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Jahrgang 2004 Nummer 37

Kufstein seit 500 Jahren nicht mehr in Bayern

Im Zuge des bayrischen Erbfolgekrieges fiel es an Tirol – Großes Jubiläumsfest am 12. September

Die Belagerung der Festung Kufstein brachte am Ende den Erfolg für Kaiser Maximilian I. und für Tirol.

Die Belagerung der Festung Kufstein brachte am Ende den Erfolg für Kaiser Maximilian I. und für Tirol.
Im Zuge des Bayerischen Erbfolgekrieges konnte Kaiser Maximilian I. im Jahr 1504 Kufstein für Tirol gewinnen.

Im Zuge des Bayerischen Erbfolgekrieges konnte Kaiser Maximilian I. im Jahr 1504 Kufstein für Tirol gewinnen.
Kufstein war schon immer in Grenzstreitigkeiten zwischen Bayern, Tirol, Habsburg und Österreich verwickelt, was aber der Stadt auch viel Nutzen als Grenzposten brachte. Bis zum Jahre 1504 galt Kufstein als fester Bestandteil Bayerns. Im Zuge des bayrischen Erbfolgekrieges konnte Kaiser Maximilian I. die Gerichtsbezirke Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg für Tirol gewinnen. Somit wurde die Festung Kufstein als Grenzstadt zu Bayern ausgebaut. Der damals errichtete und noch heute weithin sichtbare Kaiserturm der Festung Kufstein gilt als Symbol dieses Jubiläums.

Den 12. September 2004 haben die rund 16 000 Kufsteinerinnen und Kufsteiner als Festtag in ihren Terminkalendern vermerkt. An diesem Sonntag feiert die Festungsstadt in großem Stile ihre 500jährige Zugehörigkeit zu Tirol. Das Besondere daran: Die ehemals verfeindeten Tiroler und Bayern zelebrieren das Jubiläum gemeinsam ...

Historische Hintergründe zum Jubiläum: Die Belagerung von Kufstein

Gegen Jahresende 1503 starb Herzog Georg »der Reiche« von Bayern-Landshut. Nach wittelsbachischem Hausgesetz sollte Herzog Albrecht von Bayern-München sein Nachfolger werden. In seinem geheimen Testament hatte Georg jedoch seine Tochter Elisabeth und deren Gemahl, Pfalzgraf Ruprecht, zu alleinigen Erben bestimmt. Maximilian trat für Albrecht ein, Ruprecht wählte die militärische Lösung. Der nun folgende »Bayerische Krieg« brachte bisher unvorstellbare Schrecken und Verwüstungen.

Maximilian beschloss die Eroberung von Kufstein, um von dort aus die pfälzischen Stellungen aufzurollen. Schon Ende Juni 1504 hatte er den Schlosshauptmann Hans von Pienzenau zur Übergabe von Kufstein bewogen, sich auf dessen Treueeid verlassend, Stadt und Festung mit reichlich Geschütz und Munition versorgt. Als sich eine pfälzische Truppe von Wasserburg her näherte, übergab der Pienzenauer am 13. August Kufstein ohne Widerstand.

Der erzürnte König traf am 30. September vor der Stadt ein. Seit Ende August war die Belagerung durch die Innsbrucker Regierung vorbereitet worden; rund 9000 Mann standen nun Maximilian zur Verfügung. Im Gegensatz zur Festung selbst mit ihren dicken Mauern und der Geschützbestückung waren die Stadtmauern, vor allem die sogenannten Wasserbasteien am Inn, ein Schwachpunkt, auf den der kriegserfahrene Maximilian sofort sein Kanonenfeuer richtete. Am 4. Oktober forderte er die Stadt, in der etwa 300 bis 400 meist böhmische Söldner lagen, zur Übergabe auf. Pienzenauer lehnte ab. Die gewaltige Kanonade am 6. Oktober zeigte wenig Wirkung. Zum Spott, so besagt die Legende, habe der übermütige Schlosshauptmann mit einem Besen die Mauern abkehren lassen. Hier begegnet einem die uralte Wandersage von Irreführung und Verhöhnung in neuem, der modernen Kriegstechnik angepassten Gewand. Mehr Erfolg hatte der Beschuss der Wasserbastei. Am 12. Oktober musste die Stadt kapitulieren, die böhmische Besatzung erhielt freien Abzug. Auf der Festung aber dachte Hans von Pienzenau nicht an Übergabe, im Gegenteil: Einen kurzen Waffenstillstand nützte er zur Verstärkung, wohl immer noch in der Hoffnung auf ein pfälzisches Entsatzheer. Als er gar weitere vier Wochen Frist für die Übergabe forderte, fühlte sich Maximilian abermals hinterlistig getäuscht.

