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Jahrgang 2016 Nummer 40

Heiliger Remigius, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Remigius (= Ruderer, Führer) war der Sohn vornehmer Eltern zu Laon in Frankreich. Bei seinen großen Geistesanlagen machte er sich um so gründlicher die Wissenschaften zu eigen und übertraf durch seine Beredtsamkeit alle Zeitgenossen. Im Jahre 457 wurde Remigius ungeachtet seiner Weigerung zum Bischof von Rheins erwählt. Gebet, Schriftforschung, Unterweisungen und Belehrungen der Sünder, Irrgläubigen und Heiligen ließ er sich stets angelegen sein. Der Heilige war von Gott berufen, Frankreich größtenteils dem heiligen Glauben zu gewinnen. Auch der Alemannen und Burgunder nahm er sich liebreich an. Gott unterstützte und belohnte sein unerschütterliches Vertrauen auf ihn sogar durch die Wundergabe. Der Frankenkönig Chlodwig I. ließ sich 496 infolge des Gelübdes in der Schlacht bei Zülpich gegen die Alemannen taufen. Dabei sprach der heilige Bischof die denkwürdigen Worte: »Stolzer Sigambrer, beuge dein Haupt, verbrenne, was du angebetet; und bete an was du verbrannt hast«. Eine Taube brachte wunderbar ein Fläschchen mit Chrisam herbei. Auch viele Große des Reiches und 3000 Franken ließen sich mit dem Könige taufen. Die Bekehrungen wurden immer zahlreichen. Der heilige Remigius wurde jetzt vom Könige zu Rate gezogen. So lange dies geschah, war der König in allen Unternehmungen glücklich, und der Segen Gottes begleitete und schützte ihn. Der Heilige erreichte ein Alter von 94 Jahren und starb den 13. Januar 532. Sein Verehrungstag ist aber der 1. Oktober, an welchem seine heiligen Reliquien übertragen worden sind.

Lehre. Dem heiligen Remigius wurde geoffenbart, dass bald eine große Hungersnot über einen Teil von Frankreich kommen werde. Deshalb kaufte er Getreide an, um den Armen in der Not helfen zu können. Die Bauern hielten dies für Geiz und zündeten die Scheune an. Als der Heilige dies vernahm, eilte er herbei, näherte sich den Flammen und sprach: »Feuer ist immer gut; kann man keinen anderen Nutzen daraus ziehen, so kann man sich doch wenigstens daran wärmen«. Ein schönes Beispiel von Gleichmut, Geduld und Sanftmut.

Gebet. O Gott, nimm wohlgefällig meinen Vorsatz auf, dir anzugehören; und ersetze durch deine Gnade, was mir wegen der Schwachheit der Natur und der Unbeständigkeit des Willens mangelt. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

40/2016