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Jahrgang 2013 Nummer 40

Heiliger Placidus, Abt und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Placidus (= gefällig, sanft) wurde 510 zu Rom geboren. Sein vornehmer Vater übergab ihn dem heiligen Benedict zur Erziehung. Placidus wurde dessen Lieblingsschüler. Als er einmal aus dem See bei Subiaco Wasser schöpfte, fiel er in den See hinein. Sankt Benedict schickte den heiligen Maurus zu Hilfe. Dieser eilte im Gehorsam über das Wasser hin und zog Placidus lebend heraus. Placidus gründete auf der Insel Sizilien bei Messina am Meeresufer auf einem vom Vater geschenkten Landstücke ein Kloster und wurde dessen erster Abt. Er lebte in strengster Weise fünf Jahre lang und war seinen dreißig Mönchen das schönste Beispiel in allen Tugenden. Seine Brüder Eutychius und Victorinus und seine Schwester Flavia kamen zu ihm auf Besuch in Begleitung von Donatus Faustus und des Diakons Firmatus. Da landete der berüchtigte Seeräuber Manucha und überfiel das Kloster. Er ließ alle vor sich führen und wollte sie zum Abfalle vom Glauben zwingen. Sie blieben aber standhaft. Dem Donatus wurde allsogleich das Haupt abgeschlagen. Alle übrigen wurden mit Ruten geschlagen, an Händen und Füßen gefesselt, eingeschlossen und jeden Tag gegeißelt. Gott erhielt sie wunderbar. Nach einigen Tagen wurden sie wieder vorgeführt und wegen ihrer Standhaftigkeit geschlagen, entkleidet, mit herabhängendem Kopfe aufgehängt und durch unten verursachten Rauch gequält. Den anderen Tag waren sie wunderbar geheilt. Dem heiligen Placidus wurden Mund und Zähne mit Steinen zerschlagen und die Zunge herausgerissen; dennoch konnte er reden. Dann wurden alle an Anker und Mühlsteine gebunden und in das Meer geworfen; sie kamen lebend an das Ufer. Nun wurden alle enthauptet den 5. Oktober 541. Die Gottlosen verschlang das Meer.

Lehre. »Das Martyrium«, sagt der heilige Cyprian, »ist das Ende der Sünden, die Grenze der Gefahren, der Führer des Heiles, der Lehrmeister der Geduld und das Haus des Lebens«. Sei standhaft, o Christ! in allen deinen Leiden.

Kirchengebet. O Gott, der du den heiligen Placidus vom Tode im Wasser wunderbar errettet hast, damit er mit mehreren Genossen vor den Verfolgern den Glauben bekennen und mit seinem eigenen Blute bekräftigen würde: verleihe uns durch deren Fürbitte, dass wir uns nicht fürchten, wegen deiner unser Leben zu verlieren, sondern es bei dir glücklich zu erlangen verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

40/2013