahrgang 2013 Nummer 6

Projekt Hochfellnhaus feierte 125. Geburtstag

Heimische Honoratioren gründeten Verein zur Finanzierung von Wirtshaus und Kapelle

Majestätisch thront das Hochfellnhaus auf dem Gipfel, links daneben die Kapelle und rechts das Gipfelkreuz.

Wer heute den Hochfelln erklimmt - oder, auf weniger anstrengendem Weg, mit der Seilbahn hinauffährt, macht sich wohl kaum Gedanken, wie es oben, auf mehr als 1600 Metern Höhe, einmal ohne Haus und Kapelle ausgesehen haben mag. Denn der für viele Chiemgauer und darüber hinaus so beliebte »Hausberg« kann in diesen Tagen auf ein ganz besonderes Jubiläum zurückblicken.

Vor 125 Jahren, am 2. Februar 1888, trat eine Gruppe unternehmungslustiger Herren zusammen, um unter dem Namen »Hochfellnhausverein« den Berg für den Alpinismus zu erschließen. Das war auch Thema eines Vortrags, den Hans Helmberger kürzlich beim Historischen Verein Traunstein hielt. Der Referent hat dabei ebenso akribisch wie amüsant die Geschichte und »Gschichterln« rund um diese Pioniertat zusammengetragen und ließ die Ereignisse von damals anschaulich wiederauferstehen.

Dass Berg und Mensch miteinander Freundschaft schließen, war zur damaligen Zeit nicht mehr ganz neu, aber dennoch nicht alltäglich. Denn bis ins 19. Jahrhundert stellten Berge im Alltag des Menschen ein eher lästiges Hindernis dar, das im Weg war, wollte man in bestimmte Regionen reisen. Mit einem neu entdeckten Interesse für die Natur, für das der französische Philosoph Jean Jacques Rousseau Pate stand, drängte es die Menschen nun danach, Berge aus reiner Neugier für die Natur und Freude an der Bewegung zu ersteigen.

Um die dazu notwendige Infrastruktur zu schaffen, mussten Wege erschlossen und entsprechende Unterkünfte gebaut werden. Denn so mutig viele Bergbegeisterte die Gipfel erklommen, stellte sich bald heraus, dass ohne Herbergen mit Verpflegung und Unterkunft der Bergsport nicht für breite Massen realisierbar war. Bereits im Jahr der Gründung des Deutschen Alpenvereins 1869 hatte sich in Traunstein eine Sektion gegründet unter der Federführung von Apotheker Joseph Pauer und Franz von Schilcher, die im Laufe der nächsten 15 Jahre ebenfalls die Erschließung des Hochfellns vorantrieb. Krönung der Maßnahmen war 1886 die Einweihung des Gipfelkreuzes, das König Ludwig I. zu dessen 100. Geburtstag gewidmet wurde. Zwei Jahre später beschloss eine Reihe Honoratioren, die meisten davon in Traunstein ansässig, einen Verein zu gründen, dessen Ziel die Finanzierung und der Bau einer Unterkunft auf dem Hochfelln war. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderen der Bergener Pfarrer Otto von Mayer, Johann Baptist Schiller Bergamtskassier der Maxhütte, Buchdruckermeister Carl Werkmeister und dessen Bruder Benno. Baumeister des Projekts war Georg Zeitler, ein gebürtiger Lichtenfelser, der sich vom einfachen Maurer bis zum Baumeister hochgearbeitet hatte. In den Chiemgau verschlug es ihn durch die Heirat mit der Großbauerntochter Monika Sichler aus Grassau. Zuerst im Eisenbau tätig, baute Zeitler nun unter anderem den Höllbräukomplex gegenüber dem Traunsteiner Bahnhof, die Zementfabrik Kroher in Staudach und Schloss Stein für die Herzöge von Leuchtenberg. 1888 ging es für ihn dann noch höher hinaus, bildlich gesehen, denn Zeitler übernahm den Auftrag für ein Unterkunftshaus und eine Kapelle auf dem Hochfelln.

Im Juli 1889 konnte bereits die Grundsteinlegung der Kapelle und des Hauses mit einem feierlichen Akt begangen werden - Krönung war dabei die Stiftung eines Messkelchs durch Papst Leo XIII. Der Maler Angelo de Courten, der zeitweise in Traunstein lebte, hatte damals den Auftrag, ein Porträt des Pontifex zu malen und wird ihm in diesem Zusammenhang von dem Projekt Hochfellnhaus berichtet haben. Die offizielle Weihe der Kapelle erfolgte aber erst zehn Jahre nach dem Bau durch Erzbischof Franz Joseph von Stein, der übrigens nicht zu Fuß ging, sondern per Muli zum Gipfel gebracht wurde.

Der Bau von Haus und Kirchlein ging zwar schnell voran, es gab bald aber auch Probleme mit der Finanzierung. Erst durch Aufnahme mehrerer Darlehen konnten die Mittel aufgestockt werden.

Im Sommer 1890 waren beide Gebäude so weit fertig, dass am 6. August eine große Einweihungsfeier über die Bühne gehen konnte. Da der Verein inzwischen auch den »Stockreiter- Kaser« auf der Bründlingalm gekauft hatte, gestaltete sich der Aufund Abstieg nun nicht mehr so kräfteraubend, konnte man doch auf dieser »Mittelstation« den müden Knochen Rast gönnen und die Kraftreserven mit einer Brotzeit wieder aufladen. Das Haus auf dem Gipfel umfasste fünf Schlafzimmer mit 16 Betten und einen allgemeinen Schlafraum für 30 Personen. Auch auf der Bründlingalm waren bald Bauarbeiten fällig, denn der Wirt und sein Personal wollten nicht länger in der Gaststube schlafen, weshalb ein Anbau finanziert werden musste.

Mit dem Ersten Weltkrieg begann für den Hochfellnhausverein eine Zäsur, an deren Ende die Auflösung des Vereins im Jahr 1922 stand. Die Einnahmen waren immer spärlicher geworden und die wirtschaftliche Lage mit der beginnenden Inflation nach dem Krieg verschärfte die allgemeine Situation. Deshalb entschied sich der Verein 1919 das Haus zu verkaufen. Martin Schweizer, Wirt aus Grabenstätt, pachtete das Haus und erwarb es dann käuflich. Damit hatte der Verein auch seine Existenzberechtigung abgegeben und bei der Generalversammlung am 12. April 1922 seine Auflösung beschlossen - ein Akt, der erst am 18. Februar 1930 amtlich besiegelt wurde. Auch wenn es nun den Hochfellnhausverein nicht mehr gab, den Grundstein für die Anziehungskraft des Berges für Wanderer, Skifahrer und in jüngerer Zeit auch für Drachen- und Gleitschirmflieger legte vor 125 Jahren eine Handvoll Bergsportpioniere, ohne deren Initiative die Geschichte des Hochfelln heute weit kürzer und glanzloser ausfallen würde.


Susanne Mittermaier

 

6/2013