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Jahrgang 2012 Nummer 37

Heiliger Nicomedes, Priester und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Kaum hatte Kaiser Domitian im Jahre 81 den Thron bestiegen, so begann er, die Christen zu verfolgen. Unter den ersten Bekennern Christi war sein Vetter Flavius Clemens und dessen Gemahlin Domitilla. Viele Gläubige erlitten den Martyrertod. Der heilige Priester Nicomedes (= siegreicher Denker), ein Schüler des heiligen Petrus, besuchte zu Rom die Bekenner Christi in den Gefängnissen, stärkte sie im Glauben und erwies ihnen geistige und leibliche Wohltaten. Als er den Leichnam der heiligen Felicula zur Erde bestattete, wurde er von Schergen ergriffen (siehe Bild!). Denn nach Befehl des Kaisers sollten die Leichname der getöteten Christen wie jene der Missetäter in der Erde verscharrt werden. Der Richter befahl ihm im Namen des Kaisers, den Göttern zu opfern. Nicomedes aber erklärte, erbringe nur dem wahren lebendigen Gott Opfer dar, dem sie allein gebühren; und er werde nie durch Götzenopfer seine Seele bemakeln. Die Henkersknechte schlugen ihn nun so lange mit bleiernen Stöcken, bis er seinen Geist aufgab den 15. September um das Jahr 90. Sein heiliger Leib wurde auf Befehl des Präfekten in die Tiber geworfen. Die Christen aber retteten denselben und begruben ihn ehrerbietig.

Lehre. So viele Hunderttausende der edelsten Seelen mussten durch Kreuz und Leiden, ja durch die größten Peinen, wie der heilige Nicomedes, in das Himmelreich eingehen. Groß ist die Macht und Kraft des Kreuzes. Der heilige Andreas von Creta sagt: »Das Kreuz ist die Hoffnung des Christen, der Retter der Verzweifelnden; der Helfer jener, welche vom Sturme belegt werden; die Arznei der Kranken, der Vernichter der Laster, der Verleiher der Gesundheit; das Leben derjenigen, welche bereits mit dem Tode ringen; die Verbannung der Gottlosigkeit und die Niederlage der Gotteslästerung«. Nach der Meinung des Kardinals Hugo wird das Kreuz (das heißt desen Bitterkeit) entfernt: 1. wenn man es wegen des Glaubens an Jesus Christus auf sich nimmt; 2. wenn man sich der Last der Buße unterzieht; 3. wenn man mit dem Nächsten leidet.

 

Kirchengebet. O Herr! Stehe deinem Volke bei: damit es im Vertrauen auf die herrlichen Verdienste deines heiligen Martyrers Nikodemus durch dessen Fürbitte stets zur Erlangung deiner Barmherzigkeit unterstützt werde. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

 

37/2012