weather-image
12°
Jahrgang 2016 Nummer 26

Heiliger Wilhelm, Abt und Ordensstifter

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Wilhelm (der willkommene, mächtige Beschützer) wurde von vornehmen Eltern zu Vercelli in Italien geboren. Im 15. Lebensjahre machte er eine Wallfahrt zum heiligen Jacobus zu Compostella (in Spanien) im Pilgergewande. Ein frommer Schmied machte ihm auf seine Bitte zwei eiserne Ringe um den Leib. Der heilige Wilhelm wurde nun von Gott zum einsamen Leben berufen. Als der Heilige einem Blinden das Gesicht gegeben hatte, so zog er sich, um aller Ehre auszuweichen, auf den Monte Virgiliano zurück. Jedoch Priester und Laien schlossen sich an ihn an, weshalb er dort ein Kloster gründete und eine Kirche zu Ehren der Mutter Gottes erbaute; jener Berg wurde nun Monte Vergine benannt (= Berg der Jungfrau). Ein Wolf zerriss einen Esel und musste statt desselben Steine tragen. Der Heilige gründete drei weitere Klöster und wurde sohin der Stifter eines neuen Ordens nach der Regel des heiligen Benedict. Die Mitglieder lebten sehr strenge. König Roger berief den heiligen Abt zu sich nach Neapel und würdigte ihn seiner Freundschaft. Um ihm die Gunst des Königs zu entziehen, wurde eine leichtfertige Frauensperson beredet, dem Heiligen nachzustellen. Wilhelm aber überwand die Versuchung, indem er sich auf glühende Kohlen legte, und blieb unversehrt. Durch dieses Wunder bekehrte sich jene, verkaufte ihre Besitzungen und erbaute von deren Erlös das Frauenkloster zu Venosa, in welchem sie bußfertig lebte. Auch König Roger gründete viele Klöster. Nachdem der heilige Wilhelm viele Kranke geheilt und eine Menge von Sündern bekehrt hatte, starb er am vorausgesagten Tage im Kloster zu Goglietto den 25. Juni 1142. Sein Grab wurde durch viele Wunder glorreich.

Lehre. Bei der heiligen Taufe und beim Eintritte in einen Orden wird jeder Person der Name von einem Heiligen und dieser selbst als besonderer Beschützer, Namenspatron, beigegeben. Die Heiligen nehmen sich auch innig um jene an, die ihren Namen führen. Es ist fromme Sitte, das Namensfest zu feiern und an demselben einander zu gratulieren.

Kirchengebet. Wir bitten dich, o allmächtiger und barmherziger Gott! verleihe uns, dass wir das Andenken deines heiligen Abtes Wilhelm würdig feiern: damit wir deiner Majestät wohlgefallen und durch seine Fürbitte stets beschützt werden mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

26/2016