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Jahrgang 2016 Nummer 16

Hofchronik vom ehemaligen Daumodlhaus

Von der Schuhmacherei zur Brauerei

Weiß- und Braunbierbrauerei mit Wirtsgarten und Salettl.
Franz Aicher auf seiner für die damalige Zeit modernen Dreschanlage.
Stefan Aicher auf seinem noch eisenbereiften Holztransporter.

Kaum ein anderes Anwesen wechselte seine Besitzer und die damit verbundene Nutzungsart so häufig wie das ehemalige Daumodlhaus am Beginn des Achthals. Trotz des häufigen Besitzerwechsels sind die noch auffindbaren Quellen von diesem Anwesen sehr spärlich, ob es an den verheerenden Hochwässern der vergangenen Jahrzehnte liegt, die große Schäden und Vernichtungen hinterlassen haben, wir werden es nicht mehr abklären können.

Als einziger Eintrag taucht mit Datum vom 20. 12. 1638 eine Eva, Tochter des Matthias Daumodl und seiner Frau Magdalena, auf.(1)

Was noch auffindbar war, ist eine Mitteilung, dass das Daumodlhaus grundherrlich nach Laufen gehörte, was sich nach dem Ende der Napoleonischen Kriege auflöste. Das bedeutete, dass ab diesem Zeitpunkt der Hausbesitzer gleichzeitig auch Grundbesitzer wurde. Ebenfalls festgehalten ist, dass das damalige, noch um ein Vielfaches kleinere Gebäude, einst als Mauthäusl gedient hat. (Über den Zeitraum als Mauthäusl ist ebenfalls nichts mehr zu erfahren)

Leider müssen wir in der Chronik dieses Anwesens einen Sprung ins 19. Jahrhundert machen, bis wieder zuverlässige, jedoch mit Lücken behaftete Unterlagen auftauchen.

Johann Baptist Haberlander, (geb. 17. 6. 1819 - gest. 20. 5. 1896 in Achthal), stammte von Brucklehen bei Surberg. Er heiratete am 17. Mai 1847 als Schuhmachermeister nach Oberteisendorf ins Daumodlhaus Hs.-Nr. 45. Seine Frau Maria, (geb. 11. 6. 1818 - gest. 29. 9. 1875), Hoferbin vom Daumodlhaus, war die Tochter des Josef Ganser, der von Feilnreit bei Siegsdorf stammte, und dessen Frau Maria, eine geborene Kirchmaier, ein Bergknappenehepaar wohnhaft in Achthal.(2) Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor. Zweite Ehe des Johann Baptist Haberlander, am 15. 1. 1878 mit Maria, (geb. 25. 5. 1823 - gest. unbekannt), eine geborene Koiz, verwitwete Wagner von Karlsberg aus der Rheinpfalz.

Neuer Eigentümer vom Daumodlhaus durch Erbschaft:

Johann Georg Haberlander, (geb. 19. 4. 1849 - gest. 27. 10. 1923), Schuhmachermeister, Sohn vom Hause heiratete im Jahre 1874 seine Frau Franziska (geb. 13. 1. 1850 - gest. 28. 7. 1907) aus Aufham stammend. Beide verkauften im Jahre 1895 wegen der schlechten Geschäftslage das Daumodlhaus Hs.-Nr. 45 und zogen ins Dorf Oberteisendorf hinunter, wo sie als Pächter im Zuhaus des Baldaufhofes (heute Haus des Gastes) ins Woferlhaus (heute Thumbergweg 2) zogen und dort für 12 Jahre ihre Schuhmacherwerkstatt betrieben.

Mit Datum vom 3. 1. 1907 erwarben beide das sogenannte Fischerbartlhaus, frühere Hs.-Nr. 22, aus dem 15. Jahrhundert stammend (das älteste Haus von Oberteisendorf) vom Bartelhuberbauern und eröffneten dort ihr eigenes Schuhmachergeschäft (heute Dorfstraße 16). Aus dem Jahre 1884 gibt es noch einen Bauplan, wonach ein neuer Kamin im Daumodlhaus errichtet wurde.(3)

Neuer Eigentümer vom Daumodlhaus durch Kauf:

Im Jahre 1895 kaufte Josef Hell das alte Daumodlanwesen. Laut den Vermessungsakten hat Hell das alte Anwesen abgebrochen und in seiner heutigen Form neu erbaut. In den Altakten ist folgendes festgehalten: 1899 Neubau des Wohn- und Stallgebäudes, samt Stadl und Zuhaus sowie des Hofraumes.(4)

Über die Herkunft, sowie persönliche Daten von Josef Hell konnte nichts ermittelt werden. Josef Hells Vorhaben war, eine Molkerei zu errichten, was er aber angeblich nicht mehr schaffte. Die finanziellen Verbindlichkeiten nahmen eine Größenordnung an, die er nicht bewältigen konnte. Das Anwesen ist um das Jahr 1905 zum Teil abgebrannt. Nach dem Volksmund hat er das Haus selbst angezündet. (Alten Erzählungen zu Folge, soll er sich nach der Brandlegung sofort nach Traunstein begeben haben, wobei er sein Fuhrwerk bis nach Spöck hinaus immer wieder angehalten hat, um zu sehen, ob schon Flammen empor steigen.)(5)

