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Jahrgang 2016 Nummer 27

Maria Heimsuchung

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Der heilige Erzengel Gabriel brachte der seligsten Jungfrau Maria die Botschaft, dass sie zur Mutter des eingeborenen Sohnes Gottes ausersehen sei. Zum Beweise, dass Gott nichts unmöglich wäre, teilte er ihr mit, ihre Base Elisabeth habe ungeachtet ihres hohen Alters einen Sohn empfangen. Die Kunde von dem Glücke ihrer Base bewog Maria, von Nazareth eilends über das Gebirge zu ihr nach Hebron zu reisen und ihr Glück zu wünschen. Sie trat in das Haus des Priesters Zacharias und grüßte Elisabeth. Als diese den Gruß vernommen, wurde sie vom heiligen Geiste erfüllt und rief aus: »Du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Woher kommt mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? ... Glückselig bist du, die du geglaubt hast; denn es wird erfüllt werden, was dir gesagt worden ist von dem Herrn«. Als die seligste Jungfrau jene Worte vernommen hatte, erkannte sie, dass ihrer Base die Menschwerdung des göttlichen Heilandes durch Erleuchtung Gottes mitgeteilt worden sei. Sie bezog alle ihre Ehre auf Gott den Herrn und drückte die Gefühle ihres Glückes, ihres Dankes und ihrer Lobpreisung Gottes, vom heiligen Geiste angeleitet, in dem herrlichen Magnifikat aus: »Hochpreiset meine Seele den Herrn«: ... Maria blieb drei Monate bei ihrer Base und leistete ihr alle geeigneten Dienste. O wie rein waren jene Gespräche und Unterhaltungen! Maria kehrte nach Nazareth zurück. Das Fest »Maria Heimsuchung« führte zuerst der heilige Bonaventura im Franziskanerorden ein. Papst Urban VI. ordnete es in der ganzen Kirche 1389 an; aber erst durch das Konzil von Basel kam es 1441 zur Geltung. Hiefür wurde der zweite Juli bestimmt.

Lehre. Das Grüßen ist ein Zeichen der Ehrerbietung und Freundschaft. Die Besuche sollen nach dem Beispiele der Mutter Gottes vorgenommen werden. Man soll sich dabei teilnehmend um Freud und Leid erkundigen, jedoch alle sündhafte Neugierde und allen Vorwitz vermeiden und sich besonders vor Klatschereien, Ehrabschneidung, Verleumdung und Ohrenbläserei hüten.

Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! verleihe deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligsten Jungfrau der Anfang des Heiles geworden ist, die andächtige Feier ihrer Heimsuchung Vermehrung des Friedens gewähren möge. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

27/2016