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Jahrgang 2010 Nummer 34

Kreuzeinweihungen auf den Grassauer und Rottauer Bergen

Örtliche Vereine und Einheimische stellten die Kreuze auf

Kreuzeinweihung auf der Hochplatte am 30. August 1931.

Kreuzeinweihung auf der Hochplatte am 30. August 1931.
Nach vielen beschwerlichen Vorarbeiten konnte am 12. Juni das große, massive Gipfelkreuz auf dem Friedenrath erichtet werden.

Nach vielen beschwerlichen Vorarbeiten konnte am 12. Juni das große, massive Gipfelkreuz auf dem Friedenrath erichtet werden.
Gedererwand, 1935

Gedererwand, 1935
Vor fast 80 Jahren wurden auf einigen Gipfeln der Grassauer und Rottauer Berge durch örtliche Vereine oder bergbegeisterte Bewohner Gipfelkreuze errichtet und dann auch geweiht.

Das Kreuz auf der Hochplatte

Auf der Hochplatte stand bereits ein kleineres Gipfelkreuz. 1931 beschloss der seit einem Jahr bestehende katholische Gesellenverein dieses durch ein großes weithin sichtbares Kreuz zu ersetzen. Die Weihe sollte in einer großen Feier unter zahlreicher Teilnahme der Bewohner Grassaus und des Achentals erfolgen.

Dazu schrieb der Verein in den Achentaler Nachrichten am 22. August 1931: "Der heimatliche Berg der Grassauer ist bekanntlich die Hochplatte. Der heimatliche Gruß auf deren Matten ist der schneidige Jodler unserer lieben Sennerinnen, die gar manchen Wanderer das Herz erfreut und die Schönheit der Bergnatur zu jubelfrohen Sprachen werden lässt. Der heimatliche Gruß vom Gipfel dieses Berges aber ist das Kreuz, das uns von der unendlichen Liebe Gottes erzählen soll. Klein und unscheinbar war das bisherige Zeichen dieser Erlöserliebe; nun hat sich der kath. Gesellenverein Grassau – Achental daran gemacht, ein wuchtigeres Abbild der Liebe des Gekreuzigten auf den Gipfel zu setzen, um dasselbe zum feierlichen und lebendigen Gruß dem Bergsteiger und dem Wanderer im Tal werden zu lassen.
Am Sonntag, den 30. August wird das neue Kreuz in Verbindung mit dem hlg. Messopfer, begleitet vom Männergesang seinem ehrwürdigen Zwecke, der Verehrung übergeben und eingeweiht. Es ergeht hiermit die freundliche Einladung zur Beteiligung an der Einweihung des Kreuzes an die Angehörigen der Pfarrei Grassau und Umgebung sowie an alle Bergliebhaber aus der Ferne.
Die Vorstandschaft des katholischen Gesellenvereins Grassau."

Obwohl an den Tagen vorher das Wetter nicht sehr einladend war, konnte die Feier bei relativ schönem Wetter unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung stattfinden. Schon am Abend vorher, Samstag, dem 29. August 1931, kündete ein Bergfeuer in Form eines Kreuzes von den anstehenden Feierlichkeiten am Sonntag.

