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Jahrgang 2013 Nummer 46

Heiliger Othmar, Abt

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Othmar (= ruhmvoll) stammte aus einem Grafengeschlechte, wurde in der Domschule zu Chur in der Schweiz ausgebildet und dann zum Priester geweiht. Eine gute Zeit war er Pfarrer und wurde dann zum Abt von St. Gallen erwählt (720). Mit kräftiger Hand ordnete er die Verwaltung der Güter, welche durch freiwillige Schenkungen vermehrt wurden. Auch die Zahl der Mönche wuchs täglich, und die Wissenschaften wurden eifrig gepflegt. Das Kloster erhielt einen solchen Ruf, dass man ihm für das neu gegründete Kloster Tegernsee in Bayern Mönche verlangte. Statt der Regel des heiligen Columban führte Othmar jene des heiligen Benedict ein. Er lebte sehr abgetötet und war dem Gebete ergeben. Für die Armen übernahm er selbst die Obsorge. Vom Armenhause abgesondert erbaute er ein eigenes Hospital für die Aussätzigen und verpflegte dieselben oft eigenhändig. Wiewohl der fromme Abt vom Könige Pipin einen Schutzbrief erlangt hatte, so wollten dennoch die fränkischen Beamten Marinus und Ruodhard dem Kloster Besitzungen entreißen. Sie nahmen ihn gefangen, als er abermals am königlichen Hofe Schutz suchen wollte. Ein schlechter Mönch gab sich zum Zeugen her, dass der Heilige eine Frau entehrt hätte. Othmar berief sich auf seine Unschuld, wurde aber ungeachtet seiner Beteuerung verurteilt; jene Frau war bereits gestorben. Man brachte ihn in die Burg Bodmann am Bodensee und hielt ihn gefangen. Ein Klosterbruder versah ihn heimlich mit Speise und so wurde er vor dem Hungertode bewahrt. Endlich durfte der Heilige auf die Rheininsel Werd verbracht werden, wo er unter Übungen der Gottseligkeit sein frommes Leben beschloss den 16. November 759. Nach 10 Jahren wurden seine heiligen Reliquien nach St. Gallen übertragen. Im Jahre 864 erfolgte seine Heiligsprechung. Der heilige Othmar hat auf Bildern ein Weinfässchen neben sich, weil auf sein Gebet der Wein in einem Fässchen nie zu Ende ging.

Lehre. Der heilige Chrysostomus sagt: »Ein offenbarer Feind ist gewiss besser, als ein falscher Freund; denn jener, den man fürchtet, kann leicht vermieden werden; dieser aber, den man nicht kennt, besiegt uns.«

Kirchengebet. Wir bitten dich, o allmächtiger Gott! dass die fromme Fürbitte deines heiligen Abtes Othmar uns von den irdischen Begierden beständig freihalte und uns im Verlangen nach dem Himmlischen immer mehr vervollkommnen möge. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

46/2013