weather-image
Jahrgang 2015 Nummer 44

Heiliger Wolfgang, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Wolfgang (= Helfer) stammte aus einem vornehmen Geschlechte bei Reutlingen in Württemberg, um das Jahr 915 geboren. Im Kloster Reichenau erhielt er seine volle Ausbildung. Nachdem er einige Zeit die Domschule in Trier geleitet hatte, trat er in das Benediktinerkloster Einsiedeln. Im Jahre 971 reiste Wolfgang als Missionär nach Ungarn. Er aß nie Fleisch und war eifrig im Gebete, Fasten und Nachtwachen. Auf den Rat des Bischofs Piligrin in Passau ernannte ihn Kaiser Otto II. 972 zum Bischof von Regensburg. Wolfgang setzte dem dortigen Benediktinerkloster den seligen Ramuold als Abt vor, restaurierte die Frauenklöster Oberund Niedermünster, gründete das Benediktinerinnenkloster St. Paul und gab ihm die Tochter des Herzogs Heinrich II., Brigitta, als Äbtissin. Der heilige Bischof visitierte seine Diözese und predigte überall segensreich. Er verzichtete auf Böhmen und gab Anlass zur Errichtung des Bistums Prag. Wegen verschiedener Wirrnisse lebte Wolfgang von 980 bis 985 als Einsiedler auf dem Falkenstein am Attersee (nun St. Wolfgangsee genannt). Jetzt noch sind verschiedene merkwürdige Spuren seines dortigen Aufenthaltes zu sehen. Er warf sein Beil in die Luft und erbaute dort, wo es an einem Felsen hängen blieb, seine Einsiedlerzelle. St. Wolfgang im Salzkammergut ist gegenwärtig ein Markt und hat eine herrliche Kirche, wohin jährlich viele wallfahrten. Der heilige Wolfgang kehrte dann zurück und übernahm die Erziehung von vier Kindern des Herzogs Heinrich. Im Jahre 994 reiste der heilige Bischof nach Österreich, erkrankte an einem Fieber, ließ sich in das Oratorium des heiligen Othmar zu Puppingen führen und starb daselbst nach Empfang der heiligen Sakramente am 31. Oktober 994. Sein heiliger Leib ruht zu St. Emmeran in Regensburg. Gott verherrlichte ihn im Leben und nach dem Tode durch viele Wunder. Der heilige Papst Leo IX. vollzog die Heiligsprechung der Bischöfe Wolfgang und Erhard 1052 zu Regensburg.

Lehre. Der heilige Wolfgang prägte seinen Schülern diese drei Punkte: »Habet allzeit Gott vor Augen; fürchtet Gott; hütet euch vor aller Sünde!«

Kirchengebet. Verleihe uns, o Herr! dass, gleich wie wir in der feierlichen Begehung (des Festes und) der Übertragung deines heiligen Bischofs Wolfgangus, unseres Vaters, ihn auf das Andächtigste verehren, wir auch ebenso seine Handlungen nachahmen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

44/2015