Am 2. September 1931 schrieben dazu die Achentaler Nachrichten: "Das feurige Kreuz, das am vergangenen Samstag mit Einbruch der Dunkelheit sich am östlichen steilen Abhang der Hochplatte zeigte, kündete für das Achental eine seltene Feier. Schon das Zeichen des Kreuzes, das Mitglieder des kath. Gesellenvereins Grassau unter großer Mühe in sehr schöner Form dort oben, gleichsam als Feuerwerk zum Abbrennen brachten, zeigte, dass ein Fest folgen wird von seltener Art. Der Sonntagmorgen, eingehüllt in dichtem Nebel, was trotzdem aber einen schönen Tag vermuten ließ, brachte Leben auf allen Wegen, die zur Spitze der Hochplatte führten. Kaum 100 Meter über dem Tal zeigte sich klarer Sonnenschein und das Tal selbst war ein Nebelmeer, wie solches in Schönheit sehr selten zu sehen ist. Die Höhe bietet eine ausgezeichnete Sicht und je höher man kam desto schöner zeigten sich die Berggipfel dem Beschauer. Von den Ostalpen herüber zum Großglockner, Venediger, Karwendel und Wendelsteingebiet bildete sich ein Kranz, der in weitem Bogen den Festplatz, die Hochplattenspitze, einsäumte. Immer noch lag das Tal in dichtem Nebel und nur zeitenweis öffnete sich der weiße Vorhang, den Ortschaften einen kurzen Blick in die Höhe gewährend, auf der ca. 300 Menschen sich gesammelt, die nur mehr das neue Kreuz im festlichen Schmuck überragte. Mancher Schweißtropfe benetzte die steinernen Stufen, die zur letzten Höhe führten, umso freudiger waren die Gesichter bei Ankunft auf dem Gipfel. Bald zeigte die Uhr 10 Uhr und Böllerschüsse verkündeten den Beginn der Kreuzeinweihung. In tiefergriffenen Worten sprach H.H. Kooperator Springer über die Bedeutung des Kreuzes an höchster Stelle eines Berges, das den Frieden nicht blos in dieser Höhe sondern auch in das Tal hinunter grüßen will. Andächtig folgten die Anwesenden der Kreuzeinweihung und der heiligen Messe bei der der Kirchenchor Grassau unter Leitung des Herrn Lehrer Schmuck ein Festmesse sang, die hinausklang in die sonnengetauchte Umgebung des Berggipfels. Dem folgte das Lied von Kolping und eine Ansprache des Vorstandes des Kath. Gesellenvereins Traunstein, womit die Feier ihr Ende nahm. Noch lange umsäumte das neugeweihte Kreuz fest= und freudig gestimmte Menschen bis allmählich dem Winke der unten liegenden Almen folgend der Platz sich leerte. Es ist schwer, Worte zu finden über die Erhabenheit der vergangenen Stunde, doch das eine ist sicher, glücklich fühlten sich die Menschen, die dort oben diese Stunde mitgemacht. In frischen Jodlern, die hinüberklangen zu den Nachbarsbergen schlängelten sich Reihen zu den Kasern, wo ein kurzer Aufenthalt noch einmal Bergesfreude aufleben ließ. Durchziehende Nebelwolken gaben das Zeichen zum Abstieg und mancher Jodler galt noch als Abschiedsgruß. Zeitlebens wird dieser Tag, den der Wettergott inmitten der langen Regenperiode so gnädig sein ließ, in allen Herzen als schönste Erinnerung bleiben mit einem Dankgefühl, das dem kath. Gesellenverein Grassau mit seinem unermüdlichen Präses gelten soll."

Noch nicht einmal ein Jahr später berichtete die örtliche Zeitung am 5. Juli 1932 von einem 'Bergfrevel' am neu errichteten Kreuz: "(Bergfrevel) Wie uns aus Bergsteigerkreisen berichtet wird, wurde das neue vom kath. Gesellenverein Grassau auf der Hochplatte aufgestellte Bergkreuz von bis jetzt unbekannten Tätern in rohester Weise beschädigt. Die in den Kreuzbalken eingeschnitzte Figur des Vaters Kolping wurde durch Messerschnitte und andere Beschädigungen bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Besonders bedauerlich ist es auch, dass politische Parteiabzeichen auf dem Kreuzbalken eingekratzt wurden. Bergsteiger, die die Verunstaltungen bemerkten, haben nach Möglichkeit die Schäden wieder einiger Maßen behoben. Eine gesunde richtige Tracht Prügel wäre den Übeltätern wohl zu gönnen, denen nicht einmal die Bergwelt hehr genug ist, ihre Schmierfinkereien zu unterlassen."

Nach den erforderlichen Reparaturen konnte dann im September vormittags ungestört ein Berggottesdienst mit Musik und Chor stattfinden.

