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Jahrgang 2008 Nummer 12

Ostern, wie’s früher einmal gewesen ist

Eine aufregende und schöne Zeit sind jedes Jahr die Kartage und Ostern für mich gewesen

»Laß mich deine Leiden singen, dir dies Dankesopfer bringen, oh du unschulds Gottes Lamm, unsre Sühn am Kreuzestamm.«

Bei diesem Lied habe ich immer besonders laut und inbrünstig mitgesunden, wenn dieses in der Fastenzeit der Herr Hauptlehrer jeden Sonntag auf der Orgel in unserer kleinen Pfarrkiche angestimmt hatte. Bei uns auf dem großen Hof in Pittersdorf, hat in der Karwoche mein Großvater »angeschafft«, dass außer dem Stall gehen, nur die notwendigsten Arbeiten getan worden sind, dafür aber ist umso mehr gefastet und gebetet worden. Mir als kleines Dirndl, das ich dortmals gewesen bin, war das Fasten ganz recht, denn eine gute Suppe mit einem Knödel dazu, ist mir sowieso lieber gewesen wie das Fleisch. Auch das viele Kirchgehen hat mir gar nichts ausgemacht, so bin ich am »Speißpfinsta« (Gründonnerstag) mit meiner Großmutter schon zeitig in der Früh, von unserem Einödhof in das kleine Pfarrdorf Hart in die Kirche gestapft, die an diesem Antlaßtag »recht lange gedauert« hat. Es ist schon fast Mittag gewesen, als wir beide an diesem Tag immer heimgekommen sind und meine Tante Marie ist meistens schon fast mit dem Kochen fertig gewesen, das ja eigentlich immer meine Großmutter selbst getan hat. Gleich nach dem Essen haben an diesem Nachmittag zwei von meinen Tanten und die Großmutter viel zu tun gehabt, die vielen Eier zu färben, die gebraucht worden sind. Natürlich habe ich mitfärben dürfen, meine Großmutter hat dabei jedesmal zu mir gemeint, dass meine Ostereier immer die schönste Farbe bekämen, ich wiederum habe diese daran erinnert, dass sie neben den ganzen Ostereiern für unsere große Familie und die Godn und Gödn, auch meine Freundin Muschi, das ausgebombte Mädel aus München, ja nicht vergessen dürfte. –

Auf die Antlaßeier, die unsere Hennen in der Nacht zum Gründonnerstag gelegt hatten, passte meine Großmutter ganz besonders auf, denn von diesen geht eine besondere Kraft aus und die Antlaßeier faulen auch nicht.

