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Jahrgang 2012 Nummer 52

Heiliger Thomas, Erzbischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Thomas Becket wurde 1117 zu London in England geboren. Sein Vater war ein wenig bemittelter Edelmann. Thomas widmete sich auf den Universitäten zu Oxford und Paris dem Studium beider Rechte. Der Erzbischof Theobald von Canterbury nahm ihn in seine Dienste, erteilte ihm die heiligen Weihen und ernannte ihn zu seinem Erzdiakon. Thomas blieb immer demütig, fromm und wohltätig. Durch die Empfehlung des Erzbischofs wurde Thomas Reichskanzler des Königs Heinrich II. 1157. In dieser schwierigen Stellung konnte der Heilige seine Weisheit entfalten und suchte überall der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Ungeachtet aller Gegenvorstellungen ernannte ihn der König 1162 zum Erzbischof von Canterbury. Der Heilige sah voraus, dass er bald in arge Kämpfe mit dem Könige verwickelt sein würde, dessen Herrschaft und Habgier in kirchliche Rechte tief eingriffen. Der heilige Erzbischof erfüllte seine schweren Amtspflichten mit größter Gewissenhaftigkeit. Als der Heilige die Kanzlerwürde niederlegte, fiel er in Ungnade. Ruhig und fest trat er für die Rechte der heiligen Kirche ein, musste aber bald fliehen und appellierte an den Papst Alexander III. Er rechtfertigte sich vollständig vor diesem. Selbst seine Verwandten wurden vom Könige verfolgt. König Ludwig VII. von Frankreich bot ihm eine Zufluchtsstätte an. Nach längeren Verhandlungen durfte der heilige Thomas nach Canterbury zurückkehren. Allein eine indirekte Äußerung des Königs gab Anlass, dass mehrere übelgesinnte Ritter sich nach Canterbury begaben, um den Heiligen zu ermorden. Einer spaltete in der Kirche dem heiligen Erzbischofe mit dem Schwerte das Haupt, so dass Gehirn und Blut die Kirche besprengten, und der Heilige starb den 29. Dezember 1170. Schon im Jahre 1173 wurde er vom Papste Alexander III. heilig gesprochen.

Lehre. Der heilige Isidor von Sevilla tat den Ausspruch: »Was nützt es, wenn uns alle loben – und das Gewissen uns anklagt? Oder was kann es uns auch schaden, wenn uns alle anklagen, das Gewissen jedoch uns verteidigt?«

Kirchengebet. O Gott, für dessen Rechte der ruhmvolle Bischof Thomas durch die Schwerter seiner Feinde den Tod erduldet hat: verleihe, wir bitten dich, dass alle, die seine Hilfe anflehen, die heilsame Erfüllung ihrer Bitten erlangen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

52/2012