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Jahrgang 2015 Nummer 4

Heiliger Timotheus, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Timotheus (= Furcht Gottes) war bereits Christ und stand wegen seiner Frömmigkeit in hohem Ansehen, als der heilige Apostel Paulus nach Lystra in Kleinasien kam. Paulus nahm ihn als Gefährten auf seinen apostolischen Reisen mit. Dieser war ihm treu ergeben, wie ein guter Sohn seinem lieben Vater und von den Gläubigen wie ein Engel des Himmels aufgenommen und verehrt. Paulus weihte ihn zum Bischofe von Ephesus. Er schrieb an ihn zwei Briefe, welche im Neuen Testamente enthalten sind, voll heilsamer Lehren für ihn und alle Bischöfe und Seelsorger, und die große Liebe zu seinem Schüler bezeugen. Nach dem Martyrertode des heiligen Paulus war Timotheus noch etwa 30 Jahre für das Evangelium tätig. Beim Hauptfeste der Göttin Diana zu Ephesus wollte der eifrige Bischof die Bewohner von der Torheit des Götzendienstes überzeugen. Diese jedoch schleppten voll Ingrimm den Heiligen vor die Stadt hinaus und brachten ihn durch Keulenschläge und Steinwürfe dem Tode nahe. Gläubige trugen ihn auf den nahen Berg, wo er seine glaubensstarke Seele aushauchte den 24. Januar des Jahres 97. Bei der Übertragung seiner Reliquien nach Konstantinopel (356) geschahen viele Wunder.

Lehre. Der heilige Timotheus ließ sich selbst durch die Gefahr des Todes nicht abhalten, die Ungläubigen zu belehren. Es mögen daher auch Eltern, Lehrer, Seelsorger die Mahnpflicht nicht außer acht lassen; jedoch mit aller Liebe, Ruhe, Sanftmut und Klugheit verfahren. Sollten auch bei manchen anfangs die Mahnungen fruchtlos sein, vielleicht wirken sie später doch, und jedenfalls ist die Pflicht erfüllt. Die Untergebenen sollen Mahnung, Tadel ec. annehmen und zu ihrer Besserung benützen und nicht etwa schmähen.

Gebet der Kirche. Allmächtiger Gott, siehe gnädig unsere Schwachheit an. Und weil uns die Last der eigenen Sünden bedrückt, so möge die mächtige Fürsprache des seligen Timotheus, deines Marthyrers und Bischofes, uns beschützen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

4/2015