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Jahrgang 2015 Nummer 33

Mariä Himmelfahrt

Der große Frauentag mit Kräuterweihen

Eine Frau trägt einen großen, aus heimischen Kräutern gebundenen Strauß zur Weihe in die Kirche.
Ansicht eines in Biedermeierform kunstvoll aus heimischen Kräutern gebundenen Straußes.

Die Kräuterweihe steht im Zentrum der Feierlichkeiten zum Fest »Mariä Himmelfahrt« am 15. August. Sie ist schon in einer schwäbischen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert über das »Altaugsburgische Festjahr« dokumentiert. Dort heißt es: »Da tregt alle Welt Obs, Büchel, Kleinallerlei und Kreuter in die Kirchen zu weihen für alle sucht und plag.« In Schwaben heißen die Kräuterbuschen »d'Sangen«, in deren Mitte die Königs- oder Himmelskerze prangt. Ursprünglich gehörten 77 Kräuter zu den Heilung bringenden Kräuterbuschen, die bis heute in den Kirchen geweiht werden.

Inzwischen gibt es die 77 verschiedenen Kräutersorten vermutlich nicht mehr. Deshalb werden jetzt in der Regel sieben Kräuterpflanzen zu Buschen gebunden, darunter Beifuß, Schafgarbe, Thymian, das Johannisund Eisenkraut, Liebstöckl und Baldrian. Die geweihten Kräuter wurden früher als Hausmedizin eingesetzt. Auf Bauernhöfen wurden kranken Tieren gesegnete Blätter ins Futter gemischt, mit Weihwasser besprengte Büschel im Dachboden gegen Blitzschlag aufgehängt.

Diese kirchliche Tradition war früher ein Teil der Volksmedizin mit Kenntnissen über die Wirkung von Heilpflanzen. Dazu mischte sich aber auch viel Aberglaube. So steht in alten Schriften, das vor Tagesanbruch gepflückte Frauendreißiger- Kraut schütze gegen jeglichen Zauber, die Wegwarte müsse bei Vollmond gepflückt werden. In einem Säckchen drei Tage auf dem Rücken getragen, helfe sie gegen böses Fieber. Viele Gläubige bringen neben den Kräutern auch gebundene Getreideähren, Haselnusszweige oder Gartenkräuter zur Weihe, die dann ihren Platz in den Herrgottswinkeln der Stuben finden.

Das katholische Kirchenfest geht bis in das 7. Jahrhundert zurück. Es wurde in Deutschland im Jahr 813 eingeführt und bekam seine bis heute große Bedeutung durch das päpstliche Dogma von 1950, wonach die Gottesmutter mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sein soll. Dieser »unverrückbare Glaubenssatz« ist am 15. August Anlass für zahlreiche Wallfahrten mit malerischen Lichterprozessionen.

Mit dem Marienfest begann früher auf dem Land der sogenannte Frauendreißiger. Diese Zeit der besonderen Marienverehrung dauerte bis zum 8. September, dem Tag der Geburt der Gottesmutter. In den Morgenstunden wurden täglich Rosenkränze gebetet, streng Gläubige fasteten sogar. Eine alte Bauernweisheit sagt, dass in diesen Tagen gelegte Hühnereier besonders haltbar zum Einlegen sind. Mit Mariä Himmelfahrt geht der Hochsommer und die sommerliche Blütezeit zu Ende.


33/2015