Jahrgang 2009 Nummer 49

Nikolaus – Bischof und Freund der Kinder

Ein Beitrag aus dem Buch »Freunde im Himmel«

Der historische Nikolaus kommt aus Kleinasien, der heutigen Türkei. Sein Geburtsort Patara in Lykien ist ein kleiner Hafen gegenüber der Insel Rhodos, wo er vermutlich nach 300 geboren wurde. Der Legende nach wuchs Nikolaus als Sohn reicher Eltern auf und zeigte sich bereits als Kind auffallend freigiebig und großherzig. Er wurde Priester und bald Bischof von Myra. Es war eine schwierige Zeit für die junge Kirche, in die Nikolaus hineingeboren wurde: Wie andere Christen hatte auch er unter der Verfolgung des römischen Kaisers Galerius (305-311) zu leiden. Erst das Religionsedikt von Kaiser Konstantin im Jahr 325 brachte ihm und der Gemeinde der Christen die Freiheit. Nun konnte er offen predigen und taufen. In Myra soll Nikolaus um das Jahr 342 gestorben sein. Über seinem Grab errichteten die Christen eine große Kirche.

Obgleich sein historisch belegbares Leben weithin im Dunkeln liegt, wurde Nikolaus einer der beliebtesten Heiligen. Seine Verehrung beschränkte sich ursprünglich auf den Bereich der Ostkirche. In zahllosen Ikonendarstellungen und Mosaiken begegnet uns sein Bild, viele Zaren des russischen Reichs trugen seinen Namen. Als Ausdruck ihrer Reverenz erwählten sie ihn auch zum Landespatron. Einen ganz wesentlichen Anteil an der Überführung des Nikolauskultes ins Abendland hatte Kaiserin Theophanu vom Kaiserhof von Byzanz. Sie war die Gemahlin des deutschen Kaisers Otto II. und brachte um das Jahr 1000 die Verehrung des Heiligen aus ihrer Heimat nach Westeuropa.

Den entscheidenden Anstoß für die Nikolausverehrung gab ein abenteuerliches Stück Eroberungsgeschichte: 1087 entführten italienische Kaufleute und Ritter des Nachts die sterblichen Überreste des Heiligen aus seiner Bischofsstadt Myra nach Bari in Apulien.

In zahllosen Kirchen und Kapellen treffen wir heute auf Bilder und Figuren des Nikolaus. Seine Beliebtheit bekundet eine Vielzahl von Legenden. Bis heute besuche er die Kinder an seinem Namensfest und beschenkt sie mit seinen vorweihnachtlichen Gaben. Er hat nichts gemein mit der Fantasiefigur des Weihnachtsmannes, die ihn im Zuge der allgemeinen Säkularisierung zu verdrängen begann und lediglich der Kommerzialisierung dient.

Brauchtum: Nach altem Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht, besucht St. Nikolauss an seinem Namensfest die Kinder und beschenkt sie. Dabei begleiten ihn oft Gestalten, die gar nicht zu seiner Heiligkeit passen. Es sind recht furchterregende Gesellen, die je nach Gegend Knecht Ruprecht, Krampus, Pelzmärtel, Klaubauf, Rauwuckl, Butz oder Rumpelblas heißen. Die finsteren Gestalten, bekleidet mit schwarzem Pelz, das Gesicht mit einer hässlichen Maske verdeckt, rasseln wie wild mit einer Kette oder schwingen bedrohlich eine Rute. Die sonderbaren Begleiter verkörpern das Böse und das Finstere, eine Vorstellung, die in das christliche Adventsbrauchtum Eingang gefunden hat.

Albert Bichler



49/2009