Jahrgang 2009 Nummer 10

Hermann der Cherusker – ein deutscher Mythos

Das Bild vom »Helden« und seinem Volk – Teil II

Vernichtung der Teutonen bei Aix (Südfrankreich) 102 vor Christus – Relief auf römischem Sarkophag. Die Germanen zum Teil nackt

Vernichtung der Teutonen bei Aix (Südfrankreich) 102 vor Christus – Relief auf römischem Sarkophag. Die Germanen zum Teil nackt (Kapitolinisches Museum, Rom)
Germanien zur Römerzeit

Germanien zur Römerzeit
Augustus und Roma beim Triumph des Tiberius – unterworfene Germanen unten. Braun-weißer Onyx, 12 nach Christus, (Kunsthistorisch

Augustus und Roma beim Triumph des Tiberius – unterworfene Germanen unten. Braun-weißer Onyx, 12 nach Christus, (Kunsthistorisches Museum, Wien).
Germanen und Römer

Mit diesen aus den nördlichen Breiten stammenden Völkern machten die Römer erstmals 113 vor Christus Bekanntschaft. Da wussten sie noch nicht, dass sie es mit »Germanen« zu tun hatten, denn auch keiner der damaligen Stämme selbst gebrauchte diesen Sammelnamen. Ja sie waren sich wohl langezeit einer ethnischen Verwandtschaft kaum bewusst, da sie ihre Energie meist im Krieg gegeneinander verbrauchten. Eine Ausnahme davon machten die Kimbern und Teutonen, von keltischen Verbänden verstärkt. Nach Vernichtung von römischen Heeren in Kärnten und an der Rhône steigerten sie sich dort in einen wahren Blutrausch und opferten die Gefangenen ihren Göttern, indem sie ihnen die Kehlen durchschnitten und das Blut auffingen. Manche wurden an Bäumen aufgehängt. Eigenartigerweise machten sie viel weniger Beute als vermutet, zerhackten sie vielmehr und versenkten römische Pferde in den Strom. Seitdem geistert das Entsetzen vor dem »Furor Teutonicus«, der teutonischen Raserei, im Wortschatz der Völker. Auch nach der Schlacht im Teutoburger Wald kam es zu ähnlichen Vorfällen. Für die betroffenen Opfer und deren Angehörige wäre das heutige Wissen über diese Stämme kein Trost gewesen. Im Banne magischer Vorstellungen stehend, glaubten sie, die Habe ihrer Feinde als Dank an die Götter in Gewässern versenken zu müssen; ebenso die toten Feinde, bisweilen grausam verstümmelt, um möglicherweise ihre Rückkehr als »Untote« zu verhindern. Erst dem römischen Feldherrn Marius gelang es unter großem Aufwand mit den Nordbarbaren fertig zu werden. Durch eine Heeresreform, welche die römischen Legionäre zu Berufssoldaten machte, durch hartes Training und Rollenspiele, bei denen die Römer ihre Feinde und ihr Schlachtgebrüll nachahmten, gelang die Rettung Roms (102/101 vor Christus). Wohl auch durch die ungewohnte Sommerhitze geschwächt, fanden sie zu Zehntausenden den Tod. Wer den Schwertern der Legionäre entkommen war, wurde – in die Wagenburg zurückgekehrt – ein Opfer der Frauen des Stammes. Sie töteten die fliehenden Kämpfer, dann die eigenen Kinder und zuletzt sich selbst, auch aus Angst, von den Siegern versklavt zu werden.(9) Funde beweisen, dass germanische Frauen bisweilen ihre Männer im Krieg begleiteten und mit ihren Schildern, Schwertern und Speeren, zum Teil auch mit Pfeil und Bogen, beerdigt wurden. Sie waren ebenfalls an Verwundungen gestorben und bekleidet mit langen Hosen aus Wolle, manchmal aus Hirschleder, und ärmellosem Pullover (Noch im 7. Jahrhundert nach Christus wurde eine Bajuwarin, ähnlich bekleidet, aber mit Bundschuhen angetan, auf ihrem Schild beerdigt).(10)

