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Jahrgang 2015 Nummer 27

Heiliger Ulrich, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Ulrich (= reichbegütert, reichbegabt) wurde 890 zu Wittislingen in Schwaben geboren. Die Eltern, Hubald, Graf von Dillingen und Khyburg und dessen Gemahlin Tietburga waren ebenso adelig und reich, als fromm. Ulrich wurde den Benediktinern zu St. Gallen zur Ausbildung übergeben. Im Jahre 924 wurde er vom deutschen Könige Heinrich I. zum Bischof von Augsburg ernannt. Im Vertrauen auf Gott ging er an das schwierige Werk. Zuerst wurde der Dom neu gebaut; dann die Stadt mit starken Wällen umgeben. Kaum war dies geschehen, so erschienen 926 die heidnischen Ungarn schon wieder vor Augsburg. Der fromme Bischof berief die Frauen und Kinder in die Kirchen und betete mit ihnen, während die Männer die Wälle verteidigten. Gott half; die Ungarn zogen ab, verwüsteten aber das Land auf entsetzliche Weise. Der Heilige war unermüdlich im Predigen und verrichtete mit größter Andacht das heilige Messopfer, wobei eine Hand wunderbar erschien und die Opfergaben zugleich mit ihm segnete. Am 10. August 955 wurden die Ungarn auf dem Lechfelde entscheidend geschlagen; der heilige Bischof hatte seine Mannen geschickt; er selbst betete und ermunterte zum Vertrauen auf Gott. Am 4. Juli 973 starb der Heilige. Seine heiligen Reliquien ruhen in der Kirche von St. Ulrich und Afra in einem herrlichen Schreine. Gott verherrlichte seinen Diener im Leben und nach dem Tode druch viele Wunder. Papst Johann XV. sprach ihn 993 heilig. Der heilige Ulrich ist Patron der Diözese Augsburg und wird auch gegen Schäden durch Ratten und Mäuse angerufen.

Lehre. Der heilige Ulrich hält als Symbol einen Fisch. Er gab nämlich einem Boten des Herzogs von Bayern ein Stück Fleisch vom vorigen Tage auf die Rückreise mit und dachte nicht daran, dass es Freitag war. Der Schelm aber brachte es heim, um seinem Herrn zu zeigen, dass der Bischof den Fasttag nicht halte. Als er aber das Fleisch aus der Tasche nahm, war es in einen Fisch verwandelt. Durch dieses Wunder wollte Gott zeigen, dass unverschuldeter Irrtum keine Sünde sei, sowie, dass ihm Arglist und Bosheit als Greuel erscheinen.

Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! lasse uns durch die Fürbitte deines heiligen Bekenners und Bischofs Ulrich deine Barmherzigkeit angedeihen und wolle auf dessen Fürsprache hin uns Sündern gnädig sein. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

27/2015