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Jahrgang 2016 Nummer 44

Heiliger Narcissus, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Narcissus, Bischof von Gerona in Spanien, flüchtete sich vor der unter Kaiser Diocletian ausgebrochenen Christenverfolgung, einer Weisung von oben gehorchend, mit seinem Diakon Felix und kam nach Augsburg. Dort bekehrte und taufte er die heilige Afra, deren Mutter Hilaria und die Dienerinnen Digna, Eunomia und Eutropia, sowie alle übrigen Hausbewohner. Darunter befand sich auch der heilige Dionysius, Bruder der heiligen Hilaria, den der heilige Narcissus selbst zum ersten Bischof von Augsburg geweiht haben soll. Als jedoch auch in dieser Gegend die Verfolgung wütete, so kehrte Narcissus mit seinem Begleiter in die Heimat zurück, und beide erlitten den Martyrertod um das Jahr 306. Als im Jahre 1286 unter der Regierung des Königs Peter von Aragonien die Stadt Gerona von den Franzosen erobert wurde, verteidigte ein Schwarm Mücken das Grab des heiligen Bischofs und Martyrers Narcissus. Der Todestag desselben scheint der 18. März zu sein. In der Diözese Augsburg aber ist sein Verehrungstag der 29. Oktober.

Lehre. Jene Heiligen, welche zur Zeit der Christenverfolgungen lebten und litten, haben gewiss am meisten Geduld und Standhaftigkeit geübt, wie der heilige Narcissus. St. Chrysostomus zählt neun Stufen der Geduld auf: »Die erste Stufe der Geduld hat erreicht, wer dem andern nicht zuerst eine Unbild zufügt. Die zweite Stufe, wem eine Unbild zugefügt wurde, und der nicht gleiches mit Gleichem vergilt. Die dritte, der eine empfangene Unbild geduldig ertragen gelernt hat. Die vierte, wer sich selbst bereit erklärt, eine Unbild zu ertragen. Die fünfte, wer sogar zu noch mehreren Unbilden bereit ist, als ihm der Beleidiger zufügen will. Die sechste, wer denjenigen nicht hasst, welcher ihn schwer beleidigt hat. Die siebente, wer seinen Beleidiger liebt. Die achte, wer seinem Beleidiger Wohltaten erweist. Die neunte Stufe hat derjenige erreicht, der für seine Beleidiger sogar zu Gott betet und ihm für sie innig dankt«.

Kirchengebet. Wir flehen demütig vor deiner Majestät, o Herr! damit der heilige Narcissus beständig bei dir unser Fürsprecher sei, welcher Prediger und Oberhirte deiner Kirche von Augsburg gewesen ist. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

44/2016