Neuer Eigentümer durch angeblichen Kauf:

Karl Rauscher, über den und dessen Familie ebenfalls nichts ermittelt werden konnte, errichtete innerhalb des großzügigen Anwesens eine Weißund Braunbierbrauerei. Gleichzeitig eröffnete er eine Brauereigaststätte und gegenüber der vorbeiführenden Straße ein Salettl, einen Sommerausschank. Aus dem Jahre 1911 ist noch ein westlicher Anbau nachweisbar, welcher am 21. 4. 1911 vom Vermessungsamt Traunstein eingemessen wurde. In der Vermessungsurkunde ist das Anwesen wie folgt beschrieben: Wohnhaus mit Weißbierbrauerei, Lagerkeller, Hofraum, Sommersitz (Salettl) mit Zuhausgebäude Hs.-Nr. 45 1/3 (heute Berschlhaus). Karl Rauscher hat sich mit der Brauerei finanziell übernommen und haute ab. Mit Datum vom 6. 5. 1913 ist aus der Laufener Zeitung zu entnehmen: Die Weißbierbrauerei Schloßberg in Oberteisendorf ging im Zwangswege in den Besitz des H. Max Stadler, Wirtschaftspächter in Freilassing, über.(6)

Warum diese Weißbier- und Braunbierbrauerei in das heimatkundliche Werk »Die Oberteisendorfer Ache, die Energiespenderin eines ganzen Tales« mit aufgenommen wurde, sind Hinweise und berechtigte Annahmen, dass die Brauerei Wasser für Kühlzwecke und zum Antrieb von Gerätschaften aus der Ache entnommen hat.

Neuer Eigentümer durch Ersteigerung:

Max Stadler, (geb. 26. 9. 1876 - gest. 1966 in München), Wirtschaftspächter und Sattlermeister aus Salzburghofen in Freilassing, Sohn des Nikolaus Stadler, ebenfalls Sattlermeister aus Salzburghofen und seiner Frau Elisabeth, eine geborene Frauenschuh, ersteigerte das Anwesen Hs.-Nr. 45 in Oberteisendorf samt der bestehenden Brauerei im Mai 1913, gemeinsam mit seiner Frau Susanne, (geb. 5. 5. 1884 - gest. unbekannt), eine geborene Rohleder aus Bad Aibling. Max Stadler entfernte sämtliche Brauerei- und Wirtschaftseinrichtungen und baute das Gebäude zu einer Sattlerwerkstätte um. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, Nikolaus Hugo (geb. 10. 11. 1921), über dessen weitere Daten nichts bekannt sind. Die Familie Stadler verkaufte im Jahre 1929 das Anwesen und zog nach Prien am Chiemsee.(7)

Neuer Eigentümer durch Kauf:

Karl Böcklein, (geb. 2. 9. 1860 - gest. unbekannt), Verleger und Schriftsteller aus München, verheiratet in erster Ehe mit einer Berta Feuerstein, diese Ehe wurde geschieden. Karl Böcklein heiratete im August 1913 in zweiter Ehe die Creszenzia Sailer (geb. 30. 5. 1874) aus München, eine Tochter der Frieda Hartl aus Ingolstadt, diese kaufte im Jahre 1929 das Anwesen Hs.-Nr. 45 in Oberteisendorf. (Sämtliche Angaben sind hier sehr verwirrend, sodass unter diesem Abschnitt eventuelle Fehler nicht ausgeschlossen sind.)

Karl Böcklein lebte mit seiner Frau in Gütertrennung, beide wollten aus dem Anwesen Hs.-Nr. 45 die erste Fremdenpension in Oberteisendorf errichten. Aus finanziellen Gründen scheiterte dieses Vorhaben. Dieses Besitzverhältnis war nur von kurzer Dauer, denn bereits im Jahre 1930 kam es wiederum zum Verkauf des Anwesens Hs.-Nr. 45 in Oberteisendorf.

Am 14. Juni 1930 verzog Karl Böcklein nach einem unbekannten Ziel.(8)

Neuer Besitzer des früheren Daumodlanwesens, durch Rückkauf:

Im Jahre 1930 kaufte der frühere Besitzer Max Stadler, (geb. 29. 6. 1876 - gest. 1966 in München), Sattlermeister aus Salzburghofen bei Freilassing stammend, und zwischenzeitlich nach Prien verzogen, das Anwesen Hs.-Nr. 45 wieder zurück. Über den Grund des Rückkaufes bzw. über den weiteren Verwendungszweck des Anwesens ist leider nichts hinterlassen.(9)

Mit dem Ehepaar Stadler kam auch der einzige Sohn Nikolaus Hugo (geb. 10. 11. 1921) nochmals nach Oberteisendorf zurück, dieser zog später mit Datum vom 1. 7. 1937 nach München.