Gipfelkreuz auf dem Friedenrath

Im Juni 1932 machten sich die Grassauer Bergfreunde Hias Hörterer, Karl Häfner, Willi Koch und Lenz Lampersberger aus Oberhochstätt auf den Weg, um auf dem Felsgipfel des Friedenrath, einem der schönsten Aussichtspunkte am Ausgang des Achentals ein Gipfelkreuz zu errichten.

Nach vielen beschwerlichen Vorarbeiten, dem Transport und dem Bau des Fundaments, konnte am 12. Juni das große, massive Gipfelkreuz errichtet werden. Es hat eine Höhe von 4 m und ist mittels Schienen und Spannseilen fest im Fels verankert. Ein neu angelegtes Gipfelbuch wurde in einer Kassette wurde am Fuße des Kreuzes platziert. Die Einweihung musste mehrmals wegen schlechten Wetters verschoben werden. Ursprünglich war sie am 24. Juli nach dem Berggottesdienst am Hochplattengipfel geplant und wurde dann bis in den September verlegt.

Von der offiziellen Einweihung berichteten am 24. September 1932 die Achentaler Nachrichten: "Schon vor mehreren Wochen hatte Herr Mathias Hörterer jun. mit noch einigen seiner Bergfreunde unter schwieriger Arbeit ein großes schönes Kreuz auf dem Friedenrath aufgestellt. Vergangenen Sonntag fand die Einweihung desselben statt. Viele Naturfreunde machten sich auf die Beine, um der schönen heiligen, ehrenden Sache beizuwohnen. Manche Schweißtropfen kostete es, bis man sich dem gewaltigen Felsen des Friedenrathes genähert hatte. Herrlich steht auf dem romantisch zackigen Gestein ein großes Kreuz, bekränzt von Berglatschen und Alpenblumen. Still grüßt es über die steilen Felswände und Bergeschluchten zu dem Tale herunter. Während H.H. Kooperator Springer mit der Kreuzeinweihung beginnt wurde alles stille und verharrte in Andacht. Eine kleine Bergpredigt hielt der Geistliche. Er legte in seinen Worten die Bedeutung des Kreuzes und den hohen heiligen Wer der idealen Sache dar. Nun segnete er das Kreuz, und mit mehreren Gebeten nahm die gottesehrende Feier ihr Ende. Langsam gings von dem Felsen herunter und unter froher Stimmung gings durch Latschen und Wald bei herrlichem Wetter wieder zur Grassauer=Moritz Alm. Hier war die Schaar noch ziemlich groß. Herr Michael Moritz bewirtete die hungrigen und durstigen Seelen mit Milch und Butter. Seinen letzten Rest holte er aus dem Keller. So verging Stunde um Stunde und langsam machte sich alles auf den Heimweg. Jedem wird aber der schöne Bergausflug mit der Kreuzeinweihung auf dem Friedenrath in Erinnerung bleiben."