Der Name »Germanen« wird erstmals vom griechischen Gelehrten Poseidonios etwa 80 vor Christus erwähnt, der die ihm fremdartigen Esssitten beschrieb. Welchen Stamm er damit meinte, ist unklar. Die etymologische Deutung ist umstritten. Als wahrscheinlich wird eine Fremdbezeichnung durch Kelten angenommen, da diese vor allem am Rhein Nachbarn der Germanen waren und von ihnen mitunter heimgesucht wurden. Eine keltische Silbe »ger(m)« kommt auch in der Bedeutung »schreien« oder »grimmig« vor. Das würde gut mit der Gewohnheit der Germanen übereinstimmen, vor Schlachten Gesänge, also Geschrei anzustimmen. Cäsar wendet den Namen nun auf alle rechtsrheinischen Völker an und macht damit den Strom für die Nachwelt zur politischen Grenze, obwohl er wusste, dass sie ethnisch gesehen ungenau war. Ihm kam es darauf an, ganz Gallien westlich davon zu erobern, da er deren Völker für leichter zivilisierbar hielt. Hier konnte er Ruhm erwerben und sich in Rom einen Namen machen. Seine Kriegsberichte fasste er zu einem Buch zusammen, in dem Generationen von Lateinschülern zu lesen hatten: »De bello gallico« (Über den gallischen Krieg). Den Germanen jenseits des Rheins zeigte er zwar die römischen Muskeln und beeindruckte sie durch den Bau einer Holzbrücke über den Strom und einigen Vorstößen in ihr Land, wobei ihm selbst – ebenso wie später Varus – auch germanische Hilfstruppen zur Verfügung standen. Es spricht für die politische Weitsicht Cäsars, dass er sich auf unkalkulierbare Abenteuer östlich des Stroms nicht einließ. Wer ihn aber in der Gegenrichtung überschreiten wollte wie die germanischen Sueben, (von denen der Namen »Schwaben« abgeleitet ist) unter ihrem König Ariovist, der bekam die Stärke seiner ihm treu ergebenen Legionen zu spüren und wurde schwer getroffen zurückgetrieben.

Nach der Ermordung des späteren Diktators (44 vor Christus) übernahm sein Großneffe Octavian/Augustus (der »Erhabene«) sein politisches Erbe. Das tragische Schicksal seines Großonkels vor Augen trat er privat und politisch bescheiden auf, hatte aber in Wirklichkeit alle Fäden in der Hand. Er rüstete nach erfolgreicher Bewältigung der vorausgehenden Bürgerkriege die römische Armee um etwa die Hälfte ab und verkündete einen Weltfrieden (Pax Augustana 17 vor Christus). Da es aber immer wieder zu kleineren Überfällen auf gallische Gebiete und germanischen Provokationen (Raub römischer Feldzeichen) kam, wollte Augustus auch die den Römern unbekannten Gebiete im Norden des Imperiums befrieden, das heißt unterwerfen und zu römischen Provinzen machen. Natürliche Grenzen, große Ströme wie auch die Donau sollten dieses Vorhaben erleichtern. Deshalb schickte er seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius über die Alpen und errichtete die – später teilweise zu Bayern gehörenden – Provinzen Rätien und Norikum (15 vor Christus). Drusus als Befehlshaber der Rheinfront gelang es, einige germanische Stämme wie Friesen, Chauken, Chatten (von denen der Name »Hessen« abgeleitet wird), auch die später aufständischen Cherusker zu unterwerfen, indem seine Legionen gleichzeitig von der von der Nordsee her in die großen Flüsse einsegelnden Flotte unterstützt wurden und bis zur Elbe vordrangen. Beim Rückmarsch allerdings verließ ihn Fortuna, er stürzte unglücklich vom Pferd und erlag bald seinen Verletzungen. Sein Bruder Tiberius war nahe daran, die Ernte aller römischen Bemühungen um Germanien einzufahren: Er konnte es schon wie eine vorläufige römische Provinz behandeln, Abgaben erheben und Verträge mit den dortigen Stämmen, auch den Cheruskern abschließen. Gelegentliche Rückschläge schienen am Erfolgswillen nichts zu ändern. Auch wurden in zunehmendem Maße Männer zu Hilfstruppen ausgebildet, deren oft hoher Wuchs und bisweilen Wildheit die Römer immer schon fasziniert hatte. Diese Eigenschaft glaubten sie durch den Bau von großen Legionslagern und Kohortenkastellen in ihrem Sinne beeinflussen zu können (Aus ihnen entwickelten sich später mitunter deutsche Städte). Sie wollten die Einwohner durch Wohlleben und römische Kultur zivilisieren, wogegen manche Barbaren durchaus nicht abgeneigt waren.

