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Jahrgang 2015 Nummer 6

Heiliger Romuald, Abt und Ordensstifter

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Romuald (= stark) war der Sohn adeliger Eltern zu Ravenna in Italien und verlebte frei und üppig seine Jugend. Als er einen Anverwandten im Duelle mit seinem Vater tot niederfallen sah, eilte er entsetzt hinweg und bat im Benediktinerkloster von Classe um Aufnahme. Er begab sich dann unter die Leitung des Einsiedlers Morinus. Von Gott angetrieben, erbaute der Heilige zu Camaldoli ein Kloster und legte den Grund zu einem neuen Orden, dessen Mitglieder Camaldulenser genannt wurden. Gegen sich strenge, indem er ein rauhes Kleid trug, sich dem Gebete, der Betrachtung, dem Fasten und harter Handarbeit hingab, war er milde und sanft gegen seine Untergebenen. Es schlossen sich viele Schüler an, und so entstand ein Kloster nach dem andern. Aus seinem Antlitze leuchtete eine solche Freundlichkeit und Heiterkeit, dass er alle um sich her fröhlich und heiter machte. In einer Vision schaute Romuald Mönche auf der Leiter seines Ordens im weißen Gewande zum Himmel emporsteigen; deshalb führte er nun das weiße Ordenskleid ein. Der Heilige trug viel zur Besserung der Sitten seiner Zeitgenossen bei und bekehrte eine Menge Sünder. Endlich starb er im Alter von 120 Jahren am 19. Juni 1027. Seine Reliquien ruhen zu Fabriano. Papst Clemens VIII. bestimmte den 7. Februar zu seinem Ehrentage.

Lehre. Ängstiget dich, o bußfertige Seele! der Teufel mit der Erinnerung an deine früheren Sünden, so rufe mit dem heiligen Romuald, der fünf Jahre lang solche Beängstigungen ertragen musste, aus: »Süßer Jesus, mein süßer Jesus, du mein unaussprechliches Verlangen, du meine einzige Freude!« – Mein Jesus, Barmherzigkeit!

Gebet. Gewähre uns, o Herr! durch die Fürbitte des heiligen Romuald deinen Gnadenschatz, damit wir auf dem Wege der Buße beharrlich fortschreiten, durch keine Versuchungen des bösen Geistes uns irre machen lassen und auch glücklich zu dir gelangen mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

6/2015