weather-image
Jahrgang 2007 Nummer 33

Konstantin, der erste christliche Kaiser

Er erwährte den Christen freie Religionsausübung und Gleichberechtigung

Konstantin der Große – Statue am Portal des Kölner Doms.

Konstantin der Große – Statue am Portal des Kölner Doms.
Die sogen. Konstantin-Basilika in Trier war der kaiserliche Thron- und Audienzsaal.

Die sogen. Konstantin-Basilika in Trier war der kaiserliche Thron- und Audienzsaal.
Statue der Kaisermutter Helena.

Statue der Kaisermutter Helena.
Wer die Stadt Trier besucht, stößt fast auf Schritt und Tritt auf Zeugnisse der römischen Vergangenheit. Da ist die Porta Nigra, eine Wehr- und Palastanlage aus dem 2. Jahrhundert, das aus der gleichen Zeit stammende Amphitheater, die Konstantin-Basilika (heute Evangelische Kirche), die Kaiser- und die Barbarathermen und die Römerbrücke über die Mosel, von der nur noch die Pfeiler stehen. Trier wurde von den Römern gegründet und diente drei Kaisern als Residenz, zuletzt von 306 bis 312 Kaiser Konstantin dem Grossen. Die Stadt ist deshalb wie keine andere geeignet für die Rheinland-Pfälzische Landesausstellung »Konstantin der Grosse«, die bis Ende November in drei verschiedenen Trierer Museen zu sehen ist.

Konstantin, der Sohn des Kaisers Constantius Chlorus, kam im Jahre 272 im heutigen Serbien zur Welt. Seine Mutter Helena stammte aus einfachen Verhältnissen. Nach dem Tod des Vaters riefen ihn die Truppen zum Kaiser aus. Er musste sich die Macht mit drei weiteren Herrschern teilen, die jeweils für bestimmte Reichsgebiete zuständig waren und argwöhnisch miteinander rivalisierten. Konstantin kontrollierte Gallien und Britannien. In der Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom besiegte er seinen Schwager und Mitregenten Maxentius. Damit war er Kaiser der westlichen Reichshälfte. Zusammen mit Licinius, dem Kaiser des Ostens, erließ er im Jahre 313 das Toleranzedikt von Mailand und garantierte darin den Christen volle Gleichberechtigung. Zehn Jahre später schaltete er auch Licinius aus, gründete Konstantinopel (Istanbul) als neue Hauptstadt und blieb bis zu seinem Tode Alleinherrscher über das ganze römische Reich.

Konstantin markiert den Übergang von der heidnischen Antike zum christlichen Mittelalter und hat damit die Wurzeln für unser heutiges Europa gelegt. Nach der Legende sah er in der Nacht vor der Entscheidungsschlacht an der Milvischen Brücke im Traum ein Kreuz und hörte eine Stimme sprechen: »In hoc signo vinces – in diesem Zeichen wirst du siegen«! In der folgenden Nacht sei Jesus mit dem Kreuz in der Rechten vor ihn getreten und habe ihn angewiesen, das Kreuz als Schutz- und Siegeszeichen seinem Heer in der Schlacht vorantragen zu lassen. Mit der äusseren Freiheit der Kirche in Rom begann jetzt die Geschichte der kirchlichen Bauten. Den uralten Besitz des Geschlechts der Laterani schenkte Konstantin dem römischen Bischof, der darin seine Papstresidenz errichtete, über dem Petrusgrab und über dem Paulusgrab erbaute er je eine Basilika. Die Christen erfuhren eine Reihe von Vergünstigungen: Der Klerus wurde von den Steuern befreit, das Bischofsgericht staatlich anerkannt, das Asylrecht von den Tempeln auf die Kirchen übertragen, die Kirche bekam das Recht, Erbschaften anzunehmen, Sklaven konnten von ihren Herren vor der Gemeinde und dem Bischof rechtsgültig freigelassen werden.

Die Förderung der Kirche durch den Kaiser hatte jedoch auch ihre Schattenseiten. Konstantin hatte keine Bedenken, in rein kirchliche Angelegenheiten einzugreifen. Er verstand sich als geistliches Oberhaupt der Christen, nannte sich selbst »apostelgleicher Kaiser« und führte den seit Augustus mit der Kaiserwürde verbundenen Titel des Pontifex Maximus (Höchster Priester) weiter. Um die Glaubenseinheit herzustellen, berief er das Reichs-Konzil von Nizäa ein und ging gegen christliche Sondergruppen mit Versammlungsverboten, Enteignung, Verbannung und Bücherverbrennungen vor. »Mit der Verbindung von Staat und Kirche war ein Weg begonnen, der viele und schwere Probleme nach sich zog«, schreibt der Kirchenhistoriker August Schuchert.

Konstantin wird in der Ostkirche bis heute als Heiliger verehrt, ungeachtet seines in mancher Hinsicht problematischen Privatlebens – auf sein Konto geht die Ermordung von mehreren Mitgliedern seiner Familie. Den Rang eines Heiligen verleiht ihm in den Augen der Ostkirche seine epochale Bedeutung als erster christlicher Kaiser und Förderer der christlichen Religion.

Auch Konstantins Mutter Helena erhielt den Rang einer Heiligen. Ihr wird die Auffindung des wahren Kreuzes Christi zugeschrieben. Nach legendären Berichten fand sie mit ihren Begleitern bei einer Wallfahrt nach Jerusalem tief unter der Erde drei Holzkreuze. Um das echte Kreuz Christi zu identifizieren, brachte man eine kranke Frau mit den Fundstücken in Kontakt. Bei der Berührung mit dem echten Kreuz verschwand die Krankheit. Auch die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, kamen zum Vorschein. Helena ließ einen Nagel in den Helm des Kaisers, die zwei anderen in die Trense seines Pferdes einarbeiten.

Julius Bittmann


Literaturhinweis: A. Demandt und J. Engemann: Konstantin der Große, Ausstellungskatalog. Philipp von Zabern, 400 Seiten, 34,90 Euro.



33/2007