Meinungsverschiedenheiten unter den Germanen, wie sie sich den damals übermächtig erscheinenden Römern gegenüber verhalten sollten, waren nicht ungewöhlich. Ähnlich wie im 18. Jahrhundert die Deutschen sich in Anhänger und Gegner des Preußenkönigs Friedrich II./des Großen aufspalteten, so ging auch damals eine Trennlinie sogar durch manche Sippen, Familien, auch die des Arminius. Sein Schwiegervater Segestes war dafür bekannt, dass er sich dem Willen Roms unterwerfen wollte; ebenso langezeit sein Vater Segimer, der als angesehener Fürst seines Stammes mit seinem etwa 10-jährigen Sohn vor dem mächtigen Tiberius erschienen war und von ihm die Rechte eines Römers empfing. Dabei erhielt Armin wohl die latinisierte Form seines unterschiedlich gedeuteten germanischen Namens, der auch die Bedeutung eines »Heer-Mannes« mit einschließt. Wir wissen, dass Armin als Kind oder Jugendlicher als Geisel nach Rom gekommen war, ein nicht seltener Vorgang, diente sie doch der Absicherung von geschlossenen Verträgen. Möglich, dass der junge Adelige eine jener Fürstenschulen besuchte, in welchen Zöglinge aus den unterworfenen Ländern im römischen Sinne erzogen wurden. Lerneifrig und ehrgeizig nahm er die ihm gebotenen Chancen wahr, erlangte das römische Bürgerrecht und wurde, was nicht zu oft vorkam, zum Offizier ausgebildet. Aufgrund seiner Tapferkeit und Verdienste um Rom wurde ihm, was noch seltener vorkam, die Ehrung zuteil, in den römischen Ritterstand erhoben zu werden.

Im Vorfeld der Schlacht

Inzwischen setzten sich in seiner Heimat an der Weser wieder die Gegner Roms durch. Armins Vater verlor seinen Einfluss. Als Tiberius von seinem freiwilligen Exil aus Rhodos nach Rom zurückgekehrt war und von Augustus den Oberbefehl über die Truppen in Germanien erhalten hatte, unterstützte ihn Arminius, der seinerseits die germanischen Hilfstruppen befehligte (4 nach Christus). Kamen ihm damals schon Zweifel, als er sein Schwert gegen die unbotmäßigen Stammesbrüder erheben musste? Normalerweise waren Germanen nicht dafür bekannt, ihre jeweilige kriegerische Parteinahme mit Skrupeln zu begleiten. Da ihnen damals (und den Deutschen langezeit auch später) ein Gefühl der ethnischen oder politischen Zusammengehörigkeit weitgehend abging, waren sie immer dann auf römischer Seite zu finden, wenn es zu ihrem persönlichen Vorteil gereichte und der römische Sold einen Sinneswandel bewirkte. Jedenfalls konnte Tiberius mit seinem Helfer die cheruskischen Römerfeinde vertreiben und Segimer wieder in seine Rechte als Stammesfürst einsetzen, was für die nächsten Jahre Frieden bedeutete.

