Jahrgang 2001 Nummer 22

Pfingsten, das liebliche Fest

Nur wenige Pfingstbräuche blieben bis heute erhalten

Inmitten herrlicher Blütezeit feiert die christliche Kirche das Fest des Hl. Geistes und damit den Geburtstag ihrer religiösen Gemeinschaft; denn von dem Tag an, an dem der hl. Geist in Gestalt feuriger Zungen auf die versammelten Apostel herabkam und Gott in Vollendung seines irdischen Erlösungswerkes den Geist der Erleuchtung auf die Jünger ausgoß, begann die christliche Eroberung der Welt. Kein Sturm der Zeit, kein Schicksal der Völker, keine Wandlungen des Menschengeschlechtes vermochten je den Feuergeist des ersten Pfingstfestes auszulöschen. Der hl. Geist schwebte über den christlichen Streitern der Vergangenheit und bleibt bei den Glaubenspionieren der Gegenwart und Zukunft. Die von den Aposteln mit heiligem Eifer entfachte Bewegung wächst trotz aller Hindernisse, weil göttliche Sendung dem Werk seinen Segen und seine Hilfe verleiht.

Die Kirche begeht dieses dritte Fest im Kirchenjahr als Krönung des Ostergeheimnisses, als Feier der Glaubensstärke, als Bekenntnis des Dankes für das machtvolle Walten der dritten Person in Gott.

Einst ließ man während des Gottesdienstes am Pfingstfest brennende Wergflocken als Sinnbild des Hl. Geistes durch das Heiliggeistloch von der Kirchendecke in das Schiff des Gotteshauses herabflattern und eine weiße, hölzerne Taube durch den Raum schweben, um die Ausgießung des Hl. Geistes sinnenfällig vor Augen zu führen. Die Weihe des Taufwassers am Pfingstsamstag hat sich bis heute erhalten. Jede katholische Familie holt in der Kirche eine Flasche oder ein Krügerl voll »Pfingsttaufe«. Früher wusch man sich damit die Augen, weil man sich davon eine Stärkung des Sehvermögens versprach. Der Familienvater hängte über dem linnenbedeckten Tisch des Wohnzimmers an der Weißdecke mittels einer roten Ampelschnur die holzgeschnitzte Heiliggeisttaube auf und die Frauen schmückten das »schöne Zimmer« mit einem Strauß leuchtender Pfingstrosen.

Von den vielen weltlichen Pfingstbräuchen haben sich nur wenige erhalten. Verschwunden sind das Laubeinkleiden, das Pfingstl – und Wasservogelspiel, die Pfingstlhochzeit, der Pfingstlümmel, das Kranzlreiten und Kranzlstechen. Nur vereinzelt finden noch Pfingstritte statt. Auch die Freinacht vom Pfingstsamstag auf Pfingstsonntag wird von den Burschen nur mehr selten zu »Hallodri« benützt. Wer am Pfingstsonntag morgens sich als »Siebenschläfer« entpuppt, heißt heute noch auf dem Lande »Pfingstlümmel«.

JS



22/2001