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Jahrgang 2008 Nummer 31

Neuer Glanz im »Alten Schloss« auf der Herreninsel

Kaisersaal und Gartenzimmer sind nach der Renovierung wieder zugänglich

Kaisersaal mit den restaurierten illusionistischen Wand- und Deckenmalereien.

Kaisersaal mit den restaurierten illusionistischen Wand- und Deckenmalereien.
Türe im Gartenzimmer nach der Restaurierung

Türe im Gartenzimmer nach der Restaurierung
Hofküche mit den zwei Kochherden aus dem 19. Jahrhundert

Hofküche mit den zwei Kochherden aus dem 19. Jahrhundert
Von den vielen tausend Besuchern, die jedes Jahr das Schloss auf der Herreninsel besuchen, wissen wohl nur wenige, dass neben dem Königsschloss auch das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift, früher das »Alte Schloss« genannt, einen Besuch wert ist. Hier wurde von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ein Museum eingerichtet. Im Konventstock werden die Kloster- und Stiftsgeschichte sowie die Tagung zur Vorbereitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik dokumentiert, die hier im Jahre 1948 stattfand.

Im Südflügel, dem sogenannten Fürstenstock, kann man die Wohn- und Arbeitsräume besichtigen, in denen sich König Ludwig II. während der Bau- und Planungszeit des neuen Königsschlosses aufzuhalten pflegte. Seit Juli dieses Jahres sind im Fürstenstock nach dreijähriger Restaurierung zwei weitere Räume für die Öffentlichkeit zugänglich, der Kaisersaal und das Gartenzimmer mit Nebenräumen. Es sind zwei riesige, in illusionistischer Manier ausgemalte Prunksäle. Sie wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut und vom Münchner Künstler Benedikt Albrecht und seinem Mitarbeiter Eustachius Kendlbacher mit Fresken geschmückt.

Der Name Fürstenstock deutet bereits an, dass dieser Gebäudetrakt innerhalb des Chorherrenstifts eine besondere Bedeutung hatte, und zwar als Gästewohnung für hochherrschaftliche weltliche oder geistliche Besucher. Dazu muss man die eigenartige Situation des damaligen Stiftes kennen. Es gehörte einerseits politisch zum Herzogtum Bayern, jedoch andererseits kirchlich zum Fürsterzbistum Salzburg und hier wiederum zum Bistum Chiemsee, an dessen Spitze der vom Salzburger Erzbischof ernannte Chiemseebischof stand. Für den Fall, dass der Herzog aus München oder der Bischof von Salzburg das Chorherrenstift besuchten, stand für sie im Fürstenstock eine standesgemäße Unterkunft bereit. Sie war unter dem Stiftspropst Jacob Mayr, einem baufreudigen Barockprälaten, zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebaut worden.

Der Kaisersaal hat seinen Namen von den zwölf Bildern römischer Kaiser von Caesar bis Domitian, die in illusionistischer Manier die Seitenwände zieren. Sie sollen dem Betrachter als vorbildliche oder abschreckende Beispiele von Herrschern dienen. Die Decke mit biblischen Szenen von Gastmählern deutet auf die Hauptfunktion des Raums als festlicher Speisesaal hin. Ein Steg schützt den wertvollen Originalboden aus Tafelparkett vor Beschädigungen.

Der Dachstuhl über dem Kaisersaal war schon so stark geschädigt, dass sich aus der bemalten Decke Putzbrocken gelöst hatten und zur Erde gefallen waren. Um weitere Schäden an der Deckenmalerei zu verhindern, mussten während der Bauarbeiten umgangeiche Abstützungen und Hilfskonstruktionen in den Kaisersaal eingebaut werden. Bei der Dachstuhlsanierung war man bestrebt, die historische Substanz und sein Konstruktionsprinzip soweit wie möglich zu erhalten. Nur wo es unumgänglich war, wurden Hölzer entsprechend den vorhandenen Querschnitten zimmermannsmäßig ergänzt. Zugstangen aus Stahl nehmen nunmehr jene Kräfte auf, die der alte Dachstuhl nicht tragen kann und kompensieren die Unterdimensionierung der ursprünglichen Konstruktion im Traufbereich. So ergänzen sich bei der Sanierung des Dachstuhls modernste Technik und traditionelle Handwerkskunst.

Das Gartenzimmer war der Wohn- und Repräsentationsraum der fürstlichen Gäste. Die Wände sind mit Ausblicken in Gärten- und Architekturprospekte gegliedert, an der Decke sieht man Szenen aus dem Leben von König Salomon, dessen Weisheit einem Herrscher als Vorbild dienen soll. Aus konservatorischen Gründen darf auch der Boden des Gartenzimmers nicht betreten werden, doch können die Besucher alle Bereiche des Raums durch drei offene Türen gut einsehen. In einem kleinen Nebenraum und am Gang werden Gemälde, Möbel und andere Objekte aus der Klosterzeit präsentiert.

Außer den zwei großen Sälen wurde auch die alte Hofküche restauriert sowie die Kunstgalerie mit Werken des Chiemseemalers Julius Exter um weitere 180 Quadratmeter vergrößert. In der Hofküche mussten die beiden großen Kochherde aufgrund ihres schlechten Zustandes zerlegt und nach der Restaurierung vollkommen neu aufgebaut werden. Neben verschiedenen Fundstücken aus einer Abfallgrube sind in der Küche auch Küchengeräte aus der Zeit von Ludwig II. zu bewundern.

Sowohl die Hofküche wie der Erweitungsbereich der Exter-Galerie konnten durch Versetzen einiger moderner Türen in den Museumsrundgang integriert werden. Auch umfangreiche brandschutztechnische Verbesserungen wie der Einbau von Brandschutztüren und Brandmeldeeinrichtungen waren für die Erschließung notwendig. Die gesamten Kosten der im Auftrag des Bayerischen Finanzministeriums durchgeführten Arbeiten betrugen 2,35 Millionen Euro, davon entfielen allein auf die Dachsanierung 1,1 Millionen. Nach der gelungenen Restaurierung präsentiert sich nun der Fürstenstock des ehemaligen Chorherrenstiftes auf der Herreninsel in neuem Glanz. Die zwei Repräsentationssäle, der Kaisersaal und das Gartenzimmer, gehören nach dem Urteil von Experten zu den qualitätvollsten und besterhaltenen barocken Profanräumen Deutschlands.

Julius Bittmann



31/2008