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Jahrgang 2016 Nummer 10

Heiliger Phocas, Gärtner und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Phocas war ein Gärtner zu Antiochien in Syrien (Kleinasien). Ein Sohn armer Eltern, erwarb er sich durch die Bebauung seines Gartens soviel, dass er davon leben und auch noch reichlich Almosen geben konnte. Bei der Christenverfolgung unter Kaiser Trajan wurden Soldaten abgeschickt, um den Heiligen gefangen zu nehmen. Diese kannten ihn nicht und fragten ihn, wo der Christ Phocas wohne. Morgen, sprach er, werde er ihnen denselben zeigen; denn er kenne ihn ganz gut. Die Soldaten wurden mit christlicher Liebe bewirtet. Am andern Tage erklärte der Heilige: Er selbst sei jener Phocas, den sie suchten; sie sollten nur tun, was ihnen befohlen wäre. Schweren Herzens nahmen die Soldaten ihn gefangen und führten ihn zum Richter. Nach dem römischen Martyrologium hat der Heilige viele Unbilden um des Namens Jesu willen erduldet und wurde zuletzt enthauptet am 5. März um das Jahr 110. Über seinem Grabe wurde eine herrliche Kirche erbaut. Das römische Martyrologium sagt wörtlich: »Weil Phocas die höllische Schlange überwunden hat, deshalb wird, wenn jemand in jenen Gegenden von dem giftigen Bisse einer Schlange verletzt ist, von der Wirkung des Giftes geheilt, sobald er vertrauensvoll die Türe der Basilika des heiligen Martyrers berührt. Der Heilige ist Schutzpatron der Gärtner.

Lehre. Schwere, jedoch auch schöne Arbeiten haben die Gärtner. Wie oft können und sollen sie, sowie alle Christen beim Anblicke der Blumen, Bäume und an Gott denken, der alles so schön erschaffen hat und jedem Pflänzlein das Gedeihen gibt! Beherzigen wir hiebei, was der göttliche Heiland vom unfruchtbaren Baume gesagt hat: »Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen werden«. (Math. 7, 19) Seien wir wie der heilige Phocas darauf bedacht, dass der himmlische Gärtner an unserem Lebensbaume viele schöne und gute Früchte finden werde.

Gebet. O allmächtiger Gott! gib uns die Zufriedenheit mit unserem Stande, flöße uns Liebe zu dir und zum Nächsten ein und verleihe uns deine befruchtende Gnade, damit wir nach deinem Wohlgefallen leben und reiche Früchte für den Himmel bringen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

10/2016