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Jahrgang 2020 Nummer 1

Heiliger Rigobert, Erzbischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Rigobert (= Robert = ruhmglänzend, Ratgeber), einem vornehmen fränkisch-ripuaririschen Geschlechte entsprossen, erhielt in der Abteischule von Orbais seine Ausbildung, zeichnete sich durch Frömmigkeit aus, wurde daselbst Mönch und später Abt. Im Jahre 698 wurde er Erzbischof von Rheims. Beim Majordomus (Reichsregenten) Pipin von Heristal stand der Heilige in großem Ansehen und in Gunst wegen seiner Gerechtigkeitsliebe und anderer Tugenden. Deswegen wurde er auch der Taufpate seines Sohnes Carl Martell. Als dieser Reichsregent geworden war und mit dem Könige Chilperich in Streit geriet, trat Rigobert ihm freimütig entgegen (siehe Bild!) und verweigerte ihm den Einzug in Rheims, weil der Heilige neutral bleiben und eine Plünderung verhindern wollte. Dafür wurde er aus seinem Erzbistum vertrieben; durfte zwar nach einiger Zeit zurückkehren, aber sein hohes Amt nicht mehr ausüben. Diese Ungerechtigkeit ertrug Rigobert geduldig und standhaft bis zu seinem Tode, am 4. Januar 743 in Gerincourt. Alsbald ereigneten sich auf seine Anrufung hin wunderbare Heilungen und Erscheinungen. Im Jahre 864 wurde der Leib des Heiligen vom Erzbischofe Hincmar erhoben und feierlich nach Rheims übertragen. Der heilige Rigobert gilt als Schutzpatron gegen Zahnleiden.

Lehre. Der Heilige beugte sich nicht vor der Ungerechtigkeit. Auch als Taufpate hatte er Recht und Pflicht, den gewalttätigen Carl Martell von Rechtsverletzung abzuhalten. Die Tauf- und Firmpaten übernehmen nebst der Ehre auch die wichtige Pflicht, die Erziehung und den Wandel ihrer Patenkinder zu überwachen. Darum kommt auf die Wahl der Paten viel an – und mit etwaigen reichen Geschenken ist die übernommene Pflicht nicht beseitigt. Möchten doch die Paten auch geeignete und nützliche Geschenke geben.

Gebet. O Gott! Du hast deinem heiligen Diener Rigobert Standhaftigkeit in den Leiden verliehen, welche er um der Gerechtigkeit willen auf sich nehmen musste: gewähre auch uns deine helfende Gnade, dass wir in treuer Beobachtung unserer Berufspflichten standhaft verharren, um hiefür deinen ewigen Sohn im Himmel zu erlangen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

1/2020