Auf Flößen war inzwischen aus dem Innsbrucker Zeughaus schweres Geschütz herangeführt worden: die türkische Kaiserin, die Burgunderin, der greuliche Löwe, die schöne Kathl, die Erdbidmerin, der Purlepaus und der Weckauf. Am 13. Oktober begann dann die Kanonade von allen Seiten, am 16. Oktober lag die Festung in Trümmern. Das Übergangsangebot mit freiem Abzug wies Maximilian zurück.

Zur endgültigen Erstürmung kam es nicht mehr. Beim Fluchtversuch wurde Pienzenauer mit seinen Kampfgenossen gefangen genommen. Vor angetretener Truppe wurden der Reihe nach Pienzenauer und 17 seiner Hauptleute und Büchsenmeister geköpft. Am Ende des Bayerischen Krieges erhielt er die Gerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg. Tirol erreichte damit seine endgültige Nordostgrenze. Auf die Eroberung von Kufstein war Maximilian zeit seines Lebens stolz.

Die Kriegsereignisse 1504 und ihre Auswirkungen für die Burg Kufstein

Um 1500 ernannte Herzog Georg der Reiche von Landshut Hans von Pienzenau zum Pfleger und Schlosshauptmann von Kufstein. Am 7. Juli 1485 schlossen Herzog Georg der Reiche und sein Vetter Herzog Albrecht IV. von Oberbayern einen Vertrag, worin sie sich für den Fall eines kinderlosen Todes gegenseitig zu Erben einsetzten. Georgs Hoffnung auf den Gewinn von Oberbayern wurde aber arg enttäuscht, als sich Albrecht 1487 mit der Tochter Friedrichs III., Kunigunde von Österreich, vermählte. Sie gebar 1496 den Erbprinzen Wilhelm. Georg verschrieb seinerseits seiner Tochter Elisabeth 1496 sein Land und seine Schätze und verheiratete sie 1499 mit Herzog Rupprecht, dem Sohn des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz.

Als Albrecht vom erst geheimgehaltenen Testament erfuhr, erwirkte er von Maximilian I. 1497 eine Urkunde, welche das Testament Georgs für kraftlos erklärte. Auf beiden Seiten rüstete man schon zum Krieg, und Georg versucht seinen Schwiegersohn Rupprecht als Erben einzusetzen. Mitten in diesen Bestrebungen starb Georg am 1. Dezember 1503, und um sein Erbe kam es zum Landshuter Erbfolgekrieg, der auch über das Schicksal von Kufstein entscheiden sollte.

Maximilian siegte damals unter tapferstem persönlichen Einsatz und eroberte Kufstein, das 1505, im Reichstag zu Köln, endgültig Österreich zugesprochen wurde, mit Hilfe der schweren Artillerie. Für ihre Ausrüstung hatte er viel Sorge und Geld verwendet.

Bei der Beschießung Kufsteins 1504, bei welcher die Artillerie Maximilians I. auch eiserne Vollkugeln aus schweren Geschützkalibern in Anwendung gebracht hatte, wurden nicht nur die Stadtmauer, sondern auch einige Befestigungstürme innerhalb weniger Tage vollkommen zerstört. Dies hat deutlich bewiesen, dass die bisherige mittelalterliche Fortifikation auch im Fall Kufstein nicht mehr widerstandsfähig war.

Ihren Anfang nahmen die Um- bzw. Neubauten zum Teil noch zu Lebzeiten Maximilians, die ganz im Sinne des modernen Rondellwehrsystems wieder aufgebaut und erweitert wurden. Die Befestigungsanlagen wurden den Anforderungen der Schusswaffentechnik gemäß auf das Vorgelände ausgedehnt und die Wehrmauern mit Rundtürmen für die wichtige Seitenbestreichung versehen.

