Jahrgang 2003 Nummer 8

Kaffeemühlen gibt’s seit über 250 Jahren

Einst wurden die Bohnen im Mörser zerkleinert – Heute dominiert die elektrische Kaffeemühle

Wer den Vorderen Orient oder die Wüstengebiete Nordafrikas bereist, kann beobachten, wie die Beduinen beim Zubereiten von Kaffee die Bohnen in einem kopfgroßen Mörser aus Ebenholz mit einem ebenfalls aus Holz geschnitzten Stampfer zerkleinern. Das so gewonnene Kaffeemehl bleibt grob, und so erklärt sich auch, warum der Kaffee der Beduinen oft dick wie Sirup ist. Viele Beduinen haben natürlich auch eine Kaffeemühle, meist deutschen Ursprungs, »auf Lager«, doch die Kaffeemörser sind deshalb keineswegs verschwunden.

Vor rund 300 Jahren, als das Kaffeetrinken in Europa in Mode kam, wurden auch hier die gerösteten Bohnen in einem Mörser zerkleinert, wie es damals auch die Türken machten, die heute allerdings eine feine Mokkamühle vorziehen. Im Gegensatz zum Orient und zu Nordafrika waren die Mörser bei uns aus Metall, meist aus Bronze und später aus Messing.

Wann in Mitteleuropa die erste Kaffeemühle erfunden und hergestellt wurde, lässt sich auf das Jahr genau nicht mehr sagen. Immerhin wissen wir, dass sie über 250 Jahre alt ist. Es ist anzunehmen, dass etliche Kunstschmiede fast gleichzeitig über das Problem nachdachten, die Kaffeebohnen ähnlich wie Getreidekörner zu mahlen. Und sie haben wohl auch verschiedene technische Lösungen gefunden.

Sicher ist jedoch, dass vor gut 250 Jahren in Remscheid vier Kunstschmiede sich mit der gewerbsmäßigen Herstellung von Kaffeemühlen befassten. Die Mühlen waren noch sehr groß und unhandlich, erfüllten jedoch ihren Zweck ganz ausgezeichnet. Häufig waren sie kunstvoll verziert, was beweisen dürfte, dass eine Kaffeemühle ein Prunkstück in wohlhabenden Bürgerhaushalten war.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Remscheid zu einem Zentrum der Herstellung von Kaffeemühlen geworden. Aus über 20 Handwerksbetrieben gingen sie damals in alle Welt. Aber auch in Nürnberg waren schon Mitte des 18. Jahrhunderts einige Betriebe dieser Art ansässig. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts trat dann aber mehr und mehr Fürth an die Stelle Nürnbergs.

Da feine und weltgewandte Leute auch auf Reisen nicht auf ihren Kaffee verzichten wollten und die einfachen Schänken und Herbergen keinen guten Kaffee zubereiten konnten, entwickelten die Hersteller schon bald auch Kaffeemühlen, die so klein waren, dass man sie bequem in eine Tasche stecken konnte.

Waren die ersten Kaffeemühlen meist ganz aus Metall gefertigt, so kamen mit der Perfektionierung der Herstellung auch Mühlen mit einem Gehäuse aus Edelhölzern in den Handel.

Ein Wittenberger Schmied bot in Anzeigen im »Wittenberger Wochenblatt« um das Jahr 1768 eine besonders robuste Mühle aus Eisenblech mit stählernem Mahlwerk an, das auch bei häufiger Benutzung erst nach sechs bis acht Jahren geschärft werden müsse. Das Problem der ersten Kaffeemühlen bestand nämlich darin: das Mahlwerk wurde rasch stumpf und arbeitete dann nicht mehr richtig.

Dieses Problem wurde inzwischen, nachdem die elektrische Kaffeemühle ihren Siegeszug angetreten hat, größtenteils gelöst.

MR



8/2003
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