Jahrgang 2003 Nummer 6

Jules Verne, Prophet der Technik und Utopist

Vor 175 Jahren kam der französische Schriftsteller zur Welt

Das undatierte Archivbild zeigt den französischen Schriftsteller Jules Verne kurz vor seinem Tod. Verne wurde am 8.2.1828 in Nan

Das undatierte Archivbild zeigt den französischen Schriftsteller Jules Verne kurz vor seinem Tod. Verne wurde am 8.2.1828 in Nantes geboren. Der Sohn eines Anwalts wurde mit seinen phantastischen Romanen und Abenteuergeschichten, die als Vorläufer der heutigen Science Fiction zu betrachten sind, weltberühmt. Seine Bücher, unter anderem »Reise nach dem Mittelpunkt der Erde«, »20000 Meilen unter dem Meer«, »Reise um die Erde in 80 Tagen«, gehören zu den meistübersetzten Werken der französischen Literatur und wurden mehrfach für Film und Fernsehen in Szene gesetzt. Jules Verne starb am 24. März 1905 in Amiens.
Der französische Schriftsteller Jules Verne träumte in seinen Büchern von einer Reise zum Mond, zum Mittelpunkt der Erde und in die Tiefen des Meeres. Unermüdliche Forscher erfanden Flug-, Tauch- und Schwimmobjekte und machten einige seiner Visionen war. 1955 überquerte das erste atombetriebene U-Boot den Nordpol und im Jahr 2002 umrundete Steve Fossett als erster Mensch im Alleingang die Erde in einem Ballon. Mehr als ein Jahrhundert später, wo Shuttle-Starts und Direktübertragungen aus der Raumstation MIR zur Tagesordnung gehören, haben die Träume von Verne wenig von ihrer Faszination verloren, denn die Visionen des Autors, der am 8. Februar 1828, also heute vor 175 Jahren, in Nantes geboren wurde, wecken immer noch Sehnsucht nach Abenteuern und die Neugier auf fremde Welten.

Die Träume vom Unterseeboot Nautilus oder vom Luftschiff Albatros machten Verne zu einem Schriftsteller, dessen Bücher überall verschlugen wurden. Er entwickelte eine neue Literaturgattung, die des naturwissenschaftlich-fantastischen Romans. Seine Werke wie »Reise um die Erde in 80 Tagen«, »Die Kinder des Kapitän Grant«, »20 000 Meilen unter dem Meer«, »Die geheimnisvolle Insel« und »Nord gegen Süd« werden bis heute immer wieder aufgelegt und gelesen. Der nachgelassene Roman »Die schöne gelbe Donau« zum Beispiel kam erstmals im Original vor zwei Jahren in den französischen Buchhandel und fand Interesse.

Der industrielle Aufschwung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfindungen ließen einen Fortschrittsglauben entstehen, der sich in den meisten Werken von Jules Vernes widerspiegelt. So entstand sein Buch »Von der Erde zum Mond« zu einem Zeitpunkt, als in Amerika der Bürgerkrieg zu Ende ging und der Vorschlag, eine gewaltige Kanone zu bauen, mit der ein Projektil zum Mond geschickt werden könne, eine unglaubliche Begeisterung auslöste.

Eigentlich hätte Verne Anwalt werden sollen wie sein Vater, doch das Jurastudium machte ihm wenig Spaß. Schon als Kind hatte er versucht, dem bürgerlichen und konservativen Elternhaus zu entkommen. Vom Fernweh getrieben, heuerte er als Schiffsjunge auf einem Segler nach Indien an, doch seinem Vater gelang es gerade noch rechtzeitig, ihn von Bord zu holen.

»Die Literatur über alles, denn hier allein kann ich etwas bringen, weil mein Geist unabänderlich auf diesen Punkt fixiert ist. Wozu all meine Gedanken zu diesem Thema wiederholen, Du kennst sie gut genug, mein lieber Papa, und Du weißt selber, dass früher oder später, mache ich nun zwei Jahre Recht oder nicht, beide Laufbahnen einander töten, wenn sie gleichzeitig betrieben werden«, schrieb Verne an seinen Vater. Nach dem Abschluss seines Studiums verfasste er zunächst Dramen, die im Pariser Théâtre Historique uraufgeführt wurden. Doch der schriftstellerische Durchbruch gelang ihm erst, als ein Freund in einem Heißluftballon verunglückte und er daraufhin das Buch »Fünf Wochen im Ballon« verfasste. Der Roman wurde 1863 mit großem Erfolg veröffentlicht.

Vernes Abenteuer- und Zukunftsromane sind in mehr als 140 Sprachen übersetzt worden, und in aller Welt waren und sind Leser insbesondere von den Kämpfen gegen die Mächte der Natur fasziniert, die in den Büchern etwa als gewaltige Stürme oder grässliche Meeresungeheuer erscheinen. Das erste U-Boot, das dann tatsächlich gebaut wurde, trug bezeichnenderweise den Namen Nautilus. Am 24. März 1905 starb der Autor jener technischen Visionen, die inzwischen teilweise von der Wirklichkeit eingeholt worden sind, in Amiens.

SG



5/2003
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