Der bedeutendste der maximilianischen Bauten ist jedoch der Kaiserturm, kein mittelalterlicher Bergfried mehr, sondern ein Batterieturm neuesten Typs, wie ihn die europäischen Kriege der Jahrhundertwende herausbrachten. Mit diesem Turm wurde die Burg zur Festung.

Auf der höchsten Felskuppe gelegen, sollte er die gesamte Anlage beherrschen. Die baulichen Maßnahmen wurden dem kaiserlichen Hofbaumeister Michael Zeller anvertraut. Im »Anschlag, so Kay. Mt. gethan, wie das Sloss gar erpaut sol werden«, (ohne Datum) heißt es, »Die hoch Giblmauer von xvi Werchschuch dickhe zu machen, wie vor der Anslag ist gewesen und ausserhalb der Maur den hochen Kofl abzustufen und daselbs hinten am Egg ein gewaltigen Turn oder Pastey zu machen, (...).«

In einem Schreiben Maximilians I. vom 1. Januar 1517 heißt es, »es ist vormals durch uns ein Bau am Schloss Kufstein zu machen verordnet, nämlich ein Thurn, genannt der Kaiser.«

Die von 1518 bis 1522 andauernden Bauten am Kaiserturm wurden unter der Regierung Ferdinands I. gewissermaßen als Schlussstein der von Maximilian I. entworfener Erweiterung der Festung zu Ende geführt. Mit der Erbauung dieses Turmes zeigte sich deutlich Maximilians fortschrittliches Kriegskonzept und schöpferisches Interesse an der Artillerie, den er nach eigenen Vorstellungen bauen ließ, dessen Fertigstellung er aber nicht mehr erlebte. Maximilian hatte die Absicht, dem gegenüberliegenden höheren Zellerberg, auf dem Angriffsbatterien standen, ein besonders starkes Bollwerk entgegenzustellen, welches in der Lage sein sollte, nach allen Seiten hin zu wirken und zugleich als Zuflucht für die Schlossbesatzung, sowie als Hauptmagazin für den Kriegsbedarf dienen sollte. Der Turm springt weit nach Osten, über die ursprüngliche Wehrmauer, vor. Seine Grundrissform ist kreisrund und seine Mauerdicke beträgt rund 4 bis 7,5 Meter. Die Mauern sind aus felsenharten Quadern zusammengefügt, der innere Durchmesser beträgt etwa 21 Meter. Der Turm bestand ursprünglich aus drei Stockwerken, den »Unter-, Mitter- und Oberpoden«.

Alle drei Etagen waren damals durch starke hölzerne Fußböden und zum Teil durch mächtige Gewölbemauern voneinander geschieden. Durch die Hauptmauer führte eine Treppe hinauf, die einst die Kommunikation zwischen den einzelnen, mit Kanonenscharten zur Geschützverteidigung versehenen Stockwerken regeln sollte. Später wurden die Etagen, jede für sich, abgeschlossen. Auf den Oberboden war ein hölzernes Spitzdach aufgesetzt, in dem sich noch eine kleine Wächterstube befand.

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgten weitere Ausbauten und Erweiterungen der Festung. Neben der Burg, die mit weiteren Türmen, wie dem Bürgerturm und dem Fuchsturm, und Werken, dem oberen und unteren Pfauenschwanz, versehen wurde, veränderte man im 16. Jahrhundert auch die Stadtbefestigung. Militärgeschichtlich spricht man dabei vom System bastionierten Fronten. An den besonders exponierten Punkten schoben sich wie geballte Fäuste starke Basteien aus der Mauerfront. Zu den Befestigungsanlagen von Kufstein zählen außer der Festung noch zahlreiche Vorwerke. Im Sinne des Landesverteidigungskonzeptes Kaiser Maximilians I. - er stützte sich dabei vor allem auf die Grenzfestungen und das Landesaufgebot - wurden neben der Stadt, der ganze Talkessel als Landesbefestigung mit Wällen, Schanzen und Bastionen ausgestaltet. Diese Anlagen reichten über die gesamte Talbreite.



37/2004