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Jahrgang 2008 Nummer 42

Münchner Mineralientage: Gold aus den Alpen

Sonderschau unter der Schirmherrschaft von Reinhold Messner – Auch heute noch Goldfunde möglich

Filigrane Goldstufe aus dem Aostatal

Filigrane Goldstufe aus dem Aostatal
Keltische Goldmünzen (»Regenbogenschüsselchen«) aus dem Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Keltische Goldmünzen (»Regenbogenschüsselchen«) aus dem Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.
Die Münchner Mineralientage, die vom 31. Oktober bis zum 2. November auf dem Messegelände in Riem stattfinden, befassen sich in diesem Jahr in einer Sonderausstellung mit dem »Gold der Alpen«, für die Reinhold Messner die Schirmherrschaft übernommen hat.
Es ist wenig bekannt, dass ambitionierte Sammler in den Alpen auch heute noch spektakuläre Goldfunde machen können. Als größter Fund der Neuzeit gelten 1,4 Kilogramm reines Gold, die der Schweizer Mineraliensammler und Bergsteiger René Reichmuth in den Bergen hoch über der Oberrheinschlucht entdeckt hat. Reichmuth barg insgesamt 15 Platten. Das schönste Stück mit 400 Gramm Gewicht hat einen Schätzwert von 214 000 Euro. Den größten Goldfund der Ostalpen machte der gelernte Bergmann Rainer Mrazek: Nach jahrelanger Kleinarbeit, bei der er oft mit einer Lupe zu Werke ging, konnte er dreihundert Goldstücke bergen und eröffnete in seinem Heimatort Hüttau im Salzburger Land ein Schaubergwerk.
Ein Sensationsfund von mehr als sechs Kilogramm Gold gelang Michael Wachtler in Italien gemeinsam mit einer Gruppe, zu der die Zwillinge Lino und Mario Pallaoro sowie Frederico Morell gehörten. Die Goldsucher hatten eine alte Schrift eines Mineralogen ausfindig gemacht, die sie in die Fenillaz-Mine im Aostatal führte. Hier machten sie sich mit Golddetektoren an die Arbeit und wurden tatsächlich hinter dicken Quarz- und Gesteinsschichten fündig.
Anders als in früherer Zeit, als das Gold immer gleich sofort eingeschmolzen wurde, geht man heute viel ganz behutsamer vor und löst die Goldstrukturen vorsichtig aus dem Gestein. So zeigen die in München ausgestellten Neufunde wunderbar filigrane Strukturen mit bäumähnlichen Verästelungen, die im Trägermineral zu schwimmen scheinen.
Die Alpen waren bis zum Beginn der Neuzeit die wichtigste Goldquelle Europas. Ob es sich um keltische Totenmasken, gallische Schmuckspangen oder römische Münzen handelte – immer war Gold die Basis für Schmuck und Prunkobjekte und entschied oft genug über Krieg und Frieden. Den ersten Goldrausch gab es schon vor zwei- bis dreitausend Jahren, als man feststellte, dass sich das Edelmetall einfach aus dem Wasser der Alpenflüsse oder dem zu Flusssand zermahlenen Felsen herauswaschen ließ. So war es ohne große technische Hilfsmittel jedem möglich, sein Glück zu versuchen. Auf größere Ausbeute konnte man allerdings hoffen, wenn man mittels Sprengung und Geräteeinsatz dem Fels direkt das Gold abringen konnte.
Goldabbau im großen Stil betrieben erstmals die Römer. Gold finanzierte nicht nur den üppigen Lebensstil der Oberklasse, es war auch das Motiv für die Unterwerfung und Versklavung ganzer Volksstämme, die in goldreichen Gegenden siedelten. Der römische Schriftsteller Plinius berichtet, dass römische Bergwerksbesitzer im italienischen Piemont aus Furcht vor Aufständen in ihren Minen maximal 5000 Sklaven beschäftigen durften. Die Bedeutung der Alpen als Fundstätte für Gold in der Römerzeit verdeutlicht auch ein Fund am Magdalensberg in Kärnten. Dort entdeckte man 1993 zwei Marmorblöcke mit rautenförmigen Vertiefungen. Die noch immer anhaftenden winzigen Goldteilchen bewiesen, dass die Blöcke als Gussformen für Gold aus der Tauernregion verwendet wurden. Auf diese Weise wurden Goldbarren von 14,5 und 5,6 Kilogramm Gewicht hergestellt, die anschließend den Weg nach Rom antraten.
Die Münchner Mineralientage sind am Freitag, 31. Oktober nur für Fachbesucher, am Samstag und Sonntag 1./2. November von 9 bis 19 Uhr allgemein zugänglich. Ab 15 Uhr gelten ermäßigte Nachmittagskarten.

Julius Bittmann



42/2008