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Jahrgang 2016 Nummer 3

Otto Dihm - der Brücken-Bauer

Vor 100 Jahren starb der Erbauer der Haferl-Brücke

Die Haferlbrücke zwei Tage vor ihrem Abriss 1989. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)
Die Haferlbrücke wurde am 17. April 1989 abgerissen.

Otto Dihm, mein Großvater, war ein Brücken-Bauer, der unter anderem die »Haferl-Brücke« gebaut hat. Er starb bereits sehr früh mit 37 Jahren, ich selbst habe ihn leider nie persönlich kennengelernt. Nur das Porträt ist mir im Gedächtnis geblieben, das meine Großmutter von ihm gemalt hat und in unserem Wohnzimmer hing. Wenn die Familie sich zu den Mahlzeiten versammelt hat, saß ich ihm gegenüber. In seinem feschen, blauen Leutnants- Rock schaute er mich freundlich und aufmunternd an. Aber der Reihe nach.

Otto Dihm wurde am 11. Oktober 1878 im elterlichen Haus in Siegsdorf- Alzing geboren. Das Landgut hatte sein Vater im Jahr 1875 vom Chefarzt des Bad Adelholzener Krankenhauses, Dr. Emil Geßele, erworben, dem die Leitung des Traunsteiner Kreiskrankenhauses übertragen worden war. Der Weg dorthin – damals mit der Kutsche – wäre ihm wohl zu weit gewesen.

Nach dem Besuch des königlich bayerischen Kadettenkorps schlug Otto Dihm wie sein Vater und sein Onkel die Offiziers-Laufbahn ein. Aber die Schwabinger Boheme zog ihn an – nicht zum Wohlgefallen seiner Familie, und er lernte seine Frau kennen. Sie war eine schöne Frau, Studentin an der Kunstakademie und wurde eine begabte Porträt-Malerin. Sie war es wohl, die ihn dazu brachte, nicht der Offiziersfamilien-Tradition zu folgen, sie zu heiraten und das Ingenieur-Studium in Darmstadt aufzunehmen. Sein Vater hat ihm das nie verziehen.

1908 beendete er sein Studium am Münchner Polytechnikum erfolgreich, bekam später eine Anstellung bei der Tiefbaufirma Waiss & Freitag, Berlin, und machte sich schließlich in Erfurt selbstständig. Er spezialisierte sich auf die Konstruktion von Brücken und fand damit sogar Eingang in ein Lehrbuch, wie mir einmal ein Ingenieur erzählte, den ich kannte. Im Chiemgau hat er sich nicht nur mit der »Haferl-Brücke« in Traunstein ein Denkmal geschaffen, die schließlich dem starken Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war und einer modernen Brücke weichen musste, sondern auch mit der baugleichen Marquartsteiner Brücke. Am 13. Januar 1916 starb er an einem langen Nierenleiden.

Wenn ich als Schüler von der Blaue-Wand-Straße über die »Haferl-Brücke« nach Traunstein hinein radelte, dachte ich immer stolz an meinen Großvater, den Brücken-Bauer. Und er baut mir noch immer die Brücke zu meiner Heimatverbundenheit, auch wenn ich schon seit fast 50 Jahren in München lebe.


Hartmut Dihm

 

3/2016