Dagegen schien ein anderer germanischer Stamm, die Markomannen, damals die Römer zu beunruhigen. Drusus hatte sie zwar vor einigen Jahren bereits besiegt und nach Böhmen abgedrängt, dennoch war es Marbod, ihrem als König bezeichneten Anführer, gelungen, etwa zur Zeitenwende ein zentral organisiertes Gemeinwesen aufzubauen, das von seiner Struktur her anderen germanischen Stämmen überlegen und wohl schon auf dem Weg zum »Staatswesen« war. Er hatte, ähnlich wie Arminius, längere Zeit in Rom verbracht und offenbar versucht, dessen straffe politische Organisation auf sein Volk zu übertragen. Ausgestattet mit einem gewaltigen Heer (angeblich 70 000 Krieger) und noch dazu – für germanische Verhältnisse eine Seltenheit – im Bündnis mit benachbarten, elbgermanischen Stämmen wie Hermunduren (den späteren Thüringern), Langobarden, ebenso Semnonen (Sueben, Alamannen), Quaden und auch Vandalen, reichte seine Macht damit von der Ostsee bis an die mittlere Donau. Einem weiteren Ausbau dieses Bündnisses stand dessen Ablehnung durch den Sippenadel entgegen. So war Marbod nicht an einem Konflikt mit Rom interessiert. Dennoch bot er Rebellen Unterschlupf, die aus den römisch besetzten Gebieten zwischen Rhein und Elbe, also auch aus Arminius’ Heimat geflohen waren. Wollte das Imperium seinen Einfluss über den Norden behalten und eine ständige Bedrohung seiner Grenzen ausschließen, musste der markomannische Gefahrenherd beseitigt werden. Insgesamt 12 Legionen aus Germanien, Raetien, Illyrien (westlicher Balkan) sollte unter Führung des Tiberius, von Süden (er selbst von Carnuntum bei Wien aus) und Westen (durch Saturninus von Mogontiacum/Mainz) aus in kombiniertem Zangenangriff Marbod an seinem Hauptsitz (bei Budweis) umfassen. Wäre der kühne Plan gelungen, der auf der bisherigen Ruhe in Germanien gründete, die europäische Geschichte wäre anders - wahrscheinlich einfacher verlaufen!

So aber drangen beunruhigende Nachrichten den Heerführern ans Ohr von einem höchst gefährlichen Aufstand in – nein, nicht Germanien – Pannonien (Ungarn), von wo aus Tiberius aufgebrochen war. Der Feldzug musste abgebrochen werden, für Marbods Reich vermutlich die Rettung; für Armin ein Novum, um so mehr, als nun Varus den Oberbefehl über die Rheinarmee bekam, während sich Tiberius ganz auf Pannonien konzentrierte. Armin kämpfte wiederum an seiner Seite. Zum letzten Mal wird er von seinem großen Vorbild lernen können, wie die Römer sich im Gefecht taktisch und strategisch verhalten. Nach errungenem Sieg beorderte Tiberius die germanischen Hilfstruppen in ihre Heimat zurück. Spätestens im Frühjahr 9 nach Christus war Armin auf dem Rückweg dorthin, in Gedanken vielleicht schon bei etwas Unerhörtem.

Der römische Geschichtsschreiber Velleius Paterculus beschreibt, wie wir uns Arminius vorzustellen haben: »Es gab damals einen jungen Mann aus vornehmem Geschlecht, der tüchtig im Kampf und rasch in seinem Denken war, ein beweglicherer Geist, als es die Barbaren gewöhnlich sind. In seiner Miene und in seinen Augen spiegelte sich ein feuriger Geist«.(11). Deshalb könnte auf dem Rückmarsch in die Heimat das Bild von Marbod in seinem Kopf Spuren hinterlassen haben. Er war es, der dem jungen Heißsporn die Grenzen der römischen Macht aufgezeigt hatte. Rom musste ihm die Unabhängigkeit seines Reiches bestätigen und einen vorteilhaften Frieden gewähren. Er stand aufgrund seines Ansehens und im Rang eines Königs über allen anderen. Ihm war es gelungen, den römischen Haupttrumpf – die Zwietracht unter den Vertretern germanischer Zunge – durch seine Bündnispolitik unwirksam zu machen. Würde das alles für ihn, Armin, unmöglich sein? Andererseits sollte er, der den Römern so viel zu verdanken hatte, von ihnen abfallen, während sein Bruder Flavus und sein Vater an der Seite Roms standen? Weitere Bedenken waren nicht auszuschließen:

– In den Augen mancher Römer würde er, Armin, trotz Ritterstand, immer »der Barbar« bleiben.