Um 1950 wurde das schon stark verwitterte Gipfelkreuz durch einen Blitzschlag fast völlig zerstört. So entschloss sich die Bergwachtbereitschaft Grassau 1953 ein neues Kreuz aufzustellen. Über die feierliche Einweihung am 20. September 1953 mit anschließender Schau-Übung berichtete am 23. September der Südostkurier:
»Bergkreuzweihe auf dem Friedenrath
Vor Jahrzehnten haben Grassauer Bergfreunde auf dem Friedenrath, einem bewaldeten, von einem steil abfallenden Felsklotz überragten Bergkegel ein Holzkreuz errichtet. Im Laufe der Zeit hat dieses unter dem Einfluß der Witterung Schaden gelitten und wurde vor einigen Jahren durch einen Blitzschlag zerstört. Die Bergwachtbereitschaft Grassau hat sich nun zusammengetan, einen vom Forstamt gestifteten Baum gefällt und zu Tal gebracht, um in Piesenhausen die Kreuzbalken schneiden zu lassen. Zehn Mann waren es, die die über vier Zentner schwere Last auf den Schultern wieder zu Berg beförderten und auf dem 1432 m hohen Gipfel des Friedenraths das neue Kreuz errichteten, das seit dem Fronleichnamsfest 1953 ins Tal schaut.
Wiederholt musste wegen schlechter Witterung die Kreuzeinweihung verschoben werden, bis es am vergangenen Sonntag endlich so weit war. Zwar schien das Wetter auch diesmal wieder wenig günstig, aber bis die vielen eifrigen Berggeher, unter ihnen manch Alter, dem man eine solche Tour nicht mehr zugetraut hätte, den Gipfel erreichten, klarte es auf und so wurde die Bergmesse, von Pfarrer Hausladen zelebriert und vom Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Zimmermann mit den Gesängen der Bauernmesse umrahmt, zu einem religiösen Erlebnis. In seiner Ansprache dankte der Ortsgeistliche für die Einladung zum Weiheakt, der er gerne gefolgt sei, und bekundete seine Freude darüber, dass die Bergwacht weder Opfer noch Mühe gescheut hatte, um in Wahrung der alten Tradition das Kreuz auf dem Fels zu errichten und damit ihre Bindung an den Herrgott kunzutun. Nach der Weihehandlung sprachen die Bereitschaftsleiter Horst Kroher (Staudach) und der Zweite Bürgermeister Josef Steffl allen Beteiligten ihren Dank aus.
Anschließend zeigten die Bergwachtmänner, dass sie für jeden Einsatz zur Rettung aus Bergnot bestens ausgerüstet und ausgebildet sind. Mit dem neuen, vom Präsidium des BRK zugewiesenen Stahlseilgerät wurde an der Nordseite des Felsens eine Übung im Abseilen Verletzter im Gramminger-Sitz durchgeführt, bei der mehrere Teilnehmer an der Bergfeier die Rolle der zu Rettenden spielten. Nicht weniger interessant waren die Abseilübungen auf kürzere Strecken, die am Südabsturz gezeigt wurden und bewiesen, dass die Bereitschaft in der kurzen Zeit ihres Bestehens viel gelernt hat und mit größtem Eifer bei der Sache ist. Dann trennten sich die Wege für die Teilnehmer, die einen strebten der Grassauer Hütte zu, wo man bei bester Verpflegung und Stimmung frohe Stunden verlebte, die anderen stiegen hinunter zur Moier-Alm, die der Bergwacht als Stützpunkt dient und wo die Moierbäuerin alle Hände voll zu tun hatte, um für das leibliche Wohl ihrer Gäste zu sorgen. Ob es nun ihre guten Knödel waren oder der von einem Bergwachtmann gestiftete Schweinebraten, die Bewirteten waren voll des Lobes und werden dieses Bergfest in guter Erinnerung behalten, wenn auch der eine oder andere, dem der Abschied von den Almen zu schwer fiel, vom abendlichen Gewitterregen überrascht in triefenden Kleidern seiner Talbehausung zustrebte.«

Das Kreuz am Gederer

1932 entschlossen sich auch einige Rottauer auf ihrem Hausberg, dem Gederer, ein neues Bergkreuz zu errichten. Toni Heitzmann und Andreas Maier schleppten es im Juli mit viel Mühe auf die höchste Spitze und stellten es auf. Die Familie Huber, Weiß hatte den Christus dazu gestiftet, während Felix Hilger kostenlos die Schmiedearbeiten übernommen hatte.
Zur Einweihung war ein großes Fest geplant, die H.H. Coperator Heitzmann bei seinem Urlaub in seinem Heimatort vollziehen wollte.
Nur kurz und knapp schrieben dazu am 30. Juli die Achentaler Nachrichten: »Rottau. (Kreuzeinweihung.) Auf dem Ostgipfel der Gedererwand prangt nun auch ein Kreuz, das Rottauer unter großen Schwierigkeiten dort aufgestellt haben. Am vergangenen Montag erfolgte die Einweihung durch H.H. Kooperator Heitzmann der eine große Anzahl Rottauer beiwohnten.«


Olaf Gruß



34/2010