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Jahrgang 2020 Nummer 28

Heiliger Sigisbert, Abt

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Sigisbert (= Siegebert) kam aus Irland als Schüler des heiligen Coluban mit diesem nach Frankreich. Sigisbert drang bis nach Graubünden in der Schweiz vor und gelangte in die Gegend des St. Gotthardberges. Dann ging es als Missionär nach Uri, gründete bei Andermatt eine christliche Niederlassung und wagte sich auch in das obere Rheintal hinauf in die von Felsen und Wäldern umschlossene Wildnis von Disentis. Dort erbaute er eine Marienkapelle und lebte als Einsiedler. Mehrere Schüler schlossen sich an ihn. Nun begann Sigisbert den Bau eines Benediktinerklosters und einer Kirche zu Ehren des heiligen Martinus und wurde der erste Abt dieses Klosters. Hiezu hatte ihm der bekehrte Edelmann Placidus, der auch heute verehrt wird, Grund und Boden geschenkt. Damals war Graf Viktor in Chur Statthalter des Frankenkönigs, welcher Ungerechtigkeiten beging, ein wüstes Leben führte und auch gegen die Frommen, Armen und Unschuldigen grausam war. Wiewohl selbst reich, erklärte er ohne weiteres das Kloster nebst dessen Besitztum als sein Eigentum. Der Heilige beauftragte obigen Placidus, der alsMönch in das Kloster eingetreten war, dem Statthalter Vorstellungen zu machen. Dieser aber ließ dem unbequemen Mahner, noch mehr aufgestachelt durch eine böse Frauensperson, auf dem Rückwege das Haupt abschlagen, das der Rumpf wunderbar zum heiligen Sigisbert trug. Sein heiliger Leib wurde in der Kirche ehrerbietig beigesetzt. Der Statthalter stürzte, indem unter ihm die Brücke brach, in den Rhein und ertrank. Der heilige Sigisbert setzte sein frommes Leben fort, wurde durch eine Erscheinung der Mutter Gottes getröstet und starb in hohem Alter den 11. Juli um das Jahr 636. Sein heiliger Leib wurde neben dem des heiligen Placidus beigesetzt und von Gott durch Wunder verherrlicht.

Lehre. »Ungerechtes Gut tut nicht gut«, sagt ein Sprichwort. Gott straft die Bösen oft schon in diesem Leben. Wenn aber ein Missetäter auch auf Erden unbestraft bleibt – kann er dem gerechten Gerichte Gottes entrinnen?

Gebet. Wir bitten dich, o Herr! gewähre, dass wir stets das Fest deiner Heiligen Placidus und Sigisbert feiern, damit wir durch deren Fürbitte deinen Schutz gnädig erfahren. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

28/2020