weather-image
-1°
Jahrgang 2009 Nummer 17

Maibaum - Maitanz - Maibock - Maiandacht

Brauchtum im Wonnemonat Mai – Vom Maibaum aufstellen bis zur ersten Maiandacht

Zum Maibaumaufstellen gab's Maibock, danach ging's zum Maitanz, weshalb für die erste Maiandacht keine Zeit mehr blieb. Seit Jahrhunderten ist der Beginn des »Wonnemonats« in Bayern mit allerlei Brauchtum verbunden.

»Der Maien, vorzugsweise eine geschälte Fichte oder Tanne, wird durch gemeinschaftliches Zutun des lebenslustigen Teiles eines Dorfes gesteckt«, schrieb Johann Andreas Schmeller 1827 in seinem bayerischen Wörterbuch. Nach Auffassung von Stefan Hirsch, dem Bezirksheimatpfleger von Oberbayern, war das Aufstellen eines Maibaums schon immer ein Fruchtbarkeitsritual. In manchen Regionen dominieren weiß-blau bemalte Bäume, andernorts bleibt der Stamm roh.

Auch für die Polizei ist die Nacht zum 1. Mai meist eine besondere Nacht. Immer wieder wurde der Gaudi in der »Freinacht« auch diesmal übertrieben. Allein im Raum Fürstenfeldbruck mussten die Beamten 129 Mal ausrücken. Bei nur 20 Einsätzen konnten die Beamten ein Auge zudrücken. In 21 Fällen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. In Gröbenzell zündeten Jugendliche eine Hecke an, schleppten eine Parkbank auf die Straße und zerschlugen Falschen.

In Garmisch und Polling wurden Autos und Anhänger auf die Straße gestellt, in Peißenberg ein ganzer Straßenzug mit Müll bedeckt. Vor die Polizeidirektion Holzkirchen stellten Unbekannte zwei Fußballtore und Mülltonnen. In Otterfing stellten Übermütige 100 Einkaufswagen unter den Maibaum. In München ging es in der »Freinacht« mit rund 150 Einsätzen ruhiger zu als im vergangenen Jahr: Damals mussten die Beamten dreimal so oft ausrücken, um nach dem rechten zu sehen.

Im Ortsteil Ried der oberbayerischen Gemeinde Kochel am See hielten sich die Maibaumburschen aber auch dieses Jahr wieder an die alte Tradition. In aller Herrgottsfrühe des 1. Mai liefen sie in den Wald, um den Baum frisch zu schlagen. Noch an Ort und Stelle wurde er entrindet und danach ins Dorf gebracht, wo Hobeln und Waschen des Stammes anstand. Mädchen umwanden ihn danach mit einer durchgehenden Fichten-Girlande, dem »Haseltanz«. An die Spitze kam zuletzt noch ein handgefertigter Gockel - dann begann die schweißtreibende Arbeit des Aufstellens.

Für die meisten Burschenvereine ist es Ehrensache, den Maibaum mit der Hände Kraft aufzurichten. Mit einer speziellen Hebetechnik wird das »Brauchtumsstangerl« aus der Waagrechten Stück für Stück in die Senkrechte gebracht, bis es kerzengerade in der Verankerung steht. Mit kräftigem Beifall der Zuschauer und oft unter Blasmusikklängen wird der Erfolg gefeiert.

Danach wartet im Wirtshaus schon der Maibock, ein süffiges Starkbier mit durchschnittlich 18 Prozent Stammwürze. Prominentester Zuschauer einer solchen Feier war heuer Landwirtschaftsminister Reinhold Bocklet (CSU) im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten. Deutschlands luftigster Maibaum steht in 3 000 Metern Höhe auf der Zugspitze. Er wurde jedoch erst vor zwei Jahren ausgewechselt, so dass dieses Mal keine Feier anstand.

Bevor die Maibäume am Freitag aufgestellt werden konnten, waren sie vielerorts erst einmal verschwunden. Denn so alt wie das Maibaumaufstellen ist das Maibaumstehlen. Zahlreiche Burschen aus dem Nachbardorf pirschten sich auch dieses Jahr wieder auf leisen Sohlen an die überwiegend im Freien gelagerten Bäume heran und schafften es trotz noch so guter Bewachung, das Fruchtbarkeitssymbol kurz vor dem 1. Mai zu stehlen. Mit viel Bier, einigen Flaschen Schnaps und einer deftigen Brotzeit mussten die »Opfer« ihren Maibaum auslösen.

Nur das Freilichtmuseum Glentleiten bekam einen Maibaum ohne Gegenleistung: Forstminister Rainhold Bocklet (CSU) stiftete dem Museum einen 36 Meter hohen Maibaum aus dem Staatswald des Forstamtes Bad Tölz.

Üblicherweise wird ein Maibaum nach etwa fünf Jahren durch einen neuen ersetzt. Vorschriften oder gar ein Gesetz gibt es dafür aber nicht. Ein Sprecher des Innenministeriums verwies auf die Generalklausel im bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetz, wonach Kommunen Maßnahmen ergreifen müssen, um Gefahren für ihre Bürger abzuwenden. Der Ministeriumssprecher: »Wir haben noch nie ein Rundschreiben zum Aufstellen von Maibäumen verschickt.«

Der Maitanz beim Dorfwirt beschließt nach altem Brauch am Abend den Feiertag, so dass für die erste Maiandacht - oft auch vor Marienkapellen im Freien gefeiert - keine Zeit mehr blieb. Die Marienverehrung im Mai ist schon im Mittelalter als sogenanntes »Maigebet« bezeugt und oft mit der Bitte um gutes Wetter verbunden. Die Marienaltäre vieler Kirchen sind im Mai blumenübersät. In den Wallfahrtsorten - besonders in Altötting - wächst die Zahl der Pilger, die oft mehrere Tage zu Fuß unterwegs sind.



17/2009