Dieser Rückkauf war ebenfalls nicht von langer Dauer, denn am 1. 2. 1937 verkaufte das Ehepaar Max und Susanne Stadler das Anwesen Hs.-Nr. 45 in Oberteisendorf bereits wieder an Franz Aicher um 12 500 RM und zog am 9. 10. 1937 nach Bad Reichenhall-Karlstein.(10)

Max Stadler zog im Alter nach München zu seinem Sohn, wo er 1966 starb.

Neuer Eigentümer durch Kauf:(11)

Franz Aicher, (geb. 9. 9. 1910 - gest. 24. 7. 1965), ehel. Sohn des Stefan Aicher und Maria, eine geborene Stützl, Surschmied von Oberteisendorf, heiratete am 6. 2. 1937 die Hedwig Wimmer, (geb. 25. 11. 1911 - gest. 17. 6. 1979), Tochter von Florian und Anna Öllerer, Bauerseheleute in Lepperding in der Pfarrei Laufen.

Franz Aicher und sein Bruder Johann Aicher waren die ersten Fuhrunternehmer für Holztransporte in Oberteisendorf, die anfangs noch mittels einem primitiven eisenbereiften Traktor durchgeführt wurden. Franz Aicher baute später dieses Unternehmen zu einem Lang- und Papierholz-Transportgeschäft aus. Als zweites Standbein führte er vor allem in den Spätsommermonaten in der Umgebung ein gewerbliches Getreidedreschen aus.

Franz und Hedwig Aicher betrieben auch eine Nebenerwerbslandwirtschaft, wozu beide noch in den Jahren etliche Wiesengrundstücke erwarben.

Kinder

Konrad Rudolf, (geb. 4. 6. 1936 - 24. 7. 2009, Hoferbe), in Lepperding bei Laufen geboren, heiratete am 17. 10. 1964 Maria Helmberger, (geb. 30. 12. 1936), Tochter von Andreas und Maria Helmberger von Oberreut in Neukirchen.

Franz Xaver, (geb. 9. 6. 1937), heiratete am 17. 11. 1961 Luise Mader aus Obereck, ehem. Gemeinde Vogling bei Siegsdorf, wohnhaft in Oberteisendorf, Frühlingstraße 35.

Alfred, (geb. 1. 1. 1939), heiratete am 1. 7. 1961 Juliane Grabner aus Teisendorf, wohnhaft in Stegreuth bei Teisendorf.

Hedwig, (geb. 27. 4. 1940), heiratete am 13. 9. 1969 Johann Brekker aus Bruckhausen in Nordrhein-Westfalen, heutiger Wohnsitz ist München.

Marianne, (geb. 8. 1. 1942), heiratete in erster Ehe am 7. 1. 1961 Johann Hocheder von Oberstetten bei Teisendorf, in zweiter Ehe Rainer Schärff aus Altötting, Marianne lebt getrennt in Burghausen.

Elfriede, (geb. 7. 7. 1943), heiratet am 23. 9. 1966 Wolfgang Schärff aus Altötting, wohnhaft in Mühldorf.

Neuer Eigentümer vom Aicheranwesen durch Erbschaft:

Konrad Aicher, (geb. 4. 6. 1936 - gest. 24. 7. 2009), und Maria Aicher (geb. 30. 12. 1936), geborene Helmberger aus Neukirchen, durch Übernahme im Jahre 1971.

Kinder

Konrad, (15. 11. 1965, Hoferbe), heiratete am 9. 5. 2009 Martina Schneider, (geb. 1. 11. 1979), aus Hirschhalm bei Waging.

Christine, (geb. 12. 6. 1969), heiratete am 2. 7. 2004 Andreas Eder aus Haigerloh in Heldenstein bei Waldkraiburg.

Neuer Eigentümer vom Aicheranwesen durch Erbschaft:

Konrad Aicher und Martina durch Übernahme im März 1992.

An dieser Stelle endet zur Zeit die bewegte Hofchronik vom Daumodlhaus bzw. heutigen Aicheranwesen in Oberteisendorf, frühere Hs.-Nr. 45 und heute Neukirchener-Str. 20.


Sepp Winkler

 

Anmerkungen:
(1) Pfarrarchiv Oberteisendorf
(2) Aufzeichnungen von Otto Haberlander Oberteisendorf
(3) Familienchronik von Otto Haberlander Oberteisendorf
(4) Archiv Vermessungsamt Freilassing
(5) Örtliche Auskünfte, sowie teilweise Pfarrarchiv Oberteisendorf
(6) Archiv Vermessungsamt Freilassing, wowie teilweise aus vorhandenem Bildmaterial
(7) Stadtarchiv Freilassing, sowie Gemeindearchiv Teisendorf
(8) Teilweise Pfarrarchiv Oberteisendorf
(9) Pfarrarchiv Oberteisendorf
(10) Grundbuchamt Laufen
(11) Familiäre Auskünfte vom derzeitigen Eigentümer und persönliche Erinnerungen vom Autor.

 

16/2016