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Jahrgang 2009 Nummer 38

Ins Herz getroffen

Ausstellung über Zerstörung und Wiederaufbau des Salzburger Doms

Blick in den Dom zum Hochaltar nach dem Einsturz der Kuppel, aufgenommen am 17. November 1944.

Blick in den Dom zum Hochaltar nach dem Einsturz der Kuppel, aufgenommen am 17. November 1944.
Der Dachstuhl der Kuppel wird errichtet, Herbst 1948

Der Dachstuhl der Kuppel wird errichtet, Herbst 1948
Stukkateure bei der Arbeit im Querhaus, 1947/48.

Stukkateure bei der Arbeit im Querhaus, 1947/48.
Am 16. Oktober 1944, gegen 11.20 Uhr, wurde der Salzburger Dom von einer Bombe getroffen. Die Kuppel stürzte ein. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden, obwohl der Bombenangriff insgesamt 245 Todesopfer forderte. Es war der erste Angriff auf Salzburg, nachdem München schon seit März und Wien schon seit Juli bombardiert worden waren. Der Weltkrieg, den Hitler fünf Jahre zuvor begonnen hatte, erreichte Salzburg spät und traf es gleich ins Herz.

An dieses schreckliche Ereignis erinnert das Salzburger Dommuseum bis 26. Oktober mit einer großen Ausstellung in den Oratorien des Doms unter dem Titel »Ins Herz getroffen – Zerstörung und Wiederaufbau des Domes 1944-1959«.

Der Wiederaufbau des Doms begann gleich nach dem Ende des Krieges. Zwischen Langhaus und Kuppel wurde eine hölzerne Trennwand und unter der Kuppel ein riesiges Baugerüst errichtet. Zum Abtransport des Schutts brach man ein Loch in die südliche Apsis.

Weihnachten 1948 war der Dachstuhl der Kuppel fertig und in den Fenstern der Laterne erstrahlten Christbäume. Zum Abschluss des Außenbaus wurde am 26. Mai 1949 im Rahmen eines großen Festes, an dem sich alle Pfarreien der Erzdiözese beteiligten, das einhundert Kilogramm schwere Kuppelkreuz aufgesteckt.

Der Bau der Kuppel wurde zu einem großen Teil von den Gläubigen der Diözese getragen, sie steuerten ein Drittel der Baukosten durch Spenden bei. Viele leisteten freiwillige Dienste, eine Reihe Firmen lieferte kostenlos Material. Die Fertigstellung des Baus ging jedoch wegen Schwierigkeiten bei der Finanzierung nur langsam voran. Erst ab 1954 wurde das Innere fertiggestellt und um moderne Werke wie die Kanzel und die großen Bronzetore ergänzt. Im Herbst 1956 konnte das riesige Gerüst unter der Kuppel abgebaut werden, am 30. April wurde der Dom von Erzbischof Andreas Rohracher feierlich wieder eröffnet.

Bei der Ausstellung sieht man Fragmente des zerstörten Domes, Dokumente und zahlreiche, bisher unveröffentlichte Fotos vom zerstörten Dom und seinem Wiederaufbau. Historische Fernsehaufnahmen und Filme mit Zeitzeugen vermitteln einen lebendigen Eindruck von den Ereignissen zwischen 1944 und 1959. Der reich illustrierte Katalog kostet 34,80 Euro und enthält eine Chronologie des Baus, eine Biographie von Erzbischof Andreas Rohracher sowie Aufsätze zu Einzelfragen der Domrenovierung wie den geplanten Vierungsaltar, die neue Kanzel und die Geschichte der Ausgrabungen.


Julius Bittmann



38/2009