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Jahrgang 2009 Nummer 5

Kerzenweihe und Auszeit für Dienstboten

Das Fest Mariä Lichtmess markierte den Beginn des Bauernjahres

Mit Hemden, Schürzen, Schuhe, ein Zeugnis und den Lohn eines ganzen harten Arbeitsjahres im Gepäck zogen die Dienstboten am zweiten Februar ein paar Dörfer weiter, um eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Neben dem Stellenwechsel war das Datum, der Tag von Mariä Lichtmess, bis 1912 ein offizieller Kirchenfeiertag: Während sich Knechte und Mägde dem süßen Nichtstun hingaben und bei Tanz, üppigem Essen und reichlich Trinken ihren Lohn auf den Kopf hauten, weihten die katholischen Priester die Kerzen für das ganze Kirchenjahr. Für alle war der 2. Februar – wenn auch aus verschiedenen Gründen – einer der wichtigsten Termine im Jahr.

Mariä Lichtmess markierte für die Landbewohner den Beginn des Bauernjahres und war damit für Dienstboten, Knechte und Mägde der Auftakt für ein dreitägiges ausgelassenes Treiben. In diesen Tagen, Schlenklweil oder Schlenkeltage genannt, zogen Männer und Frauen durch die Wirtshäuser, besuchten Vater und Mutter und tanzten auf den Lichtmessbällen. Eine Spezialität waren die Schlenkelweilnudeln: Aus Hefeteig geformte daumendicke Nudeln, die goldbraun gebacken, überzuckert und heiß gegessen wurden. Am fünften Februar hatte der Spaß ein Ende, dann mussten die Dienstboten ihre neue Stelle antreten.

In den Schlenkeltagen kam jeder auf seine Kosten. Der Fahrer der Pferdewägen, auf denen Hab und Gut der Dienstboten von einer Arbeitsstelle zur neuen transportiert wurden, bekam ein Trinkgeld und obendrein die Zeche im Wirtshaus bezahlt. Anstatt den direkten Weg zum Ziel einzuschlagen, fuhr er deshalb auf Zickzack-Kurs über Land, um möglichst viele Wirtshäuser ansteuern zu können.

Unterdessen zelebrierte die katholische Kirche am zweiten Februar einen hohen Feiertag. Das Fest Mariä Lichtmess, das heute seine Bedeutung fast ganz verloren hat, hat den Namen von der hochfeierlichen Lichterweihe: Ganze Waschkörbe voll Kerzen für das ganze Kirchenjahr brachten die Familien in die Kirche. Taufkerze, Osterkerze oder Sterbekerze, Symbole des geistigen Lichts und der Vergänglichkeit, wurden geweiht – rote für die Frauen, weiße für die Männer. Der Brauch, Kerzen für besondere Kirchenfeste mit Marienfiguren oder Heiligenbildern zu verzieren, hat sich auf dem Land bewahrt.

Lebhafter Aberglaube über die Kraft der Kerzenlichter begleitete das Kirchliche Fest. So sollen die geweihten Lichter vor Zauberhaftem und Bösem geschützt haben. Das rote Wachs der Bäuerin sollte Unheil von Wöchnerin und Kind abhalten. Die Kerzen schützten im Volksglauben aber auch vor Feuer, Blitzschlag oder Unwetter. Noch heute gibt es die schwarze Wetterkerze, die bei aufziehendem Gewitter ins Fenster gestellt wird.

Die Kerzen konnten im Volksglauben sogar Heilkräfte entfachen: Am Blasitag, einen Tag nach Lichtmess, wurden dem Gläubigen zwei Kerzen kreuzweise vor den Hals gehalten und der Segen gesprochen, der vor Halsleiden schützen sollte. Der Heilige Blasius soll der Legende nach mit dem Kreuzzeichen einen Buben mit einer Fischgräte im Hals gerettet haben.

Mariä Lichtmess ist im Kirchenkalender auch der Tag von Mariä Reinigung. Der Legende nach musste sich Maria 40 Tage nach der Geburt Christi im Tempel zu Jerusalem einfinden, um symbolisch durch den Segen gereinigt zu werden. In Niederbayern geht die Wöchnerin deshalb erst am 40. Tag nach der Entbindung zum ersten Mal wieder in die Kirche.

Annette Jäger



5/2009