Am Karfreitag musste es bei uns auf dem großen Hof »staad« zugehen, das hatte mein Großvater so bestimmt und auch an diesem Tag bin ich wieder mit der Großmutter den langen Weg zu unserer Pfarrkirche mitgegangen, auch Marie und Sofie sind meistens dabei gewesen und alle Kirchgänger sind ganz dunkel, ja sogar ganz schwarz angezogen gewesen. Der Gottesdienst hat wiederum recht lange gedauert, der Ablauf war ein ganz Anderer und »verdraht«, so hat die Großmutter mir immer erklärt. Auch die »Karfreitagratsch’n«, die ja schon ab dem Gründonnerstagmittag laut scheppernd, das Läuten der Glocken ersetzt haben, sind für mich etwas ganz Aufregendes gewesen. Bald nach dem Mittagessen, das an diesem Freitag, der ja der strengste Fasttag vom ganzen Jahr ist, recht »mager« ausgefallen ist, war es wiederum Zeit zum erneuten Kirchgang, denn in diesen Nachmittagstunden ist der gekreuzigte Heiland gestorben. An diesem Karfreitag durfte ich mit meiner Großmutter ganz vor bis zum Altar gehen, um dort das Heilige Grab mit dem Heiland, der dort gelegen ist, genau anschauen zu können. Es ist »wunderschön« gewesen und die großen, bunten Kugeln, die eine seltsame Helligkeit ausgestrahlt haben, sind es gewesen, die dem Grab eine fast wundersame Ausstrahlung verliehen haben. Am Karsamstag konnte ich es kaum erwarten, bis endlich die zwei Nachbarsbuben die Anhöhe nach Pittersdorf heraufgekommen sind. In einer großen Laterne haben diese das Feuer, das der Mesner in der Kirche entfacht und der Herr Pfarrer anschließend feierlich geweiht hatte, auch in die »einschichtigsten« (abgelegenen) Einöden gebracht. Mit lautem Rufen: »Des Gweicht Feier is do«, sind diese durch die offene Haustür, die ich schon lange zuvor aufgemacht hatte, durch den langen Hausgang, hinein in die Kuchl. Dort hatte meine Großmutter schon das große Tür’l vom Herd aufgemacht und Hubert hat schnell ein paar glühende Klumpen in die heiße Glut geworfen. Meine Großmutter hatte schon etliche gefärbte Eier hergerichtet und diese den Buben in ihren Korb gelegt. Mit einem lauten »Vergelt’s Gott für d’Oa’«, sind sie auch schon draußen gewesen und mit einem »Pfüadi Lisbeth«, die Leit’n hinuntergehüpft, zum Nachbarn, dem Obermeisinger. Ich habe ihnen nachgeschaut, bis ich sie nicht mehr gesehen habe. Bei der Auferstehungsfeier am frühen Abend war unsere Pfarrkirche jedes Jahr »gerammelt« voll, daher drängte die Großmutter meine Tanten zum »Schicken« (beeilen), damit wir auch noch alle unseren Platz bekämen. Als dann mitten unter der kirchlichen Feier, plötzlich der Heiland aus dem Grab vorne am Altar einfach verschwunden ist und kurz darauf hinter dem Altar emporgekommen war, da ist dies für mich jedes Jahr, ein Wunder gewesen. Als genau in dem Moment der Herr Hauptlehrer auf der Orgel das Lied »Der Heiland erstand«, angestimmt hatte, da habe ich laut und froh mitgesungen. – Am nächsten Tag, dem Ostersonntag bin ich schon früh mit meinen Tanten aufgestanden und während diese noch bei der Stallarbeit gewesen sind, habe ich derweilen schon mein schönstes »Kirchgwand« angezogen. Meine Großmutter hat inzwischen in den grossen »Speißkorb« mehrere gefärbte Eier gelegt, auch einen Laib Brot und das gebackene Osterlämmchen habe ich mit hineinstellen dürfen. Bald darauf sind wir alle mitsamen, rechtzeitig zum feierlichen Hochamt in unserer Pfarrkirche gewesen. Ich bin aufgeregt und stolz gewesen, wie ich den Osterkorb zum Weihen ganz vor, fast zum Altar, wo schon mehrere gestanden sind, tragen dürfte. Die Speiseweihe ist etws ganz besonderes gewesen und ich habe immer genau aufgepasst, ob der Herr Pfarrer auch genug Weihwasser auf unseren »Speißkorb« gesprengt hatte. Nach dem Gottesdienst haben mich meine beiden Freundinnen Muschi und Mattei’ gleich gefragt, was mir der Osterhase »gelegt« habe – schöne, bunte Eier natürlich, erzählte ich freudig und sogar noch viele, ganz kleine bunte Zuckereier und auch noch einen kleinen Stoffosterhasen. Meine Großmutter, die mit den Tanten nach einem kurzen Gebet an unserem Grab, nun zu uns Dirndl’n hergekommen war, drängte nun, uns auf den Heimweg zu machen, da die »Gamerin« bestimmt schon mit dem guten Essen, das es am Ostersonntagmittag nach der langen Fastenzeit gab, auf uns warten würde. So sind meine Freundinnen nun auch auf den schmalen Seitenweg eingebogen und haben mir noch zugerufen, dass sie am Nachmittag zu uns zum »Oascheibn« kommen, mein Großvater könne die beiden Holzrechen, die wir dazu brauchen, herrichten. Gleich nach dem Essen habe ich mit meinem Großvater »Oa’ gebeckt« – »Osch an Osch«, haben wir die Eier zusammengestoßen, solange bis eins zerbrochen ist. Zur Brotzeit am Nachmittag hat meine Großmutter auch uns Dirndl’n, die wir schon lustig beim »Oascheibn« gewesen sind, ein Haferl heißen Lindenblütentee und ein Stück vom Osterkuchen zu den Erwachsenen auf den großen Tisch in der Stube mit dazugestellt.

Am Ostermontag haben sich natürlich alle mitsamen wiederum zum Amt in der Pfarrkirche zusammengefunden. Bald nach dem Mittagessen sind am Ostermontag zu uns nach Pittersdorf, jedes Jahr die »Gödleut« auf Besuch gekommen, auch meine Tante und Gon Mathilde, die beim Herrn Pfarrer im Dienst gewesen ist, hat mir mein Osternest gebracht. Dass die gut aufgepaßt hat, dass bei dem steilen und steinigen Berg am Anfang des Holzes, kein Ei zerbricht und das rote Fähnlein vom Osterlamm nicht abbricht, hat sie mir erzählt. So ist auch der Ostermontag beim Ratschen und einer guten Brotzeit, sowohl für die Erwachsenen als auch für mich, viel zu schnell vergangen. – Eine aufregende und schöne Zeit sind jedes Jahr die Kartage und das Osterfest selbst, für mich gewesen und manchmal denke ich so bei mir, wie sehr sich wohl manches Kind heute darüber freuen würde, in diesen einfachen und doch so aufregenden Tagen, mit dem mehrmaligen, langen Gang über die Wiesen- und Waldwege, ins Pfarrdorf, auch mittendrin zu sein und dazu zu gehören. Voll Erleben sind diese Tage für mich gewesen und im Gegensatz zu endlos langen Stunden auf den Straßen, ist es nie langweilig und schon gar nicht eintönig gewesen damals für mich, das Osterfest.

Elisabeth Mader



12/2008