– Ebenso könnten er und seine germanischen Hilfstruppen, obwohl am tapfersten und in den Gefechten hohe Verluste erleidend, niemals mit voller Anerkennung rechnen.

– Ein eigenes Reich, wie Marbod es hatte, würde er niemals mit Hilfe Roms erringen, sondern nur dagegen – auch nicht an die Spitze des Stammes vorrücken, die anderen Konkurrenten hinter sich lassen und den Königstitel erwerben.

– Oder fühlte er sich von Varus im Stich gelassen im Streit mit seinem späterem Schwiegervater Segestes, da er dessen Tochter Thusnelda zur Frau begehrte, die ihm verweigert wurde, weil sie einem anderen versprochen war?

– Dazu spürte Arminius das unterschwellige Aufbäumen von Stammesgenossen aus dem Hinterland, weil sie die Annehmlichkeiten einer römischen Zivilisation nicht erkennen oder verinnerlichen wollten, außerdem sich ohne Krieg langweilten.

Was auch immer der Grund für seinen Entschluss gewesen sein mag, er bleibt ebenso bemerkenswert wie letztendlich unerklärt. An Varus jedoch, seinem Gegenspieler, blieb von Seiten der römischen Geschichtsschreibung kein gutes Haar, ihm wurde die Niederlage niemals verziehen, obwohl der Grund seines Debakels nicht auf der Fehleinschätzung einer ordnungsgemäß verlaufenen Schlacht beruhte, sondern auf dem Verrat eines Tischgenossen, einem Kampf und schließlich Gemetzel, das eiskalt kalkuliert, ihm keinerlei Chancen ließ, sich und das Leben seiner Legionäre zu retten. Er wird einerseits als Mann von mildem Wesen und ruhiger Art beschrieben, der im Lagerleben dem Müßiggang nicht abgeneigt war und wenig durch körperliche und geistige Betriebsamkeit auffiel. Andererseits wurde seiner Arglosigkeit, Arminius voll vertraut zu haben, die alleinige Schuld an der Katastrophe gegeben, obwohl er vorher von Segestes zweimal gewarnt wurde und keinen Plan B oder Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet hatte. Die Verachtung dem eigenen Landsmann gegenüber muss sehr ausgeprägt gewesen sein, wenn selbst für die Motive der Feinde – trotz ihres grausamen Verhaltens nach der Schlacht – Verständnis anklingt. Cassius Dio (griechischer Geschichtsschreiber): »Als Varus den Oberbefehl über die Germanen übernahm und sie rasch umformen wollte, indem er ihre Verhältnisse kraft seiner Amtsgewalt regelte, ihnen auch sonst wie Unterworfenen Vorschriften machte und insbesondere von ihnen wie von Untertanen Tribute eintrieb, da hatte ihre Geduld ein Ende.«(12) Als vormaliger, auch erfolgreicher Statthalter von Afrika und Syrien reich geworden und durch enge Beziehungen zum Haus des Kaisers Augustus (vermählt mit dessen Großnichte) ausgezeichnet, fehlte Varus offenbar die Geduld sich auf die Eigenheiten eines barbarischen Volkes einzustellen. So wurde sein Umgang mit Einheimischen (aber auch der anderer Römer) als unsensibel, selbstherrlich oder herablassend beschrieben, auch überstreng, was in Kreuzigungen seinen Ausdruck fand. Psychologen deuten ein derartiges Verhalten auch damit, bisher in diesem Raum noch nicht vorzeigbare, militärische Erfolge kompensieren zu wollen. Falls es Armin gelungen sein sollte, dergleichen menschliche Züge zu durchschauen, würde sich sicher eine Gelegenheit bieten, ihn in die Falle zu locken.

Werner Segerer

Teil 1 in den Chiemgau-Blättern Nr. 9, Teil 3 in den Chiemgau-Blättern Nr. 11/2009

Quellennachweis:
9 GeoEpoche, Nr. 34 2008. Die Germanen, S. 21
10 Nach Süddeutsche Zeitung unbekannten Datums
11 Nach Arens, S. 85
12 Ebenda, S. 83



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