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Jahrgang 2020 Nummer 49

Heiliger Sabbas, Abt

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Sabbas (= fromm) war der Sohn vornehmer und frommer Eltern zu Cäsarea in Cappadocien (Kleinasien). Der Vater war Offizier, musste fortreisen und nahm die Mutter mit. Den Sohn übergab er seinem Schwager. Die Frau desselben behandelte den Knaben so hart, dass er zu seinem Oheim flüchtete. Dieser aber wollte auch dessen Vermögensverwaltung an sich ziehen. Diese Streitigkeiten bewogen den Heiligen, ganz auf das Irdische zu verzichten und in den Orden des heiligen Basilius zu treten. In verschiedenen Klöstern bereitete er sich unter berühmten Meistern auf ein frommes Einsiedlerleben vor. Strenge gegen sich selbst, widmete er sich eifrig dem Gebete, der Betrachtung und Händearbeit. Zum Priester geweiht, unternahm Sabbas die Leitung von Schülern, welche bald auf 150 sich vermehrten, und stand ihnen als Abt vor. Er gründete auch mehrere Einsiedlerklöster. Damals war die Kirche im Morgenlande durch Ketzereien beunruhigt. Der Heilige trat für die Reinheit des heiligen Glaubens ein, verhinderte den Abfall vieler und bekehrte Irregeführte. Der heilige Patriarch Elias von Jerusalem sendete ihn zum Kaiser Anastasius I. nach Konstantinopel, der ihn zwar gütig aufnahm, aber es bei Versprechungen bewenden ließ. Hingegen hörten die Kaiser Justin und Justinian auf sein überzeugendes Wort und traten für die Sache der Kirche gegen die Irrlehrer ein. Der heilige Abt erflehte auch zur Zeit der Dürre einen befruchtenden Regen. Nachdem Sabbas vielen Gutes erwiesen und reiche Verdienste gesammelt hatte, befielen ihn die heftigsten Schmerzen, die er geduldig ertrug. Am 5. Dezember 531 verschied der Heilige im Alter von 99 Jahren, wovon er 76 im Ordensstande verlebt hatte.

Lehre. Der heilige Thomas von Aquin lehrt: »Die drei theologischen Tugenden sind: Glaube, Hoffnung und Liebe. Aus dem Glauben entspringen vier Dinge: Die Rechtlichkeit des Lebens, die Nahrung der Seele, die Verehrung Gottes und der Lohn des Paradieses. Aus der heiligen Liebe entsteht viererlei: nämlich die Ehrfurcht vor Gott, die Liebe des Nächsten, die Hilfe für den Unterdrückten und die Besserung des Irrenden«.

Gebet. O Gott, du Quelle alles Guten! der du deinem heiligen Diener Sabbas eine so große Liebe zur Einsamkeit und so großen Eifer für den heiligen Glauben verliehen hast; gewähre uns durch dessen Fürsprache, dass wir begeisterte Glieder deiner Kirche sein mögen. Amen

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

49/2020